Der teils heftigen Kritik von Alexander Zverev oder Roger Federer will sich Boris Becker nicht anschließen. Deutschlands Tennis-Ikone gibt sich lieber diplomatisch, wenn es um den radikal veränderten Davis Cup geht. "Ich gebe jeder Idee eine Chance. Ich kann das erst danach hochjubeln oder kritisieren", sagte Becker im Hinblick auf die Premiere des Finalturniers in Madrid:

Wir sollten uns alle erstmal beruhigen und abwarten, was passiert.
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Nicht nur Becker blickt ab Montag (bis 24. November) gespannt auf das Geschehen in der spanischen Hauptstadt. Seit der Weltverband ITF im August 2018 die Neustrukturierung des Davis Cups verabschiedete, reißen die Diskussionen nicht ab: Die einen sehen in der Reform den Tod des traditionsreichen Wettbewerbs, die anderen den notwendigen Schritt in eine bessere Zukunft. Auch Becker hatte zunächst mit Enttäuschung und Kritik auf die Neuerung reagiert.

Das Turnier geht nur noch eine Woche

Fest steht: Davis-Cup-Sternstunden, wie sie Becker und Co. etwa 1987 bei der "Schlacht von Hartford" oder ein Jahr später beim "Wunder von Göteborg" erlebten, wird es im neuen Format nicht mehr geben. Die stimmungsvollen Heim- und Auswärtsspiele gibt es nur noch in der Qualifikation, teilweise legendäre Fünfsatzkrimis gehören erstmal komplett der Vergangenheit an. Statt in vier über das Kalenderjahr verteilten Runden kämpfen 18 Nationen in dem einwöchigen Finalturnier um die "hässlichste Salatschüssel der Welt".

Das deutsche Team startet am Mittwoch, in Gruppe C geht es gegen Argentinien und Chile - allerdings ohne seinen besten Spieler. Alexander Zverev hatte sich zum Wortführer der Kritiker aufgeschwungen und eine Teilnahme am Finalturnier kategorisch ausgeschlossen. Der späte Termin im November sei "verrückt", sagte Zverev, er selbst sei "zu 100 Prozent gegen das System" und hoffe sogar "ein bisschen, dass es schiefgeht".

Noch deutlicher wurde Beckers früherer Manager Ion Tiriac: Dieser nannte die Reform im Gespräch mit dem tennis Magazin eine "Majestätsbeleidigung" und monierte, die ITF würde "120 Jahre Tradition ruinieren. Nur für Geld." Auch Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer schlug sich auf Zverevs Seite, wenn auch mit weniger markigen Worten.

Sechs TopTen Spieler mit dabei

Mittlerweile stehen aber viele der Reform zumindest offen gegenüber. Wimbledon-Champion Novak Djokovic aus Serbien glaubt nach anfänglicher Skepsis inzwischen, das Turnier "sollte aufregend werden", der spanische Weltranglistenerste Rafael Nadal sagte nur:

Man muss es ausprobieren, um eine richtige Meinung zu haben.

Sechs Top-10-Spieler haben ihre Teilnahme in Madrid zugesagt - während Federer (Schweiz), Dominic Thiem (Österreich) und Stefanos Tsitsipas (Griechenland) mit ihren Nationen ohnehin nicht qualifiziert sind, verzichtet lediglich der Weltranglisten-Siebte Zverev aus gänzlich freien Stücken.

Über die rege Teilnahme der Topspieler freut sich vor allem Gerard Pique. Der Fußball-Profi des FC Barcelona führt die Investmentfirma Kosmos, die im vergangenen Jahr für angeblich drei Milliarden Dollar die Rechte am Davis Cup erworben hatte. Nun erwartet Pique eine "großartige Tennis-Show, die die Menschen genießen werden". Becker hält das für möglich:

Vielleicht sind wir am Sonntag in einer Woche schlauer und sagen: Das war das beste Event im Davis Cup.

(SID)

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