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French Open 2024: Henri Squire schreibt in Roland-Garros an seinem Märchen - Qualifikant aus Duisburg erobert Paris
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Update 29/05/2024 um 08:16 GMT+2 Uhr
Henri Squire ist neben Alexander Zverev aus deutscher Sicht der Mann der Stunde bei den French Open 2024. Im Unterschied zum Olympiasieger, der Rafael Nadal erwartungsgemäß schlug, kommt der Erfolg beim Duisburger Qualifikanten quasi aus dem Nichts. Squire aber hat sich - unbemerkt von der Öffentlichkeit und gegen alle Wahrscheinlichkeit - in die Position gebracht, um in Roland-Garros zu glänzen.
Match-Tiebreak-Drama! Squire gewinnt erstes Grand-Slam-Match
Quelle: Eurosport
Henri wer? Selbst gestandene Tennis-Fans waren verwundert, als der Name Henri Squire im Hauptfeld von Roland-Garros aufploppte. Kein Wunder, schließlich spielte der 23-Jährige in diesem Jahr nur auf der zweitklassigen Challenger Tour und der drittklassigen ITF Tour.
Ein Match auf ATP-Level hatte Squire noch nie gewonnen, in den Top 200 der Weltrangliste war er bis dato ebenfalls nicht vertreten. Wer ihn auf Instagram sucht, stellt fest, dass der Duisburger nur ein Privatkonto mit etwas mehr als 2200 Followern hat.
Aber Squire ist eben auch einer, der was probiert. Also reiste er kurz vor Beginn der French-Open-Qualifikation nach Paris - in der vagen Hoffnung, durch die Absagen anderer Spieler einen Platz in der Qualifikation zu ergattern. "Ich habe mir nicht so richtig Hoffnungen gemacht", gab Squire zu.
Rund eine Stunde vor Beginn der Auslosung aber passierte es: Der junge Deutsche rutschte in die Qualifikation und schlug nacheinander Damir Dzumhur, Hugo Grenier und Andrea Vavassori. Hauptfeld gebucht, Traum erfüllt.
Squire: "Weiß nicht, wie ich es hinbekommen habe"
Es kam aber noch besser: In Runde eins bekam Squire, der Vater ist Australier, nach einem Fünfsatzkrimi gegen Max Purcell mit 6:2, 6:2, 3:6, 4:6, 7:6 (12:10) sein Happy End. "Unbeschreiblich, ich kann es noch gar nicht glauben", brach es danach aus Squire heraus. Er müsse das Ganze "erst einmal sacken lassen".
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Auf gut Glück in Paris: Squires märchenhafter Weg in Runde zwei
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Auch weil er nicht weniger als sechs Matchbälle abwehren musste in der fast dreieinhalb Stunden langen Partie. Er habe einfach probiert, sein "Ding durchzuziehen" und die Nerven zu bewahren. Mit Erfolg. "Das war mein erstes Fünfsatzmatch, es war ziemlich komisch. Ich führe 6:2, 6:2 ... und spiele sonst eigentlich nur best of three. Das war vom Kopf her ganz anders. Dann hat mein Gegner sechs Matchbälle und ich weiß ehrlich nicht, wie ich es hinbekommen habe. Ich bin super happy", berichtete Squire im Exklusiv-Interview mit Eurosport.
Squire stark beim Service und mutig am Netz
Einer der entscheidenden Faktoren des Coups in Runde eins: der gute Aufschlag. Squire weiß seine 1,96 m gekonnt einzusetzen, um beim Service auf die Tube zu drücken. Gegen Purcell schlug er zehn Asse, hatte sowohl über den ersten Aufschlag (71 %) wie auch den zweiten (57 %) die höhere Punktquote.
Und: Squire bewies Mut. Der Duisburger schlug mehr Winner (66:42) als sein Kontrahent und kam bei seinen 37 Netzangriffen auf starke 29 Punkte. So spielt keiner, der ob seiner Grand-Slam-Premiere in Ehrfurcht erstarrt. Im Gegenteil: Squire, von seinem Coach Jeremy Jahn hervorragend eingestellt, überraschte mit seiner unbekümmerten Herangehensweise. "Hier in Paris hat er eine gute Mischung, eine gute Lockerheit gefunden", findet auf Eurosport-Experte Philipp Kohlschreiber.
Becker lobt Squire: "Immer schon talentiert"
"Ich habe ihn als Teamchef ein paar Jahr erlebt und mit ihm trainieren dürfen. Henri war immer schon talentiert. Er war eine Bohnenstange, hat sich nun aber körperlich gestärkt. Im vergangenen Jahr hat er begonnen, mit Jan-Lennard Struff zu trainieren, auch mit Carsten Arriens. Davon hat er profitiert", lobte Eurosport-Experte Boris Becker die tolle Entwicklung bei Squire.
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Becker zum Zverev-Sieg gegen Nadal: "Ein historischer Moment"
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Danach sah es vor ein paar Jahren nicht unbedingt aus. "Ich hatte die Motivation fürs Tennis verloren, hatte keine Lust mehr zu spielen und war orientierungslos", erzählte Squire dieser Tage im Gespräch mit dem "tennisMagazin". Am College in den USA aber leckte Squire langsam wieder Blut, Tennis wurde erneut wichtig.
In der Saison 2023 gewann er schließlich die Erkenntnis, dass es eine Veränderung auf der Trainerposition braucht, um die Karriere voranzutreiben. "Ich war viel alleine unterwegs. Das war schwierig", so der 23-Jährige. Ende vergangenen Jahres bot sich schließlich die Chance, Ex-Profi Jeremy Jahn als Coach zu gewinnen.
Squire fordert Auger-Aliassime
Der Vater spiele zwar noch immer eine bedeutende Rolle, erläuterte Squire, "aber gemeinsam mit Jeremy haben wir jetzt eine gute Balance gefunden. Jeremy ist mein Hauptcoach zu 90 bis 95 Prozent. Mein Papa unterstützt mich sonst auch, hier in Paris ist er mit dabei", verriet der Mann der Stunde im "tennisMagazin".
Squire hat schon jetzt sehr viel mehr erreicht in Roland-Garros, als er sich das selbst ausgemalt hat. Um das Märchen fortzuschreiben bräuchte das Squire-Lager aber fast ein kleines Tennis-Märchen. In Runde zwei wartet nämlich Félix Auger-Aliassime.
Der Kanadier ist an Position 21 gesetzt, stand Anfang Mai auf Sand im Endspiel des ATP Masters in Madrid und vor zwei Jahren im Achtelfinale von Roland-Garros. Eine Flughöhe, die noch zu hoch erscheint für Squire. Oder?
"Auger-Aliassime versucht die Punkte oft über Aufschlag/Vorhand aufzubauen", weiß Kohlschreiber. Auf der Rückhand-Seite ist der 23-Jährige aber anfällig. Squire dürfe "nicht zu weit hinten stehen", müsse "aggressiv an der Linie sein und selbst das Spiel machen".
Dann kann der Deutsche dem favorisierten Auger-Aliassime mindestens das Leben schwermachen.
Meilenstein für Squire in Hamburg
Squire braucht sich was seine Erfolgsbilanz angeht übrigens nicht verstecken und hat in dieser Saison ebenfalls markante Eckpunkte vorzuweisen. Zum einen steht er so hoch wie nie im ATP-Ranking (207), zum anderen feierte er im März den bislang größten Erfolg seiner Karriere. Squire gewann den Challenger-Wettbewerb in Hamburg.
Ein Meilenstein. Inzwischen sagt Squire selbstbewusst, dass er den Glauben daran gefunden habe, "mit den ganzen Jungs mithalten und sogar gewinnen zu können". Doch selbst wenn es gegen Auger-Aliassime am Ende nicht reichen sollte - die Frage "Henri wer?" muss keiner mehr stellen ...
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Quelle: Eurosport
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