Jannik Sinner vor Sperre durch WADA? Doping-Experte Fritz Sörgel: "Geht darum, wie gut die Ausrede ist"
VonJan Zesewitz
Update 30/09/2024 um 09:44 GMT+2 Uhr
Droht Jannik Sinner in seiner Doping-Affäre nun doch eine längere Sperre? Die WADA hat jetzt gegen den ursprünglichen Freispruch des Weltranglistenersten Berufung eingelegt und strebt eine Sperre von "ein bis zwei Jahren" an. Bei zwei Dopingtests während der US-Turniere in Indian Wells und Miami waren Spuren von Clostebol festgestellt worden. Doping-Experte Fritz Sörgel ordnet den Fall ein.
Sinner von Einspruch "enttäuscht und überrascht"
Quelle: Perform
"Bei so einem Fall wird immer eine Ausrede präsentiert und dann geht es darum, wie gut die Ausrede ist und wie die gut bezahlten Anwälte damit durchkommen", sagte der Pharmakologe im Interview mit "Sport 1".
Sinner hatte erklärt, dass der Wirkstoff durch seinen Masseur in seinen Körper gelangt war, der eine Wunde am Finger mit Clostebol behandelt habe. Für den Experten ist die Erklärung in Teilen plausibel.
"Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Wirkstoff über eine Massage tatsächlich gut in den Körper gelangen kann", sagte Sörgel. "Wenngleich fraglich ist, dass das, was man auf eine so kleine Fingerwunde wie die des Masseurs so viel Clostebol draufsprühen würde, für zwei positive Dopingtests in der gemessenen Menge reicht."
Der Italiener, der aktuell beim ATP-Turnier in Peking im Viertelfinale steht, war von der Ankündigung der Welt-Anti-Doping-Organisation "enttäuscht und überrascht". Dass die Sperre tatsächlich so lange ausfällt, wie von der WADA angekündigt, bezweifelt der Experte - und verweist auf die oft "sportlerfreundliche" Rechtssprechung des internationalen Sportgerichtshofs CAS.
Vorgehen der WADA "zwiespältig"?
Dass die Organisation Berufung gegen den Fall einlegt, ist für Sörgel aufgrund des "Strict-Liability-Prinzips" logisch. Das besagt, dass jeder Athlet für die Substanzen, die in seinem Körper vorgefunden werden, selbst verantwortlich ist.
Trotzdem sieht er das Vorgehen der WADA "zwiespältig". Er wundere sich, "warum man sich jetzt schon auf die voraussichtliche Dauer der Sperre festlegt und damit dem weiteren Verfahren vorgreift: Das finde ich so nicht in Ordnung."
Eine rückwirkende Sperre und der weitere Verlust von Weltranglistenpunkten sollen dem Südtiroler nach aktuellem Stand nicht drohen. Das Verfahren wird nun erneut aufgerollt.
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Sinner dreht nächstes Match in Peking nach Rückstand
Quelle: Perform
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