Leiser Optimismus vor Frankreich-Duell

Die große Bühne überlässt Niki Pilic noch immer am liebsten anderen. Wie damals zu Zeiten von Boris Becker und Michael Stich, in denen er den Stars beim Seitenwechsel auf der Bank gerne den lapidar anmutenden Kultsatz zuraunte: "Geh' raus, mach' Break".

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Als in diesen Tagen der neue Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann oben auf dem Podium seine Strategie für das am Freitag in Frankfurt/Main beginnende Erstrundenduell gegen Frankreich erläuterte, saß der neue Chef-Berater Pilic als stiller Beobachter in der ersten Reihe des Pressezeltes - und lauschte aufmerksam.
Einer wie der inzwischen 75-jährige Pilic braucht das Rampenlicht nicht. Aber einer wie er will weiterhin den maximalen Erfolg. "Es wird sehr schwer gegen die Franzosen, aber der Davis Cup hat seine eigenen Gesetze und ist unberechenbar", sagte Pilic. Will heißen: Jungs, glaubt an eure Chance gegen den Vorjahresfinalisten mit seinen Aushängeschildern Gilles Simon (ATP-Nr. 14) und Gael Monfils (19). Geht raus, macht Break sozusagen.
"Immer ein Maßband dabei"
Sich selbst sieht der gebürtige Kroate - 1988, 1989 und 1993 als DTB-Teamchef dreimal Davis-Cup-Sieger - in der Rolle des Ratgebers. Bei den Trainingseinheiten in der Fraport-Arena sucht er immer wieder das Gespräch mit dem 34 Jahre jüngeren Teamchef-Debütanten Kohlmann. "Michael ist der Chef. Und ich will mit meiner Erfahrung weiterhelfen", berichtete Pilic, der immer noch rank und schlank wie in längst vergangenen deutschen Tennis-Glanzzeiten daherkommt.
Der Trainingsanzug ist inzwischen natürlich nicht mehr aus Ballonseide. Selbst an die fesche Kapuze an seiner mit Namen beschrifteten Jacke hat sich Pilic inzwischen gewöhnt. An manch alter Gewohnheit aber hält der einstige Förderer des Weltranglistenersten Novak Djokovic (Serbien) fest. Vor der ersten Übungseinheit am Montagmorgen um kurz vor neun Uhr betrat der alte Bekannte den Rebound-Ace-Court und checkte die Höhe des Netzes. "Ich habe immer ein Maßband dabei", verriet Pilic, der Mann für besondere Fälle.
Pilic macht Kohlschreiber Mut
Nach seinen großen Erfolgen mit dem deutschen Team und seinen Stars Boris Becker und Michael Stich gewann Pilic den Davis Cup noch zwei weitere Male: Als Teamchef 2005 mit seinem Heimatland Kroatien und als Berater der Serben im Jahr 2010. Diese besondere Erfahrung nutzt Pilic gerne beim Austausch mit den deutschen Profis.
Allen voran in den Vier-Augen-Gesprächen mit Philipp Kohlschreiber, der gegen sein Buhmann-Image kämpft. "Er ist ein sehr wichtiger Mann in diesem Team. Ich habe ihm gesagt, dass man nur im Davis Cup zum Helden werden kann", erzählte der Chef-Berater und führt immer wieder Djokovic als Beispiel an. Der hatte im Jahr nach dem Sieg im bedeutendsten Mannschafts-Wettbewerb seine bislang beste Saison auf der ATP-Tour gespielt. Kein Wunder, dass Pilic glaubt: "Der Davis Cup kann eben besondere Dinge bewirken."
Kohlmann jedenfalls weiß die gar nicht graue Eminenz an seiner Seite sehr zu schätzen. "Niki ist mit Herz und Seele dabei. Er wird auch in Sachen Aufstellung eingebunden", sagte der Nachfolger des entlassenen Carsten Arriens.
"Wir sind kein Favorit"
Erst am Donnerstag bei der Auslosung im Römer (12:30 Uhr) will Kohlmann das Geheimnis seiner Nominierung offiziell lüften. Kohlschreiber hatte zuletzt noch mit den Folgen einer fiebrigen Erkältung zu kämpfen.
Neben der Nummer 28 der Welt kommen Benjamin Becker (Nr. 39) und Jan-Lennard Struff (Nr. 74) als Einzelspieler in Frage. Im Doppel dürfte Andre Begemann (Doppel-Nr. 42) gesetzt sein. "Wir sind kein Favorit, aber werden sicher in jedem Match unsere Chance bekommen", sagte Kohlmann.
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