Porsche Tennis Grand Prix: Eva Lys verschafft sich Respekt - Deutschlands Nummer eins will den Faktor Glück ausschalten

Eva Lys ist die Frau der Stunde im deutschen Frauen-Tennis. Die 23-Jährige schrieb bei den Australian Open in Melbourne Geschichte, avancierte zu Deutschlands bester Tennisspielerin - und wurde von Andrea Petkovic als "Rampensau" geadelt. Beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart will Lys nun den nächsten Schritt in Richtung Top 50 machen. Allerdings: Die Auslosung hat es nicht gut gemeint.

Lys exklusiv: "Ziel ist es, das Lucky zu streichen"

Quelle: Eurosport

Rampensau, Nummer eins in Deutschland, Hoffnungsträgerin in schwierigen Zeiten für das deutsche Frauen-Tennis - Eva Lys muss schon mit 23 Jahren eine Menge Verantwortung tragen. Wobei, sie muss nicht, sie will!
Entsprechend gut gelaunt kommt Lys zum Interview-Termin mit Eurosport in der Stuttgarter Porsche Arena. Sie selbst würde sich zwar "nie als Rampensau bezeichnen" und Andrea Petkovic sei "die einzige Person, die mich so nennt", aber: "Es macht mir total Spaß, auf den großen Plätzen zu spielen, vor allem in Deutschland, weil mir das Publikum die paar Prozent gibt, die ich brauche", erklärt die aus Kiew stammende Hamburgerin.
Die bisherige Saison ist, vorsichtig formuliert, hervorragend gelaufen für Lys. Bei den Australian Open stieß sie als erste Lucky Loserin der Geschichte ins Achtelfinale vor - und bekam umgehend den Markennamen "Lucky Lys" aufgedrückt.
Damit kann sie (vorerst) gut leben. "Ich weiß, dass die Zuschauer zu dem Begriff eine positive Verbindung haben, daher bin ich die Letzte, die sich darüber beschweren würde", erzählt die Nummer 68 der Weltrangliste. Ziel aber sei es, "das Lucky zu streichen und zu zeigen, dass es nicht nur Glück war".

Lys verschafft sich Respekt: "Anerkennung hat sich verändert"

Das glaubt ohnehin niemand mehr. Seit Melbourne gehört Lys zu den Top 100 der Welt, der Respekt auf der Tour ist merklich gestiegen. "Die Anerkennung auf den Turnieren und in den sozialen Netzwerken hat sich verändert", so die 23-Jährige. Einen medialen Ansturm wie in der Woche nach den Australian Open habe sie "so noch nicht gekannt".
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Und auch der Stuttgarter Turnier-Sponsor Porsche hat das Potenzial erkannt und Lys als sogenannte "Freundin der Marke" unter Vertrag genommen. Lästig ist ihr die massiv gestiegene Aufmerksamkeit nicht, im Gegenteil: "Es macht Spaß, wenn man so viel harte Arbeit reinsteckt und dann etwas zurückbekommt."
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Lucky Lys - ein Märchen in Melbourne begeistert die Fans

Quelle: Eurosport


Das darf gerne so weitergehen, weshalb sich Lys das Ziel gesetzt hat, "die deutsche Nummer eins zu bleiben". Allein die Tatsache, dass es aktuell keine bessere Spielerin aus Deutschland gibt, sei ein großer Erfolg.
"Das wird immer im Gedächtnis bleiben, auch wenn ich das Glück hatte, dass Angie Kerber und Andrea Petkovic rechtzeitig aufgehört haben", schiebt Lucky Lys lächelnd nach. Es habe sie überrascht, dass sie schon jetzt diese Rolle innehabe, gleichzeitig aber bestehe kein Zweifel, "dass noch sehr viel Luft nach oben" ist.

Lys: "Ganze Jahresplanung hat sich geändert"

Lys, das wird sehr deutlich im Eurosport-Gespräch, nimmt die neue Situation mit großer Freude an. "Nach den Australian Open hat sich meine ganze Jahresplanung geändert. Ich kann jetzt alle großen Turniere spielen und bei zwei Grand-Slam-Wettbewerben direkt im Hauptfeld starten. In den vergangenen Jahren musste ich immer in die Qualifikation. Das sind sehr gute Neuigkeiten für mich", sagt die deutsche Meisterin von 2021.
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Eva Lys beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart

Fotocredit: Getty Images

Überheblichkeit oder ein allzu sorgloses Vorgehen verbietet sich Lys. "Ich bin gespannt, wie ich mit den Hauptfeldern klarkomme, in denen ich durch mein verbessertes Ranking stehe. Auf der einen Seite kann ich die guten Turniere spielen, auf der anderen Seite ändern sich die Gegnerinnen zum Auftakt. Alle stehen in den Top 100, manche in den Top 50", führt Lys aus.

Lys bekommt Chance auf Revanche gegen Paolini

Noch dicker kommt es gar beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart. In Runde eins wartet mit Jasmine Paolini (Dienstag ab 18:30 live im TV bei Eurosport 1 und im Stream bei discovery+) gleich die Weltranglistensechste, die 2024 sowohl bei den French Open als auch in Wimbledon im Endspiel stand.
Das bis dato letzte Duell ist nicht lange her, vor rund acht Wochen trafen die beiden Profis in Runde zwei des WTA-Wettbewerbs von Dubai aufeinander. Die Italienerin setzte sich zwar 6:2, 7;5 durch – je länger die Partie aber andauerte, desto besser sah die Herausfordererin aus.
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Kerber über großen Druck für Lys: "Kann man nicht schönreden"

Quelle: Eurosport

"Im zweiten Satz habe ich gemerkt, was ihr wehtut und was sie an meinem Spiel nicht so gerne hat", erinnert sich Lys. Tatsächlich brachte sie die Titelverteidigerin arg in Not, als sie im zweiten Durchgang aus einem 0:3 ein 4:3 machte. Letztlich habe es auch deshalb nicht gereicht, "weil die Top-10-Spielerinnen dir keine Zeit zum Nachdenken geben oder mal aufzuatmen. Das ist der Unterschied zu den Top 100". Und wohl die Luft nach oben, die Lys bei sich selbst sieht.

Lys voller Optimismus: "Ich bin so fit wie nie"

Die Aussichten sind indes sehr gut, dass es für die Deutsche bald in noch höhere Sphären geht. Der Grund liegt in der körperlichen Verfassung. "Ich bin so fit wie nie, konnte drei Monate lang verletzungsfrei und ohne Rheumaschub trainieren. Es ist das erste Mal seit Jahren, dass ich das geschafft habe", betont Lys, die an einer rheumatischen Autoimmunerkrankung leidet. Die Absage für den Billie Jean King Cup in der Vorwoche hing indes mit einer kleinen Erkältung zusammen. Nichts Gravierendes, wie sie versichert.
Der schnelle Sandbelag in der Porsche Arena komme ihr entgegen, nur ein "wenig rutschig" sei es auf dem Centre Court. Genau da will Lys nun an ihre Topleistungen von Melbourne anknüpfen, zumal sie in der Schwaben-Metropole ihre "erste Top-100-Gegnerin geschlagen und den ersten großen WTA-Erfolg" gefeiert habe. 2022 war das, als Lys in der Runde der letzten 32 die Schweizerin Viktorija Golubic, damals die 38 im Ranking, bezwang.

Kletter-Tour im Ranking - Lys hat klare Ziele

Generell denkt Lys aber schon weit über Stuttgart hinaus. Ein Topergebnis mit vielen WTA-Zähler sei auch deshalb wichtig, "weil ich am Ende der Saison viele Punkte zu verteidigen habe und meine aktuelle Position mindestens halten möchte."
Die Zielstellung aber bestehe darin, sich "im Ranking immer weiter nach oben zu schaukeln", wie Lys es ausdrückt. Ein realistisches Vorhaben, das mit Glück nichts zu tun haben wird.
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Quelle: Eurosport


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