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Becker: "Das ist nicht fair für die anderen Mannschaften"

Becker: "Das ist nicht fair für die anderen Mannschaften"

27/11/2019 um 09:41

Der erste Davis Cup mit der neuen Reform ist vorbei. Im exklusiven Interview mit Eurosport.de erläutert Boris Becker, was ihn an dem neuen Format stört und wo er Verbesserungspotenzial sieht. Dabei sind es vor allem zwei Faktoren, die den ehemaligen Olympiasieger stören. Zudem erklärt Becker, was die Absage von Alexander Zverev für das deutsche Team bedeutet hat.

Das Interview führte Alice Jo Tietje

Herr Becker, Deutschland ist beim Davis Cup im Viertelfinale gegen Großbritannien gescheitert. Wie fällt das deutsche Fazit aus?

Boris Becker: Positiv. Man konnte nicht erwarten, dass wir Argentinien und Chile schlagen. Zumal wir ja nicht mit unserer Nummer eins gespielt haben. Jan-Lennard Struff, Philipp Kohlschreiber und das Doppel um Andreas Mies und Kevin Krawietz haben sich hervorragend geschlagen. Wir waren froh, dass wir ins Viertelfinale gekommen sind.

Wie schwer hat die Absage von Zverev gewogen?

Becker: Jedes Land hat mit seiner stärksten Mannschaft gespielt. Da fehlte bei uns ganz klar Sascha Zverev – auch was den Plan angeht. Wir haben erst mittwochs angefangen. Im Viertelfinale waren alle schon angeschlagen. Das Turnier kann nicht in diesen acht Tagen stattfinden – das ist einfach zu kurz.

Wie genau meinen Sie das?

Becker: Das Match zwischen Italien und Amerika war erst nachts um 4:06 Uhr beendet. Beide mussten am nächsten Tag wieder spielen. Das geht einfach nicht. Die Veranstalter müssen sich etwas mit dem Zeitplan überlegen. Das ist in einer Woche nicht zu schaffen, gerade wenn man erst am Mittwoch anfängt. Damit hat uns ein freier Tag gefehlt, ob mit oder ohne Zverev. Mit Dominik Koepfer hatten wir zwar einen Ersatzmann, aber den wollten wir nicht ins kalte Wasser werfen. Großbritannien hat Andy Murray nach seinem ersten Spiel rausgelassen. Das war bei uns nicht möglich. Wir mussten immer mit eins und zwei starten.

Boris Becker beim Davis Cup in Madrid

Boris Becker beim Davis Cup in MadridGetty Images

Wie beurteilen Sie den Wettbewerb an sich?

Becker: Das größte Problem ist die Zeit. Aber ich muss die Organisatoren auch loben: Das Event war top organisiert. Die Voraussetzungen und Hallenplätze waren wirklich gut. Allerdings ist es ein unglaublicher Heimvorteil für Spanien. Sie haben in 19 Jahren nicht zu Hause verloren. Die Geschichte wiederholt sich. Solange Rafael Nadal daran Spaß hat, steht es immer 15:0 für Spanien. Das ist nicht fair für die anderen Mannschaften. Man hat gesehen, dass alle Spieler, die da waren, ihr Bestes gegeben haben. Jeder wollte gewinnen. Das gibt das Davis-Cup-Format her: Alle spielen gerne für ihr Land. Abschließend bleibt aber zu sagen, dass es aufgrund der kurzen Zeit und der Planung bei den Matches, für einige - auch gute - Mannschaften schwierig ist, weit zu kommen.

Wie stehen Sie zu dem Termin Ende November?

Becker: Der Zeitpunkt ist auch ein Problem. Auch in diesem Format muss man früher im Jahr starten. Mein optimaler Zeitpunkt wäre nach den US Open. Da findet jetzt der Laver Cup statt, da könnte man aber theoretisch den Davis Cup über zwei Wochenenden spielen. Ob das in Madrid oder Amerika stattfindet, wäre dann nicht mehr so wichtig.

Gibt es Überlegungen bezüglich der Austragungsorte?

Becker: Ich weiß, dass Larry Ellison (Gründer des US-Softwarekonzerns "Oracle", Anm. d. Red.) großer Fan des Davis-Cup-Finales ist und er das gerne bei sich in Kalifornien austragen würde. Darüber würde sich sicherlich jeder Spieler freuen. Das ist aber Zukunftsmusik und Sportpolitik.

Hat der Wettbewerb in dieser Form eine Zukunft?

Becker: Es ist ein toller Wettbewerb. Wir haben tolles Tennis gesehen, die Spieler waren sehr engagiert. Er hat eine Zukunft, aber es müssen noch ein paar Fehler ausgemerzt werden. Das Format an sich war allerdings sehr interessant mit den zwei Einzeln und einem Doppel. Das war schneller und intensiver als sonst. Wir können die Zeit nicht mehr zurückdrehen. Es gibt viele Tennisromantiker, aber das geht eben nicht mehr. Dieses System ist eine richtige Alternative, wenn Zeit und Datum verändert werden.