Olympia 2024: Angelique Kerber besiegt Naomi Osaka im Tennis - starkes Comeback in Paris und große Emotionen beflügeln
Update 28/07/2024 um 11:51 GMT+2 Uhr
Angelique Kerber hat ihre Einzelkarriere um mindestens ein Match verlängert. Das 7:5,6:3 in der ersten Runde des Olympischen Tennisturniers versetzte die deutsche Tennis-Landschaft nochmals in die 2010er Jahre, als Kerber in gewissen Bereichen temporär die beste Spielerin der Welt war. Durch den Sieg hat sich die dreimalige Grand-Slam-Siegerin in ihrem Auslosungsviertel Respekt verschafft.
Kerber zeigt ihre Klasse: Highlights vom Sieg gegen Osaka
Quelle: Eurosport
Selbst jene, die seit Jahren eng mit Angelique Kerber verbunden sind, sie in- und auswendig kennen - ja, selbst ihre Teammitglieder konnten es gegen Ende dieses Spiels nicht richtig fassen: Manager Aljoscha Thron traf oft richtige Karriereentscheidungen außerhalb der Tennisplätze. Torben Beltz begleitete als Trainer Kerbers ersten riesigen Erfolg und sprang immer wieder ein, wenn sie ihn brauchte. Bundestrainer Rainer Schüttler betreute Kerber bei Nationalmannschaftswettbewerben.
Die Gesten am späten Samstagabend in der Box von Angelique Kerber auf dem für die Olympischen Spiele veränderten und doch irgendwie gleichen Centre Court Philippe Chatrier reichten von ungläubigen Blicken bis hin zu emotionalen Ausbrüchen.
Als die 36-Jährige nach 1:09 Stunden Spielzeit und einem 7:5, 6:3 ihren ersten Matchball gegen Naomi Osaka verwandelte, lagen sie sich in den Armen. Und während ihre Begleiter das Stadion längst verlassen hatten und auf Kerber warteten, erklärte die gefeierte Heldin des Tages am Eurosport-Mikrofon: "Ich habe gezeigt, dass ich noch oben mitspielen kann und nicht umsonst zurückgekommen bin. Genau um solche Emotionen auf so einem Platz geht es. Ich bin zurückgekommen, um diese Highlights zu erleben." Mehr war der Szenerie nicht hinzuzufügen.
Stressige Stunden
Es waren stressige 48 Stunden für die beste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf. Die 36-jährige Kerber war Anfang des Jahres nach einer Babypause auf die WTA-Tour zurückgekehrt und hatte immer wieder vielversprechende Siege gefeiert, die sie spielerisch und physisch jedoch nicht bestätigen konnte. Babypausen und die sofortige Rückkehr auf Profisportniveau erscheinen nach den Errungenschaften von Serena Williams, Elina Svitolina, Tatjana Maria und vielen anderen Akteurinnen auf der WTA-Tour mittlerweile so normal wie Fahrradfahren.
Doch Beobachter sollten nicht vergessen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, Mutter zu werden und kurz darauf wieder mit den besten Spielerinnen der Welt mithalten zu können. Kerber hat das temporär im fortgeschrittenen Sportleralter geschafft, was besonders bemerkenswert ist.
Kerbers "norddeutsche" Ankündigung
Bei den Grand-Slam-Turnieren und den für sie wichtigen deutschen Events musste sie ihren Gegnerinnen 2024 dennoch stets früh gratulieren. Und weil es der 14-maligen WTA-Turniersiegerin um "Highlights" geht, hat sie sich mit ihrem Team nach der Rasensaison für ein radikales Ende entschieden. Ein Ende, das sie recht norddeutsch – ihrem Naturell entsprechend – am Donnerstag ohne die ganz großen Emotionen bei "Instagram" verkündete.
Da die Verantwortlichen des Weltverbandes ITF eingeweiht waren, durfte sie gemeinsam mit dem ebenfalls scheidenden Andy Murray sowie mit Rafael Nadal und Elina Svitolina der Auslosung am Donnerstag medienwirksam beiwohnen und sah, wie sie Naomi Osaka zugelost wurde.
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Kerber zeigt ihre Klasse: Highlights vom Sieg gegen Osaka
Quelle: Eurosport
Der japanische Superstar hat einen Grand Slam mehr gewonnen als Kerber und ist ebenfalls dieses Jahr als Mutter zurückgekehrt. An Ort und Stelle in Paris war sie bei den French Open die einzige Spielerin, die Iga Swiatek auf Sand in große Schwierigkeiten brachte, knapp in drei Sätzen verlor. Dementsprechend klar war am Samstagabend die Rollenverteilung. Die ITF hatte im Falle einer Niederlage auch etwas vorbereitet. Doch Kerber hielt sich nicht ans Skript.
Die ehemalige Nummer eins benötigte einige Minuten, um sich an die Schlaghärte Osakas zu gewöhnen, hob ihr Niveau an und begegnete ihrer Kontrahentin auf Augenhöhe. In typischer "Kerber-Manier" bearbeitete sie die Grundlinie, absorbierte die Power Osakas und wandelte diese in Passierschläge um, die sie einst zwischen 2016 und 2018 zur besten Konterspielerin der Welt hatten werden lassen.
Kerber managt ihre Emotionen
Beim Stand von 5:5 breakte Kerber Osaka zu Null und verwandelte wenig später ihren zweiten Satzball. Mit der Erfahrung von 21 Jahren Profitennis managte sie ihre Emotionen hervorragend: Sie hielt ihre Emotionen im Griff, jubelte kaum und blieb fokussiert. Osaka hob ihr Level an, kam mit den Angriffsschlägen aber nur selten durch. Kerber zwang sie, immer einen Schlag mehr machen zu müssen. Der entscheidende Breakball zum 5:3 im zweiten Satz steht kategorisch für dieses Match und die Karriere Angelique Kerbers: Kämpfend im Ballwechsel bleiben, bis sich die Chance auf einen rasanten Passierschlag ergibt, der die Gegnerin am Netz vor unlösbare Probleme stellt.
Komm' jetzt!
Beim letzten Aufschlagspiel, als es nochmal eng wurde, feuerte sich Kerber mit ihrem legendären "Komm' jetzt!" an. Wenige Momente später war es geschafft. Ausgerechnet auf dieser Anlage in Paris, die Kerber wegen der vielen deutschen Fans über die Jahre so mag und auf der die Deutsche nur selten exzellent performte. Zu langsam ist dieser Sand im Stade de Roland Garros.
In der zweiten Runde trifft die Silbermedaillen-Gewinnerin von 2016 auf Jaqueline Adina Cristian aus Rumänien, die Nummer 66 der Welt. Machbar. Das Einzel-Draw aber hat sich für Kerber geöffnet, da Elena Rybakina, die in Kerbers Sektion an drei gesetzt war, krankheitsbedingt absagen musste.
Kerber hat es seit ihrer Rückkehr nur selten geschafft, zwei derartig gute Leistungen aneinander zu reihen. Gelangt sie nochmals in die Nähe ihres momentanen Leistungsvermögens, besteht die Chance aufs Achtelfinale. Zudem ist Kerber im Doppel mit Laura Siegemund am Start.
Träumen darf erlaubt sein.
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Kerber vertagt Karriereende: "Es ist noch nicht zu Ende"
Quelle: Eurosport
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