Frances Tiafoe hat den amerikanischen Fans seit seinem ersten Karrieretitel 2018 in Delray Beach schon einige Gründe zum Jubeln gegeben.
Er wurde damals zum jüngsten ATP-Champion aus den USA seit Andy Roddick im Jahr 2002 und erreichte wenig später das Viertelfinale der Australian Open 2019. Das katapultierte ihn in der Weltrangliste auf Rang 29 - höher stand er bislang noch nie.
Aber es ist vor allem die Arbeit abseits des Platzes, die dem 23-Jährigen am meisten bedeutet. Seit George Floyds Tod im vergangenen Jahr nutzt er seinen Einfluss, um die Black-Lives-Matter-Bewegung voranzubringen. Mit seiner Freundin, US-Collegespielerin Ayan Broomfield, brachte er die afroamerikanische Tennis-Gemeinschaft mit dem Video "Rackets down, hands up" (deutsch: Schläger runter, Hände hoch) zusammen. Dieses ging über alle Social-Media-Kanäle hinweg viral.
Tennis
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29/04/2021 AM 15:33
In der neuesten Ausgabe der "Players' Voice" erzählt Frances von seiner Inspiration für das Video, der Entwicklung, die er gerne in den USA sehen würde, und seinem Traum, eine Grand-Slam-Trophäe nach Sierra Leone zu bringen ...
Von Frances Tiafoe
Liebe Tennis-Fans,
ich war zuhause, als ich die ersten Nachrichten zu George Floyd sah. Es war verrückt: Er hatte neun Minuten lang ein Knie auf seinem Hals, aber zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass dies ein solcher Wendepunkt werden würde. Rassismus ist nicht neu, es ist nicht etwas, das plötzlich passierte, es geschieht jeden einzelnen Tag. Es war nur ein Vorfall von vielen, der zufällig aufgenommen wurde, damit die Welt davon Zeuge werden konnte.
Dass all diese Menschen unterschiedlicher Ethnien in diesem einen Moment zusammenkamen, fiel dabei besonders auf. Ich denke, es sorgte auch dafür, dass sich viele Personen mit Einfluss und großer Beliebtheit der Sache anschlossen und sie in den Fokus rückten. Leute aus wichtigen Sportverbänden, wie etwa der NFL, NBA oder WNBA.
Deshalb beschlossen meine Freundin Ayan und ich damals, etwas zu tun. Wir wussten zwar nicht was, aber wir wussten, dass wir etwas machen mussten. In den Sozialen Medien ist man normalerweise sehr vorsichtig, was man sagt oder teilt, aber jeder äußerte seine Meinung und wir wollten diese Gelegenheit nutzen. Es sollte nicht Werbung für uns sein, sondern es war komplett im Einklang mit unseren Überzeugungen. Wir wollten unsere Botschaft in die Welt hinaussenden, unsere Plattform nutzen und unseren Part spielen.
Also steckten wir unsere Köpfe zusammen und überlegten, wie wir am besten etwas bewirken konnten. So kamen wir auf die Idee mit dem Video "Rackets down, hands up". Im Jahr 2014 nahm Michael Brown seine Hände nach oben, wurde aber dennoch erschossen. Das spricht Bände und war unsere Inspiration.
Wir wollten so viele Tennisspieler wie möglich involvieren, aber nicht zu viel von ihnen verlangen. Dies schien die beste Möglichkeit zu sein, denn sie mussten nicht allzu viel sagen oder machen. Wir wollten dennoch namhafte Spieler in unserem Video haben, deshalb war es nicht leicht. Ich bin mit einigen von ihnen befreundet, es war aber trotzdem etwas seltsam, Serena Williams und Naomi Osaka anzurufen und zu fragen, ob sie mitmachen wollen.
Seither habe ich einige Male mit ihnen darüber gesprochen, wie wir die Diskussion fortführen können. Es geht für sie auch darum, ihre Plattformen zu nutzen. Das ist ihnen wichtig. Am Ende des Tages hat jeder eine Plattform, egal wie groß oder klein, also nutzt sie. Die Menschen hören uns zu, daher sollten wir es uns zunutze machen.
Ende letzten Jahres erfuhr ich, dass ich mit dem Arthur Ashe Humanitarian Award der ATP ausgezeichnet wurde. Das war wirklich eine große Sache für mich! Ich wusste zunächst überhaupt nicht, dass es diese Auszeichnung gab. Das machte die Überraschung natürlich noch größer. Meine Stimme zu einem Thema zu erheben, welches mir wirklich wichtig ist, und zu realisieren, dass die Leute der gleichen Meinung waren, bedeutete mir viel.
Aber ich kann jetzt nicht aufhören. Wir müssen weiterkämpfen, denn wir dürfen das Momentum nicht verlieren. Turniere wie die US Open haben darauf toll reagiert, aber diese Sache ist so viel größer als der Sport.

Die US Open feiern afroamerikanische und BIPOC Künstler durch die Verwandlung der ersten Reihen im Arthur-Ashe-Stadium

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Ich weiß, es gab eine Menge NFL- oder NBA-Spieler, die Schulen in ärmeren Gegenden besuchten, um den Kindern zu zeigen, dass wir sie sehen und ihnen zuhören. Wir waren in unseren jungen Jahren wie sie und sie sind nicht allein.. Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Es geht darum, diese Kinder zu inspirieren und ihnen klarzumachen, dass es ein anderes Leben außerhalb ihres Personenkreises gibt. Ich bin ein Fan von Zitaten und etwas, das Will Smith einmal gesagt hat, ist bei mir hängen geblieben: "Es geht nicht darum, wo du bist, sondern wo du hingehst." Das ist das Ziel: Afroamerikaner und Afroamerikanerinnen bestärken.
Ich möchte nicht, dass jeder eine Serena Williams oder ein Frances Tiafoe wird. Jeder soll seinen eigenen Erfolg finden, egal welche Form dieser hat. Was auch immer dein Weg ist, finde ihn! Aber wie können wir diese Wege erschaffen? Das ist die Hauptaufgabe. Wie können wir einzelnen Personen zeigen, dass sie alles sein können, was sie wollen?
Ich weiß nicht, ob es gelingt, wenn wir einen Haufen Geld in Schulen oder 50 Millionen US-Dollar in Gemeindeprojekte stecken, die Verkehrsmittel, Essen oder auch College-Stipendien bereitstellen. Wenn Kinder aufs College gehen, ist das ein großer Schritt. Diese Erfahrungen können die gesamte Einstellung einer Person verändern. Ich sage nicht, dass jeder die Mittel dazu hat, aber diese Ideen sind es, die einen echten Wandel herbeiführen können.
Zunächst brauchen wir allerdings Menschen, die diese Kultur verstehen lernen und ein Gespür dafür bekommen, wie es sich jeden Tag anfühlt, ein Afroamerikaner zu sein. Es geht darum, bestehende Denkweisen zu verändern und das ist schwer. Aber es führt uns wieder dazu, wie wichtig unsere Plattformen sind, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Je mehr ich auf dem Tennisplatz erreiche, umso mehr hoffe ich auch abseits davon bewirken zu können. Je größer die Ergebnisse, desto größer die Plattform.

Tiafoe erreicht sein erstes Grand-Slam-Viertelfinale bei den Australian Open 2019

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Wenn ich über meine Karriereziele nachdenke, wäre der Gewinn eines Grand Slams der absolute Höhepunkt. Ich hatte immer den Traum, eines Tages eine solche Trophäe nach Afrika zu bringen. Meine Eltern kamen beide aus Sierra Leone in die USA und machten viel durch, um uns eine tolle Kindheit zu schenken. Beide arbeiteten sehr viel, auch an den Wochenenden. Wenn sie mich dabei sehen könnten, wie ich den Pokal nach Hause bringe - ich spreche dabei vom wirklichen Zuhause -, wäre das einfach gigantisch.
Ich würde gerne alle Kinder an diesem Moment teilhaben lassen, damit sie sehen: Es ist möglich. Die Kämpfe, denen sie sich stellen müssen, sind echt, deshalb würde es viel bedeuten. Es wäre so viel größer als ich selbst. Ich würde für meine Gemeinde in (Washington) DC gerne etwas erreichen. Aber es für Afrika zu schaffen, wo meine Eltern herkommen, das hätte auch für sie eine sehr große Bedeutung. Ich habe das Gefühl, dass mein Vermächtnis davon abhängig sein wird. Daher ist dies mein allergrößtes Ziel.
Euer Frances
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