Einen prominenteren Trainer hätte Félix Auger-Aliassime im Vorfeld der Sandplatz-Saison gar nicht verpflichten können.
Anfang April gab der Weltranglisten-20. bekannt, fortan auch mit Toni Nadal zu arbeiten. Jenem Mann also, der seinen Neffen Rafael Nadal zur Legende machte.
Eine kleine Einschränkung gibt es freilich.
Tennis
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Sollte Auger-Aliassime auf Rafael Nadal treffen, muss er in diesem Match auf seinen neuen Coach verzichten.
"Wenn wir gegen Rafa spielen, werde ich in keiner der beiden Boxen sitzen. Ich bin immer noch Direktor der Akademie, arbeite weiterhin für ihn und ich bin Rafaels Onkel", so der 60-Jährige.
Dennoch ist sich Auger-Aliassime, einen Glücksgriff gemacht zu haben, wie er in der Eurosport-Serie Players' Voice schreibt.
Von Félix Auger-Aliassime
Liebe Tennis-Fans,
ich bin so dankbar und glücklich, Toni Nadal in meinem Team zu haben. Er ist schon lange auf der Tour dabei und hat alles gewonnen, was als Trainer im Tennis möglich ist. Während meiner Kindheit habe ich ihn immer an der Seite seines Neffen Rafael gesehen und es motiviert mich extrem, dass er jetzt mit mir arbeitet. Ich kann eine Menge von ihm lernen, menschlich wie trainingstechnisch.
Schon damals war ich von diesem gleichermaßen zurückhaltenden wie leidenschaftlichen Coach begeistert, wann immer ich die Matches von Rafa im Fernsehen verfolgt habe. Natürlich war Toni auch der sein Onkel, aber er hatte den Willen, alles zu tun für seinen Spieler – und es war zu spüren, dass er eine Vision für Rafas Karriere hatte und ihm alles gab, was er dafür brauchte.

Erfolgsteam: Rafael Nadal und Onkel Toni Nadal

Fotocredit: Getty Images

Toni und ich haben uns erstmals vor zwei Jahren in Monte-Carlo getroffen. Da gibt es immer eine Players' Party und ich habe vorher für einen kleinen Klavier-Auftritt geprobt. Er kam ins Zimmer, entdeckte mich und blieb stehen, um mir zu sagen, dass er mich in Indian Wells Tennis spielen gesehen hatte. Toni verriet mir, dass er meine Einstellung und meinen Spielstil mag.
Diese Worte blieben irgendwie hängen bei mir und ich habe mir gedacht, dass es großartig wäre, einen wie Toni in meinem Team zu haben. Jemanden, der einen anderen, frischen Blick auf die Dinge hat und erkennt, was mir vielleicht noch fehlt. Als ich Ende des vergangenen Jahres nach Kanada zurückkam, haben wir Kontakt zu Toni aufgenommen, um die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten.
Er fand die Idee gut und wir vereinbarten einen Testlauf in der Rafa Nadal Academy auf Mallorca. Ich war zwei Wochen dort und es lief hervorragend. Kurz nach meinem Saisonstart haben wir dann bekannt gegeben, dass Toni mich coacht.
Ich habe nur positives Feedback bekommen für die Entscheidung. Sei es von meinem anderen Trainer Frederic Fontang, dem Rest des Teams, der Familie oder auch anderen Coaches und Spielern. Ob ich durch Toni jetzt einen Vorteil habe? Wir werden sehen. Es kommt darauf an, was ich auf dem Court zeige und dafür muss ich weiterhin hart arbeiten. Es ja nicht so, dass ich allein durch Tonis Präsenz meine Leistungen oder mein Ranking verbessere.
Unsere Zusammenarbeit ist noch jung, aber wir haben schon viel darüber gesprochen, wo meine Karriere hinführen soll. Wenn du auf das höchste Level kommen und die größten Turniere gewinnen willst, ist das unabdingbar. Es ist natürlich nicht alles in Stein gemeißelt und ich kann hier auch nicht alles offenlegen. Aber: Toni ist es sehr wichtig, dass ich Konstanz und Intensität zeige und meinen Fokus im Training halte. Wenn ich diese Vorgaben in jeder Session und jedem Match umsetzen kann, dann wird sich der Erfolg hoffentlich einstellen.

Auger-Aliassime: Wimbledon und Olympia im Fokus

Ich glaube, dass ich schon während meiner Ausbildung und auf meinem Weg ins Profitennis eine gute Mentalität hatte. Auch mit Toni bleibe ich der Spieler, der ich war. Es geht für mich nun darum, jeden Tag ein bisschen besser zu werden. Wenn du gut vorbereitet bist und dich steigerst, kommt alles andere von alleine.
Wir haben derzeit einen ziemlich vollen Kalender. Die Olympischen Spiele in Tokio im Sommer sind definitiv ein Höhepunkt, auf den wir hinarbeiten. Noch ist nicht ganz geklärt, wie das Team für die Sommerspiele aussehen wird, aber es wäre ein Traum, dabei zu sein. Darüber hinaus möchte ich bei den Grand-Slam-Turnieren weiter kommen als bislang. Ganz besonders freue ich mich auf die Rückkehr nach Wimbledon, wo ich vor zwei Jahren erstmals gespielt habe. Ich liebe das dort.

Félix Auger-Aliassime 2019 in Wimbledon

Fotocredit: Getty Images

Die Qualifikation für die ATP Finals ist ein weiteres großes Ziel für mich. Dort regelmäßig dabei zu sein, wäre großartig. Mir ist allerdings klar, dass ich auf dem Weg dahin ein besserer Spieler werden und konstant auf höchstem Niveau spielen muss.
Auf dieses Level zu kommen, hat seit dem vergangenen Jahr eine besondere Bedeutung für mich, da ich das Projekt #FAAPointsForChange ins Leben gerufen habe. Da spende ich für jeden Punkt, den ich mache, fünf US-Dollar an Kinder in Togo, die Hilfe und eine Ausbildung benötigen.

Auger-Aliassime: Motivation durch Hilfsprojekt

Mein Vater stammt aus diesem Land und emigrierte einst nach Kanada. Er hat nie einen Hehl aus den Schwierigkeiten gemacht, die er zu bewältigen hatte. Mein Vater hat mich häufig wieder auf Situationen und Probleme hingewiesen, die die Menschen um ihn herum meistern müssen. Mit meinem Tennisspiel habe ich immer auch versucht, eine positive Wirkung zu erzielen, um den Leuten zu helfen.
Ich möchte natürlich generell Erfolg haben, aber wenn ich dabei noch etwas Gutes tun kann, ist das umso schöner. Ich fand es mitunter zermürbend, während der Corona-Pandemie Woche für Woche zu spielen. Zu wissen, dass es Kinder gibt, die davon profitieren, erdet mich dann wieder. Es verschafft mir zusätzlich Motivation, mein Bestes zu geben, in jedem Spiel, jedem Satz, jedem Match. Die Arbeit mit Toni und meinem Team wird mir dabei helfen.
Euer Félix

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