Den Kampf gegen die Enttäuschung überstand Serena Williams gerade einmal drei Minuten, dann musste sie den Tränen nachgeben. "Ich bin fertig", schluchzte die 39-Jährige noch mit brüchiger Stimme, ehe sie die Pressekonferenz nach ihrem Halbfinal-Aus bei den Australian Open abrupt abbrach und weinend verließ.
Wieder einmal ist Williams kurz vor dem ersehnten 24. Grand-Slam-Titel gescheitert - und die Zweifel wachsen, ob sie diesen Rekord jemals erreichten wird. Der Kampfgeist ist der amerikanischen Tennis-Königin keineswegs abzusprechen, den zeigte sie auch beim 3:6, 4:6 gegen die klar überlegene Japanerin Naomi Osaka.
Als sich Williams nach dem verpassten Finaleinzug aber die Hand aufs Herz legte und sich emotional von den Fans in der Rod-Laver-Arena verabschiedete, kamen Fragen auf: Wie lange will die Mutter der dreijährigen Olympia dem Major-Rekord noch nachjagen? War das bereits ein Abschied für immer aus Australien?
Australian Open
Williams-Fluch hält an: Osaka steht im Finale
18/02/2021 AM 04:33
"Ich weiß es nicht", sagte Williams lächelnd, die Kette mit der Aufschrift "Queen" funkelte um ihren Hals: "Wenn ich mich irgendwann mal verabschiede, würde ich es keinem verraten. Also..." Das war schon eine der ausführlicheren Antworten, ansonsten gab sich Williams in der rund dreiminütigen Fragerunde extrem schmallippig.

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Williams: Vier Finalniederlagen seit 2018

Der Frust ist nur zu verständlich, auch sie sieht ihre Zeit langsam ablaufen. "Ich glaube, dass sie zum ersten Mal darüber nachdenkt: Wie lange geht's noch?", vermutete Boris Becker bei Eurosport. Seit der Geburt ihrer Tochter im September 2017 beißt sich Williams schon die Zähne am 24. Titel aus, mit dem sie endlich mit Rekordhalterin Margaret Court (Australien) gleichziehen würde. 2018 und 2019 war sie viermal ganz nah dran, verlor aber jeweils die Finals in Wimbledon und New York.

Sieg über Williams: Osaka verrät griechisches Erfolgsgeheimnis

"Wenn man dicht davor steht, etwas ganz Großes zu erreichen, dann erzeugt das einen zusätzlichen Druck", sagte Titelverteidiger Novak Djokovic nach seinem erneuten Finaleinzug ein paar Stunden später: "Aber wenn man das ganze Bild von Serena sieht, erkennt man ihre ungeheure Bedeutung für den Sport. Sie ist eine der Größten aller Zeiten im Sport weltweit, nicht nur im Tennis."
Anders als im Endspiel der US Open vor drei Jahren, als sie ebenfalls gegen Osaka verloren und mit ihren Sexismus-Vorwürfen gegen den Schiedsrichter für einen Eklat gesorgt hatte, trug Williams ihre Niederlage gegen die Japanerin diesmal mit Fassung. "Ich hatte Gelegenheiten, ich hätte gewinnen können", sagte sie: "Aber ich habe einfach so viele Fehler gemacht, zu viele leichte Fehler." Lobende Worte für Osaka fand sie aber nicht.

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Osaka als würdige Williams-Nachfolgerin

Vier Jahre liegt ihr bislang letzter der 23 Grand-Slam-Titel zurück, ebenfalls in Melbourne war das. Am Donnerstag feuerten die Zuschauer, die nach dem fünftägigen Lockdown wieder in die Rod-Laver-Arena durften, die Amerikanerin lautstark an. Doch Osaka dominierte das Match wie einst Williams mit kraftvollem und fast fehlerlosem Powertennis - und präsentierte sich schon mal als würdige Nachfolgerin.
Auch diesen Killerinstinkt in großen Momenten, der ihr Idol Williams so lange ausgezeichnet hatte, ist mittlerweile typisch für Osakas Spiel. Am Samstag (9.30 Uhr MEZ/Eurosport) gegen Finaldebütantin Jennifer Brady (USA) will sie ihn wieder zeigen, um in ihrem vierten Grand-Slam-Endspiel den vierten Titel zu gewinnen.
"Ich habe diese Mentalität, dass die Leute sich nicht an die Zweitplatzierten erinnern", sagte die 23-Jährige: "Es ist der Name des Gewinners, der auf der Trophäe eingraviert wird." Noch mag die Tennis-Queen nicht abgetreten sein - aber ihre Thronfolgerin steht schon bereit.
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(SID)

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