Djokovic sei "mit dem Tennissport verwurzelt", die Gefahr eines abrupten Karriereendes der Nummer eins der Welt bestehe laut Boris Becker, der bei den am 17. Januar startenden Australian Open (live bei Eurosport und Eurosport mit Joyn) erneut als Eurosport-Experte arbeiten wird, nicht.
Djokovic sei ein "Straßenkämpfer mit dem Motto 'me against the world'", sagt der Mann, der als Trainer zwischen 2013 und 2016 mitverantwortlich für sechs der 20 Grand-Slam-Titel des Serben zeichnet.
Dennoch rückt die Einreiseaffäre um den 34-Jährigen, welche die Tenniswelt nun schon seit knapp zwei Wochen in Atem hält, den Serben einmal mehr in ein schlechtes Licht und könnte sich auch auf dessen Leistung auf dem Tennisplatz auswirken.
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Dass Djokovic ausgebuht wird, passiere "ihm eigentlich bei jedem Grand Slam", sagt Becker und glaubt deshalb auch nicht, dass sich der neunmalige Sieger der Australian Open dadurch aus dem Konzept bringen lassen würde. Allerdings könnte die suboptimale Turniervorbereitung ins Gewicht fallen.
Zum zweiten Mal binnen einer Woche muss der zweifache Familienvater aktuell in einem Abschiebehotel ausharren, kann nicht wie üblich auf der Anlage trainieren. Becker spricht daher von der "schlechtesten sportliche Vorbereitung auf ine Grand-Slam-Turnier in seiner Karriere". "Auch Novak braucht seine Trainingsstunden auf dem Platz und Vorbereitungsmatches."

Becker: "Da kommt ein Serbe und ruiniert die Party"

Die Gründe für Djokovics Unbeliebtheit sind für Becker vielfältiger Natur. "Erstmal ist die Tennis-Welt seit 20 Jahren geteilt in Roger-Federer-Fans und Rafael-Nadal-Fans. Da kommt ein Serbe und ruiniert die Party. Das ist das Grundproblem", sagt der 54-Jährige.
Zudem unterscheide sich Djokovics "Sichtweise auf sportliche, kulturelle, politische Themen" von der Allgemeinheit. "Ich spreche da von Westeuropa und Nordamerika", erläutert Becker und führt aus:
"Dazu ernährt er sich vegan, und ist sehr gläubig. Er kommt nicht aus der neutralen Schweiz, nicht aus dem populären Spanien, er kommt aus einem Bürgerkriegsland namens Serbien, das früher Jugoslawien hieß. Das sind alles keine optimalen Vorzeichen. Das muss man wissen, um Novak Djokovic richtig einzuschätzen."

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Die Tatsache, dass Djokovic genau wie Federer und Nadal 20 Grand-Slam-Titel geholt hat und zusätzlich die meisten Wochen in der Weltrangliste auf Position eins stand, sei "ihm noch höher anzurechnen, weil er grundsätzlich die Zuschauer gegen sich hat. Das mag kein Tennisspieler", bewertet der sechsmalige Grand-Slam-Sieger. "Von vielen Fans wurde noch gar nicht der Versuch unternommen, ihn verstehen zu wollen. Es bestehen viele Vorurteile, es wird viel in Schubladen gedacht. Viele machen sich nicht die Mühe zu fragen, wie ist Novak Djokovic als Mensch?"

Becker zu Djokovic: "Habe andere politische Ansichten"

Der Serbe sei ein "wunderbarer Charakter", der seine Familie und sein Heimatland über alles liebe. Er habe "viele menschliche Qualitäten" und sei "ein unglaublicher Kämpfertyp".
"Wenn einer die Chance hat, die Australian Open unter diesen Bedingungen zu gewinnen, dann Djokovic", ist sich Becker sicher. Auch wenn sich der Eurosport-Experte zum "erweiterten Teil" der Familie Djokovic zähle, sei er nicht immer einer Meinung mit seinem ehemaligen Schützling. "Ich habe mich impfen lassen, ich habe andere politische Ansichten, aber trotzdem sind wir uns als Menschen sehr nahe."
Es ist daher auch wenig verwunderlich, dass Becker in der Debatte um den besten Tennisspieler der Geschichte eine klare Meinung vertritt: "Von den Dreien (Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic, Anm. d. Red) ist er der erfolgreichste Spieler, das kann man gar nicht anders sagen, ob man ihn mag oder nicht. Alle drei haben 20 Grand-Slam-Titel gesammelt, aber keiner war so lange die Nummer 1 der Welt wie Novak. Und die ATP-Rangliste ist nun mal die Bibel."
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