Matteo Berrettini ist längst Stammgast in den Top 10 des ATP-Rankings.
Seitdem der 24-Jährige vor knapp eineinhalb Jahren erstmals bis auf Position neun vorstieß, gehört er ununterbrochen zu den zehn Besten der Welt.
Neben seinen drei Turniersiegen in Gstaad, Budapest und Stuttgart sorgte Berrettini vor allem mit dem Einzug ins Halbfinale der US Open 2019 für Furore.
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Die rasante Entwicklung überrollte den Römer fast, wie er in der Eurosport-Serie Players' Voice schreibt.

Von Matteo Berrettini

Liebe Tennis-Fans,
das vergangene Jahr war aus einer Million Gründen kompliziert und für so viele Menschen auf der ganzen Welt schwierig.
Vieles, was wir für selbstverständlich genommen haben, hat sich geändert. Und auch auf dem Tennisplatz ist einiges anders geworden. Die Erwartungen an mich sind gestiegen, was gleichermaßen herausfordernd wie aufregend ist.
Als ich 2019 im Achtelfinale von Wimbledon auf dem Centre Court gegen Roger Federer antrat, war das ein gewaltiges Erlebnis für einen Spieler wie mich, der es bei einem Grand Slam noch nie so weit geschafft hatte. Die Folge: Mein Ranking verbesserte sich und ein Jahr später war mein Achtelfinaleinzug bei den US Open schon nicht mehr gut genug.
Es fiel mir nicht leicht, mich an diesen plötzlichen Druck zu gewöhnen. Ich selbst hatte das Gefühl, wie auf Zehenspitzen zu gehen – aber mir kam es so vor, als ob alle anderen erwarten würden, dass ich immer schnelle vorankomme.

Du hast nur eine Chance: Anpassung

Ihr könnt Euch das so vorstellen: Ihr geht in eurem eigenen Tempo eine kleine Nebenstraße entlang, die auf einmal zur Autobahn wird. Du hast nur eine Chance, um nicht überholt zu werden: dich anpassen.
Wenn du dich der Spitze näherst, kommt so viel mehr auf dich zu – nicht nur im Tennis, sondern auch auf persönlicher Ebene. Früher waren die Dinge irgendwie einfacher: Ich gehe auf den Platz, ich spiele Tennis, ich denke über das Gewinnen nach. Heutzutage muss ich viel mehr beachten.

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Selbst im Hinblick auf meine Familie und meine Freunde ist inzwischen vieles anders geworden, da ich sie nicht mehr annähernd so häufig sehen kann und es mir schwerfällt, mich daran zu gewöhnen. Du realisierst, dass Tennis dich von deinem bisherigen Leben entfernt – hin zu einer Welt, in der es nur dich und deine Ergebnisse gibt.
Es braucht Zeit, sich darauf einzustellen und diese neue Realität anzunehmen. Für mich bedeuten Familie und Freunde so viel im Leben und deshalb brauchte ich wohl auch länger, um an diesen Punkt zu kommen.
Je höher du steigst, desto komplizierter werden die Dinge. Denn zusätzlich zu all den technischen und physischen Aspekten des Spiels gilt es, den "Boss" zu trainieren, wie es in Rom heißt. Gemeint ist der Kopf. Ich gebe euch ein Beispiel: Man kann auf den Court gehen, trainieren und das Minimum leisten. Oder aber du trainierst wie ein Berserker und läufst dir die Lunge aus dem Leib. Alles Kopfsache. Du musst mental wachsen, um wirklich den nächsten Schritt in deiner Entwicklung zu machen.

Meine Ziele: Rom und die Grand Slams

Ich werde oft gefragt: "Schaust du jemals zurück?" Meine Antwort: "Ja, das ist wunderschön, aber ich möchte vor allem nach vorne schauen." Es kann aber auch gefährlich sein, sich nur leistungsbezogene Ziele zu setzen. Am Ende geht es darum, eine Balance zu finden. Zwischen dem Punkt, an dem du angefangen hast und dem, wo du hin willst. Zwischen der Arbeit selbst und der Freude daran. Wichtig ist in erster Linie, dass ich Tennis spiele, weil es mir gefällt.
Meine Träume auf dem Platz sind stets dieselben geblieben: der Titel bei den Italian Open in Rom und natürlich der Erfolg bei einem Grand-Slam-Event. Große Ambitionen, ich weiß. Es gibt dabei so viele Faktoren und es wird ein schwerer Gang. Aber ich glaube fest daran, dass ich auf dem richtigen Weg bin und ich habe nicht das Gefühl, dass meine Träume Lichtjahre entfernt sind.
Ciao,
Euer Matteo
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