Doping-Fall von Jannik Sinner - Fritz Sörgel kritisiert Tennissport wegen Sperre: "Rest-Anstand über Bord geworfen"

Doping-Experte Fritz Sörgel sieht nach dem Deal der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) mit Tennisprofi Jannik Sinner "verheerende" Folgen für den Anti-Dopingkampf. "Man muss es so hart sagen: Was die WADA da gemacht hat, bedeutet das Ende des Anti-Doping-Systems in seiner bisherigen Form", sagte Sörgel bei "Sport1". Die Dreimonatssperre für den Italiener sei eine "Form von Selbstaufgabe" der WADA.

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Quelle: Perform

Sörgel erklärte: "Das Ausmaß, in dem sie Sinner hier entgegenkommt, ist im Ergebnis die völlige Aushebelung des Prinzips der 'Strict Liability', der kompromisslosen Eigenverantwortung des Athleten, welche Substanzen in seinen Körper kommen."
Die Folgen? "Verheerend. Damit verliert das System einen Anker. Auf den Fall Sinner und einige andere wird sich in Zukunft jeder berufen und eine milde Strafe für einen positiven Dopingtest einfordern können - solange ihm irgendeine dürre Ausrede dafür einfällt."
Die WADA hatte mit Australian-Open-Champion Sinner (23) einen Vergleich geschlossen, der es dem Italiener erlaubt, beim nächsten Grand-Slam-Turnier in Roland Garros wieder am Start zu sein.
Die WADA ließ dafür ihre Klage vor dem Sportgerichtshof CAS fallen, weil sie bei Sinner nur eine Teilschuld und bei der Menge des gefundenen Steroids Clostebol keine leistungssteigernde Wirkung erkannt habe.

Erklärung irritiert Sörgel

Eine Erklärung, die Sörgel irritiert. "Wir reden hier vor allem davon, dass die in die Muskulatur eingedrungene geringe Menge Clostebol eine Beschleunigung der Regeneration bewirkt", und die sei von entscheidender Bedeutung.
Zudem müsse man bedenken: "Gefunden wurde die Substanz bei einem Urintest, der gar keine präzise Aussage darüber geben kann, wie hoch die Konzentration des Clostebol an der Stelle war, wo sie zum Einsatz kam, bevor es dann über den Blutkreislauf aus dem Muskel abtransportiert und von der Niere ausgeschieden wurde."
Für Sörgel steht fest: "Was den Anti-Doping-Kampf angeht, hat der Tennissport schon früher keine ruhmreiche Rolle gespielt, in diesem Fall hat er seinen Rest-Anstand über Bord geworfen."
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(SID)
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