Olympia 2016: Andy Murray in den Geschichtsbüchern - del Potro in den Herzen der Fans

Andy Murray schrieb mit seinem zweiten Olympia-Gold in Folge Geschichte. Der Sieger der Herzen war aber Finalgegner Juan Martin del Potro. Andy Murray war schlichtweg überfragt. Nach dem Gewinn seines historischen zweiten Olympia-Golds in Rio wollte jemand wissen, wie er seiner sechsmonatigen Tochter Sophia Olivia denn später einmal Daddys brasilianische Heldentaten vor Augen führen werde.

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Wimbledonsieger Murray überlegte nach dem 7:5, 4:6, 6:2, 7:5 in einem denkwürdigen Finale gegen Juan Martin del Potro lange, dann hatte sich der schottische Weltranglistenzweite entschieden: "Ich werde es ihr auf Video zeigen. Aber nur, wenn sie es auch sehen will", meinte Murray, dem allerdings schon Übles schwant: "Oft ist es ja so, dass Kinder nicht den eigenen Vater toll finden, sondern sich für andere Spieler interessieren."
Wäre Sophia Olivia schon alt genug, könnte spätestens seit dem olympischen Endspiel Juan Martin del Potro ganz oben auf der Liste der kleinen Murray stehen.
Denn während ihr Vater mit seinem zweiten Einzel-Gold in Serie bislang Unerreichtes schaffte, durfte sich "Delpo" als Sieger der Herzen fühlen. Sein Silber jedenfalls schimmerte golden. Der ehemalige US-Open-Sieger schwärmte von der Stimmung auf dem Centre Court, die an ein emotionales Fußballspiel erinnerte:
Zwei etwas zu wilde "Gaucho"-Fans mussten im letzten Spiel der Partie sogar von Sicherheitskräften abgeführt werden. Bezeichnend die Szene nach der Siegerehrung: Zunächst winkte Murray mit der "Union-Jack"-Flagge über den Schultern ins Publikum, ehe nach seinem Abgang der gefühlte Held der Nacht unter dem tosenden Applaus der Zuschauer und "Delpo"-Sprechgesängen erneut die Bühne betrat. Die Rivalität zwischen Argentiniern und Brasilianern? Längst zertrümmert von den brachialen Vorhandschlägen des 1,98-m-Hünen mit dem großen Kämpferherz.

Große Emotionen nach dem Match

Del Potro weinte vor Rührung, als er über die magischen Tage am Zuckerhut sprach. "Ich hätte nie geglaubt, dass ich hier so weit komme. Ich dachte beim Blick auf die Auslosung eher, dass es ein kurzes Turnier für mich wird", sagte der Weltranglisten-141., der in der ersten Runde Branchenführer Novak Djokovic ausgeschaltet hatte.
Auch Murray war voll des Lobes über die Turnierüberraschung. "Das Finale war eines meiner härtesten Matches, die ich auf dem Weg zu einem großen Titel spielen musste", gestand der dreimalige Grand-Slam-Champion.
Ein Lob für del Potro, die ehemalige Nummer vier der Welt, die nach drei Handgelenk-Operationen seit 2013 und Depressionen weit im ATP-Ranking zurückgefallen ist. Juan Monaco sagte einmal über seinen Davis-Cup-Kollegen:
In Wimbledon hatte der "Turm von Tandil" erst im Juni sein Grand-Slam-Debüt nach zweieinhalbjähriger Pause gefeiert. "Juan kann wieder in die Top Ten kommen", prophezeite Murray nun, der nach dem Matchball auf seiner Bank hemmungslos geheult hatte. Der 29-Jährige sagte:
Erst nach 4:02 Stunden hatte er del Potro in einer elektrisierenden Partie endlich geschlagen. Und die Briten feierten Murray, den britischen Fahnenträger. "I am number Juan", titelte "The Sun". Das Wortspiel sollte soviel heißen wie: "Ich bin die Nummer eins." Derzeit sicher auch noch für das kleine Töchterchen Sophia Olivia.
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