French Open - Boris Becker spricht Alexander Zverev Mut zu: So kann der Knoten in Paris platzen
VonThomas Gaber
Publiziert 23/05/2023 um 12:25 GMT+2 Uhr
Vor einem Jahr bot Alexander Zverev Rafael Nadal im Halbfinale von Roland-Garros einen tollen Kampf, ehe er verletzungsbedingt aufgeben musste. Seit seiner Genesung sucht der Deutsche nach der Form und ging nach dem Achtelfinal-Aus in Rom hart mit sich ins Gericht. Kurz vor Beginn der French Open analysiert Eurosport-Experte Boris Becker Zverevs Probleme auf dem Court und macht ihm Mut.
Highlights: Zverev verzweifelt an Ballwand Medvedev
Quelle: Perform
Alexander Zverev tritt in dieser Woche beim ATP-Turnier in Genf an. Er musste nicht lange überlegen, die Wildcard von Turnierdirektor Rainer Schüttler anzunehmen. Zverev verfolgt in der Schweiz zwei Ziele: Er braucht Matchpraxis und will sich durch Siege Selbstvertrauen für die anstehenden French Open verschaffen.
Beides hat in dieser Sandplatzsaison noch nicht wirklich hingehauen. Zum Start in Monte Carlo Mitte April hatte der 26-Jährige Daniil Medvedev im Achtelfinale noch am Rande einer Niederlage. Es folgte das Erstrunden-Aus beim Heimspiel in München, die 1:6, 2:6-Packung in Madrid gegen Carlos Alcaraz und die Pleite in Rom gegen den späteren Turniersieger Medvedev.
Anschließend stellte Zverev Grundsätzliches in seinem Tennisspiel infrage. "Ich kriege es im Moment nicht hin, in einem Turnier weit zu kommen. Das ist derzeit wahrscheinlich mein schlechtestes Tennis seit 2015, 2016. Ich bin noch 1000 Kilometer entfernt von den Topspielern", sagte er.
Im Training spiele er "vom Gefühl her mein Niveau, das ich vor der Verletzung hatte". Anders als früher sei er aber vor den Matches "teilweise unfassbar nervös".
Boris Becker: Zverev zweifelt zu sehr an sich selbst
Boris Becker schätzt Zverevs Ehrlichkeit. "Es ehrt ihn, dass er ein aufrichtiger Mensch ist", sagte der sechsmalige Grand-Slam-Sieger im Gespräch mit Eurosport, schränkt aber ein: "Alex geht mit sich sehr hart ins Gericht, manche Aussagen sind mir fast zu offen."
Damit stünde sich Zverev ab und an selbst im Weg, da Tennis in erster Linie ein "Kopfspiel" sei, so Becker.
"Die entscheidenden Punkte gewinnt nicht die Rückhand, sondern die Mentalität, die Attitüde, die Einstellung. Und da fehlt es noch bei Sascha. In den entscheidenden Phasen hat er Zweifel, ob er gut genug ist. Und diese drei Minuten Zweifel genügen, dass der Gegner die entscheidenden Punkte und letztlich auch das Match gewinnt", sagte der Eurosport-Experte.
Selbstvertrauen könne Zverev nur durch Siege auf der Tour tanken. "Das geht nicht im Training. Den Glauben an Siege bekommt man nur, wenn man seine Matches gewinnt", so Becker.
Becker überzeugt: Zverev reist mit gutem Gefühl nach Paris
Trotz der vielen Negativerlebnisse und des mentalen Tiefs, das Zverev gerade durchschreitet, ist der 55-Jährige überzeugt, dass Zverev in Paris eine gute Rolle spielen kann. "Er spielt gerne in Roland-Garros und reist mit einem guten Gefühl an. Er mag die schnellen Sandplätze in Paris, die sich bei schönem Wetter fast wie Hartplätze anfühlen. Und ich bin davon überzeugt, dass er weiß, an welchen Schrauben er drehen muss", sagte Becker.
Dass Zverev im Gegensatz zum letzten Jahr diesmal nicht zum Favoritenkreis gehört, ist laut Becker eher ein Vorteil. "Er ist unter dem Radar, die Leute reden nicht über ihn. Und warten wir mal die erste Woche ab. Vielleicht ist da die Hälfte der Top8 schon draußen und Sascha noch dabei. Wenn er einmal so ein enges Match wie gegen Medvedev in Monte Carlo gewinnt, kann es schnell in die andere Richtung gehen. Wenn der Knoten platzt, sieht alles ganz einfach aus. So verrückt ist dieser Sport."
Wie rasant sich im Tennis die Dinge ändern können, macht Becker am Beispiel Carlos Alcaraz fest. "Vor einem Jahr hatten wir ihn vielleicht im Kopf, aber noch nicht auf dem Papier. Und dann gewinnt er die US Open und noch ein paar andere große Turniere. Die Tenniswelt entwickelt sich ständig weiter. Das macht es für Sascha nach seiner schweren Verletzung auch nicht unbedingt einfacher."
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Alexander Zverev macht sich in Genf für die French Open fit
Fotocredit: Getty Images
Genf war schon einmal ein Glücksfall für Zverev
Becker sei nach wie vor ein "glühender Bewunderer" von Zverevs Tenniskunst. Um für Paris rechtzeitig in Form zu kommen, müsse er aber jetzt noch "Holz hacken", so Becker.
Das probiert Zverev bei der Generalprobe in Genf, wo er am Dienstag die Auftakthürde Christopher Eubanks souverän meisterte (6:2, 6:3). 2019 nahm Zverev die Veranstaltung auch kurzfristig mit ins Programm. Nach einer unbefriedigenden Sandplatz-Saison schnappte er sich seinerzeit nach einigen hart umkämpften Matches den Titel und erreichte anschließend in Roland-Garros immerhin das Viertelfinale.
Es wäre für Zverev ein Segen, wenn sich Geschichte vier Jahre später wiederholen ließe. Die Hoffnung auf Besserung hat er jedenfalls nicht aufgegeben. Sein emotionales Statement in Rom beendete er mit folgendem Satz: "Ich muss mal gewinnen, dann löst sich das alles."
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