Elina Svitolina blickt im Eurosport-Interview mit Barbara Schett fassungslos auf Krieg in Ukraine

Elina Svitolina hat in einem Interview mit Eurosport-Expertin Barbara Schett Einblicke in ihr Seelenleben gewährt. "Das Schmerzhafteste ist, dass ich mich komplett nutzlos fühle", sagt die Ukrainerin. Um zu helfen, habe sie beschlossen, "das Preisgeld der Turniere in Mexiko und den USA der ukrainischen Armee und humanitären Hilfsorganisationen zu spenden". Die Tennis-Community könne mehr tun.

Svitolina im Exklusiv-Interview: "Wir können mehr tun!"

Quelle: Eurosport

"Es ist sehr schwer, das zu erklären", antwortet Svitolina auf die Frage nach ihren Gefühlen: "Jedes Mal wenn ich mit meiner Familie und meinen Freunden spreche, ist es schwer, Worte dafür zu finden, was mit der Ukraine passiert. Bis zum letzten Moment haben wir nicht geglaubt, dass dieser Krieg beginnen würde. Und dann passierte alles - in der Nacht."
Alle seien verängstigt, auch viele ihrer Familienmitglieder, die in der Ukraine leben. "Meine Eltern, meine Großeltern, mein Onkel und meine Tante leben dort. Ich versuche, regelmäßig mit ihnen zu sprechen. Es ist wichtig, den Kontakt aufrecht zu erhalten - um zu erfahren, was genau passiert und wie ich ihnen helfen kann."
"Das Schmerzhafteste", sagt die 27-Jährige, sei es, sich "komplett nutzlos" zu fühlen. Sie wolle helfen, irgendetwas tun, doch es sei Militär in den Städten, es werde geschossen, Bomben fallen. Als Beobachterin von außen sei die Situation "nur schwer zu ertragen" - und für die Menschen im Kriegsgebiet "noch viel schwerer".
"Einige meiner Freunde haben keinen Strom und kein Wasser mehr - sie haben keine Lebensmittel. Sie haben wirklich zu kämpfen, sie hören permanent Schüsse und den Lärm von Flugzeugen und einstürzenden Häusern. Das ist ein entsetzliches Gefühl. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sich die Kinder fühlen", sagt Svitolina mit brüchiger Stimme.

Svitolina spendet Preisgeld an Armee und humanitäre Hilfsorganisationen

Als Profitennisspielerin ist sich die Frau des Franzosen Gael Monfils ihrer Verantwortung bewusst. Zusammen mit der Tennis-Community will sie vor allem mediale Aufmerksamkeit generieren. Kleine Schritte nach vorne sehe Svitolina bereits, denn einige Länder haben schon Hilfe bereitgestellt. Doch es gehe noch mehr - vor allem in Bezug auf ihre Kollegen aus der Tennis-Branche.
"Die Tennis-Community kann mehr tun. Wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass die Tennis-Community zusammenkam und der Welt geholfen hat. Auch jetzt können wir viel mehr tun. Die Tennis-Community kann helfen zu verstehen, was gerade passiert und somit den kämpfenden Menschen in der Ukraine helfen."
Svitolina selbst wird in den kommenden Wochen finanzielle Hilfe in ihre Heimat schicken: "Ich habe entschieden, dass ich das Preisgeld der Turniere hier in Mexiko und den USA der ukrainischen Armee und an humanitäre Hilfsorganisationen spende. So kann ich meinem Land helfen und das ist aktuell das Richtige. Ich will einfach etwas tun und meinem Land helfen", gab die in Odessa geborene Nummer 15 der Welt bekannt.
Eine Aktion, die sie auch auf ihren sozialen Kanälen in einem offenen Brief an ihr Mutterland bekanntgab.

Svitolinas offener Brief im Wortlaut

Brief an mein Mutterland,
Ich bin im Moment weit weg von Dir, außer Sichtweite meiner Geliebten, weit weg von meinen Leuten, doch mein Herz war noch nie so erfüllt von Deiner Seele.
Es ist schwierig, zu beschreiben, wie besonders Du bist. Für mich bist Du stark, wunderschön und einzigartig. Du hast mir alles gegeben und ich schätze jeden Teil von Dir: Deine Kultur, Deine Bildung, Deine Landschaft, Deine Meere, Deine Städte, Deine Menschen. Meine Menschen.
Meine Menschen, jeden Tag habe ich Angst um Euch. Ich bin am Boden zerstört, meine Augen hören nicht auf, zu weinen, mein Herz hört nicht auf, zu bluten. Aber ich bin so stolz.
Unsere Menschen, unsere Mütter, unsere Väter, unsere Brüder, Schwestern und Kinder zu sehen, sie sind so mutig und stark, kämpfen, um Dich zu beschützen. Sie sind Helden.
Ich verpflichte mich, das Preisgeld meiner nächsten Turniere der Armee und der humanitären Hilfe zur Verfügung zu stellen, um ihnen zu helfen, Dich, unser Land, zu verteidigen.
Ukraine, Du vereinst uns, Du bist unsere Identität, Du bist unsere Vergangenheit und unsere Zukunft. Wir sind die Ukraine.
MÖGE DIE WELT UNS SEHEN UND UNS HELFEN, DICH ZU BESCHÜTZEN.
Du bist in allen meinen Gedanken und Gebeten. Du bist immer bei mir. Ich bin Ukraine. Wir sind Ukraine.
Elina Svitolina, eine stolze Ukrainerin.
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