Davis Cup - Deutschland im Halbfinale gegen Niederlande: Titeltraum und späte Chance auf Revanche in Malaga

Das deutsche Davis-Cup-Team hat nach einem 2:0-Sieg über Kanada nach 2021 wieder das Halbfinale erreicht. Auch ohne Topstar Alexander Zverev träumen Jan-Lennard Struff und Co. vor dem Duell gegen die Niederlande (Freitag ab 17:00 Uhr) vom Pokal. Es wäre der erste Titel seit mehr als 30 Jahren. Doch auch das Selbstbewusstsein der Gegner in Oranje ist nach dem Sieg über Spanien auf einem Höhepunkt.

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Quelle: SNTV

22. Juli 1989, Olympiahalle in München. Boris Becker gegen Andre Agassi. Es ist das Halbfinale im Davis Cup, Deutschland tritt als Titelverteidiger gegen die mit Stars bestückten USA an. Carl-Uwe Steeb hat zuvor sein Auftaktmatch gegen Brad Gilbert in einem erst nach Mitternacht beendeten Fünf-Satz-Thriller verloren, Becker steht unter Druck.
Aber vor allem auf schnellen Belägen ist der damals 22-Jährige vielleicht der beste Spieler der Welt. Und in weiser Voraussicht hatte der DTB schnellen Teppichboden in die Olympiahalle legen lassen. Trotzdem entwickelt sich eine Schlacht über fünf Sätze und vier Stunden. Der Deutsche gewinnt mit 6:7, 6:7, 7:6, 6:3, 6:4 und gleicht aus.
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Boris Becker und Andre Agassi 1989 im Davis Cup

Fotocredit: Imago

Auch im Doppel siegt er an der Seite von Eric Jelen und Steeb schlägt einen Tag später einen platten Agassi in vier Sätzen. Deutschland steht im Finale.
"Davis-Cup-Stimmung", das wurde in dieser Glanzphase des deutschen Tennis zu einem feststehenden Begriff. Unter der Führung von Becker und später Michael Stich gewann die DTB-Auswahl 1988, 1989 und 1993 den Titel in diesem Nationen-Wettbewerb.
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Deutschland gewinnt den Davis Cup 1993

Fotocredit: Imago

In der Folgezeit litt Tennis in Deutschland und der Davis Cup im Allgemeinen einen fortschreitenden Bedeutungsverlust. Deutschland stieg aus der "Weltgruppe", der ersten Liga, mehrmals ab und wieder auf, Spieler und Kapitäne kamen und gingen. Der Wettbewerb selbst wurde durch Reformen und einen immer volleren ATP-Jahreskalender immer mehr an den Rand gedrängt.

Deutschland träumt vom Titel

Dieses Jahr ist auf dem besten Wege, in gleich zweierlei Hinsicht diesen Trend umzukehren. Der erste Grund dafür ist Rafael Nadal. Sein Karriereende - noch dazu in der Heimat in Málaga - richtete den Fokus auf den Davis Cup wie seit Jahren nicht mehr. Sein Spiel gegen den Niederländer Botic van de Zandschulp gab sowohl den Zuschauern in der Arena als auch Tennis-Fans zu Hause Gänsehautmomente - oder vielleicht auch eine "Davis-Cup-Stimmung".
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Quelle: Perform

Der zweite Grund ist eine erfolgreiche deutsche Mannschaft. Jan-Lennard Struff und Daniel Altmaier sorgten für den Sieg gegen Kanada, der "Joker", das Top-Doppel Kevin Krawietz und Tim Pütz, musste zur Entscheidung gar nicht mehr antreten.
Vor dem Halbfinale gegen die Niederlande gibt sich das deutsche Team motiviert - und selbstbewusst. "Nun wollen wir ins Finale", sagte Struff nach seinem entscheidenden Sieg über Denis Shapovalov (4:6, 7:5, 7:6 (7:5)).
"Wir sehen schon den Pokal, vielleicht können wir auch mal wieder darum spielen. Das wäre schon was Gutes", fügte Bundestrainer Michael Kohlmann an. Es wäre das erste Mal seit 1995, dass eine deutsche Davis-Cup-Mannschaft um den Titel spielen würde.
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Quelle: SNTV

Niederlande voller Selbstvertrauen

Das Halbfinale gegen die Niederlande wird am 22. November (Freitag, ab 17:00 im Livescoring) kein Selbstläufer. Botic van de Zandschulp und Tallon Griekspoor sind keine Einzelspieler auf Top-Ten-Niveau, aber extrem solide und das Format scheint ihnen Flügel zu verleihen. Gemeinsam mit Doppel-Spezialist Wesley Koolhof konnten sie die Party der Spanier crashen und Nadal etwas früher als erwartet in den Ruhestand schicken.
"Die sind ein bisschen so ein Team wie wir - ihnen kommt auch das Format entgegen mit ihrem starken Doppel", sagte Bundestrainer Kohlmann. Und die Chance, diesen Wettbewerb im Heimatland wiederzubeleben, haben die Niederländer genauso wie die Deutschen. "Wenn die Niederlande Deutschland schlagen, wird der Hype Realität werden", sagte Kevin van Nunen von Eurosport Niederlande. "Auf dem Papier ist Deutschland schwächer als Spanien", sagte Auswahltrainer Paul Haarhuis. "Aber die werden auch froh sein, dass es gegen uns geht und nicht gegen Spanien."
Noch einmal lohnt sich ein Blick in die Geschichtsbücher des Wettbewerbs. Der erfolgreichste Auftritt der Niederländer kam 2001, als sie das Halbfinale erreichten und in der Runde zuvor - ohne ihren besten Mann Richard Krajicek - das deutsche Team um Nicolas Kiefer mit 4:1 besiegten.
Es war aus deutscher Sicht ein Davis-Cup-Tiefpunkt. Die Spieler wirkten zusammengewürfelt und traten nicht als Einheit auf. Der Teamchef Steeb musste in der Folge seinen Hut nehmen und Michael Stich übernahm. Und doch dauerte es noch Jahrzehnte, bis Deutschland wieder wettbewerbsfähig wurde. Struff und Co. können diesen langen Weg nun mit einem Finaleinzug fortsetzen und späte Revanche am niederländischen Team nehmen.
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Quelle: Perform


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