Casper Ruud - Norwegens Tennis-Star exklusiv: "Ich sage nicht, dass wir die Skier verbrennen sollen"

Casper Ruud spielte ein erfolgreiches Jahr 2021. Mit fünf Turniersiegen arbeitete sich der 23-Jährige bis auf Rang acht der Weltrangliste vor. Allerdings hat Ruud bei den Grand Slams noch jede Menge Luft nach oben. In der Eurosport-Serie "Players' Voice" reflektiert Ruud seine letzte Saison mit großen Siegen und bitteren Niederlagen - und äußert einen Wunsch an sein Heimatland Norwegen.

Casper Ruud ist die aktuelle Nummer acht der Welt

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Norwegen ist in letzter Zeit nicht unbedingt berüchtigt für seine Top-Tennisspieler.
Casper Ruud begann 2016 gegen den Trend anzukämpfen, als er der erste Junioren-Weltranglistenerste des Landes wurde - mehr als 20 Jahre nachdem sein Vater, Christian Ruud, mit Weltranglistenplatz 39 ein ATP-Karrierehoch erreicht hatte.
Seitdem er die Juniorenrangliste angeführt hat, ist Casper in die Fußstapfen seines Vaters getreten - und hat ihn sogar deutlich übertroffen. Mittlerweile ist der 23-Jährige in die Top 10 der Weltrangliste aufgestiegen und hat sechs ATP-Titel gewonnen, fünf davon im Jahr 2021.
In der neuesten Ausgabe von Players' Voice auf Eurosport.de reflektiert die aktuelle Nummer acht der Welt sein bedeutsames Jahr 2021 und die harten Lektionen, die er bei den Grand Slams gelernt hat. Zudem äußert er einen Wunsch an sein Heimatland.

Von Casper Ruud

Hallo liebe Tennisfreunde,
Als ich meine Saison im letzten Jahr in Australien begann, hatte ich keine Ahnung, dass ich in der Lage sein würde, fünf Turniere zu gewinnen. Man strebt immer den Sieg bei einem Turnier an, aber das ist eine sehr schwierige Aufgabe. Normalerweise starten 32 oder 64 Spieler - und es kann nur einen Sieger geben.
Im letzten Jahr war ich zufällig fünfmal der Sieger. Das ist natürlich ein großartiges Gefühl und obwohl es ein wenig surreal ist, hat es mir das Selbstvertrauen gegeben zu wissen, dass ich jedes Mal, wenn ich eine neue Saison beginne, in der Lage bin, mehrere Turniere zu gewinnen. Das ist eine große Motivation für mich.
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Mit seinem Sieg in Kitzbühel im Juli 2021 wurde Casper Ruud der erste Spieler seit Andy Murray im Oktober 2011, der drei Turniere in Folge gewann

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Wenn ich die Möglichkeit hätte, diese fünf Titel gegen einen Grand-Slam-Titel einzutauschen, würde ich das sofort tun. Grand Slams sind natürlich das Größte, was wir in diesem Sport haben - davon träumt jeder Spieler. Ich erinnere mich noch gut an das erste Mal, als ich es bei den Australian Open 2018 über die Qualifikation in ein Hauptfeld geschafft habe. Das war ein ganz besonderes Gefühl.
2021 konnte ich bei den Grand Slams nicht so gut abschneiden, wie ich es mir erhofft hatte. Der Start in Melbourne war gut, dort habe ich zum ersten Mal das Achtelfinale erreicht. Aber insgesamt war die Grand-Slam-Saison eine Enttäuschung für mich. In Roland Garros habe ich in der dritten Runde gegen Alejandro Fokina gespielt und im fünften Satz mit 5:7 verloren. Ein verrücktes Achterbahnmatch, in dem ich meine Chancen hatte, sie aber nicht nutzen konnte. Das war eine sehr harte Niederlage, denn ich hatte eine tolle Sandplatzsaison hinter mir und die French Open waren ein großes Ziel.
In Wimbledon hatte ich ein ganz ähnliches Match gegen Jordan Thompson, auch dort habe ich in fünf Sätzen verloren. Das sind bittere Niederlagen, aber gleichzeitig motiviert es einen für die kommenden Jahre. Wenn man die Chance auf eine Revanche gegen diese Spieler hat, erinnert man sich und denkt: "Bitte lass‘ es nicht wieder passieren!“
Ich hoffe, dass ich in der Lage bin, diese großen Turniere irgendwann zu gewinnen. Es fühlt sich derzeit so an, als wäre ich noch weit davon entfernt ... Aber ich werde natürlich alles dafür tun und dran bleiben, um ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Die besten Chancen rechne ich mir in Paris aus - Roland Garros wird für mich immer eines der größten Turniere jeder Saison sein.
Ich blicke auch schon ein bisschen auf 2024. Das wird ein besonderes Jahr, denn mit den Olympischen Spielen hat man in einem Jahr gleich zwei Chancen, in Paris zu gewinnen. Ich werde dann 25 Jahre alt sein und hoffe, dass ich bis dahin auf dem höchsten Niveau meiner Karriere spielen kann.
Das würde bedeuten, dass ich von Jahr zu Jahr ein besserer Spieler werde, und ich bin sehr dankbar für die Unterstützung meiner Familie. Mein Vater ist mein Trainer und meine ganze Familie engagiert sich sehr für mein Tennis. Alles, was außerhalb des Platzes passieren kann, versuchen sie zu übernehmen, damit ich mich auf mein Spiel konzentrieren kann.
Mein Vater hat mir auf meinem sportlichen Weg stets geholfen und wir haben eine sehr gute Beziehung zueinander - sowohl als Vater und Sohn, als auch als Trainer und Spieler. Er hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass ich es so weit gebracht habe. Es war wichtig für mich, jemanden zu haben, der Erfahrung auf der Tour hat. Mein Vater war selbst Profi-Tennisspieler.
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Casper Ruud (l.) bei den Australian Open 2021, Christian Ruud bei den Australian Open 1999

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Als ich mich mit meiner Kraft und Fitness zu dem Spieler entwickelte, der ich sein wollte, machte er mir klar, dass jedes Training wichtig ist. Man muss viele Stunden am Tag spielen und viele Tennisbälle schlagen, um ein guter Spieler zu werden, und ich glaube, das hat mich schon sehr früh reifen lassen.
Es macht uns als Familie Spaß, Norwegen in der Tenniswelt bekannt zu machen. Ich trage die norwegische Flagge mit Stolz und spiele immer für mein Land. Auch wenn ich auf der ATP Tour spiele, habe ich Norwegen neben meinem Namen stehen und ich spiele immer gerne im ATP Cup und Davis Cup.
Ich möchte, dass der Tennissport in Norwegen populärer wird. Ich sage nicht, dass wir die Skier verbrennen sollen, aber vielleicht können einige junge, sportliche Kinder einen Schläger wählen und ihr Talent auf den Tennisplatz bringen. Vielleicht können sie im Sommer Tennis spielen und im Winter Skifahren.
Es würde wirklich Spaß machen, mehr norwegische Kinder spielen zu sehen. Das Interesse am Tennissport hat in Norwegen in den letzten Jahren zugenommen und immer mehr Fernsehsender zeigen meine Matches. Es ist schön zu wissen, dass die Leute zu Hause mich verfolgen und ich hoffe, dass ich sie stolz machen kann!
Viele Grüße,
Euer Casper
Folgt Casper Ruud auf Instagram (@casperruud) und auf Twitter (
)

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