Eurosport
Deutsche Fed Cup-Pleite gegen die Schweiz bremst die allgemeine Euphorie
Von
Publiziert 08/02/2016 um 10:54 GMT+1 Uhr
Eigentlich hätte alles so schön sein können. Die Euphorie-Welle nach dem sensationellen Sieg von Angelique Kerber in Melbourne wäre mit nach Leipzig zum Fed Cup geschwappt, hätte die deutschen Mädels zu einem Sieg über die Schweiz beflügelt und die Zuschauer wieder in Scharen vor den heimischen Fernseher gebannt. Doch so einfach funktioniert das eben leider nicht. Auch nicht mit dem "Ker-Boom".
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Dieser erhoffte Boom wird zumindest nicht ad hoc ganz Deutschland ins Tennisfieber versetzen. Das ist die ernüchternde Erkenntnis des Wochenendes von Leipzig. Doch es gibt Hoffnung, dass Kerber langfristig die Begeisterung wieder wecken kann, wenn sie mit sportlichen Erfolgserlebnissen nachlegt.
Der Ausflug nach Leipzig dämpfte zunächst einmal die "Angie-mania", und das lag gewiss nicht an der Stimmung in der Messehalle. Die 4200 Zuschauer gaben an zwei Tagen richtig Gas und wollten das deutsche Team am liebsten zum Sieg tragen. Aber vor den Fernsehern ließ man sich offenbar nicht von dieser Feierlaune anstecken. Die TV-Quoten waren schwach - nicht völlig überraschend.
Einerseits ist ein Grand-Slam-Finale gegen Serena Williams sicher etwas prickelnder als der Auftakt im Fed Cup, andererseits hatten Kerber, Andrea Petkovic und Co. in den vergangenen Jahren schlicht viel zu wenig dafür getan, sich deutschlandweit ein Gesicht, ein Profil zu geben. Damit auch der Bayern-Fan, der Snooker-Gucker oder selbst der generelle Sportmuffel weiß, wer da eigentlich inzwischen so gut für Deutschland Tennis spielt und Lust bekommt, einfach mal reinzuschalten. Die geschickte Selbstvermarktung haben sie kollektiv verschlafen und da hilft auch eine viertägige Hauruck-Offensive nach einem Grand-Slam-Triumph nicht, um spontane Tennis-Euphorie zu entfachen.
Die Ernüchterung
Ein Sieg gegen die Schweiz hätte so oder so geholfen, nun aber ist der "Ker-Boom" von Wolke 7 erst einmal auf den Boden der Realität gestürzt.
Völlig unerwartet kam die 2:3-Niederlage allerdingd nicht. Kerber gab sich alle Mühe und zeigte einen bemerkenswerten Kampfgeist vor allem gegen Belinda Bencic, doch es war abzusehen, dass bei ihr nach den vier Turnierwochen in "down under" und dem ganzen Rummel irgendwann die Energie ausgeht. Es wäre eine starke, zweite Einzelspielerin nötig gewesen, um den Sieg gegen die Schweiz zu sichern, aber die fehlt momentan im deutschen Team.
Andrea Petkovic ist auf Formsuche, genau wie Sabine Lisicki. Für Anna-Lena Friedsam wäre trotz der guten Ergebnisse in Melbourne der Druck bei ihrem Debüt noch zu groß gewesen. Man sah es an Annika Beck, die für Petkovic im zweiten Einzel am Sonntag einsprang. Lange hatte sie mit der Anspannung beim 1:2-Rückstand zu kämpfen, bis sie sich durchsetzte. Das Potenzial in der deutschen Mannschaft ist da, das Timing passte nur nicht.
Und so übte auch Bundestrainer Barbara Rittner am Ende erneut Kritik an den "Katastrophen-Terminen", mit der Fed Cup-Ansetzung direkt im Anschluss an einen Grand Slam. Es gebe körperliche Grenzen, monierte Rittner, und an denen sei man jetzt gescheitert.
Im April bei den Playoffs könnte es dem Team wieder so ergehen, falls man um die halbe Welt zum Auswärtsspiel reisen müsste. Danach ist der Tour-Rhythmus für die Spielerinnen erstmal dahin. Der Weltverband ITF sei nun gefordert, sagte Rittner. Die Problematik des Turnier-Kalenders ist nicht neu, und es steht zu bezweifeln, dass er sich so bald ändern wird. Ideal ist die Lage gerade für jene, die weit beim Grand Slam kommen, sicher nicht. Aber dieses Mal lag der Termin eigentlich günstig nach dem "Ker-Boom" - wenn man die Vorarbeit nicht verschlafen hätte.
Nun ist Kerber in den nächsten Wochen und Monaten gefordert. Sie hat es in der Hand, dass die Tennis-Begeisterung doch noch nachhaltig in die Wohnzimmer schwappt.
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung