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Mit Video | Eklat und Klasse im Finale: Osaka zwingt Williams in die Knie

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Serena Williams, Naomi Osaka

Fotocredit: Getty Images

VonTobias Laure
09/09/2018 Am 08:01 | Update 09/09/2018 Am 15:33

Paukenschlag im Finale der US Open. Favoritin Serena Williams hat ein hochklassiges und turbulentes Duell mit 2:6 und 4:6 gegen Naomi Osaka verloren. Im zweiten Satz des Endspiels kam es zu einem Eklat, infolge dessen Williams von Stuhlschiedsrichter Schiedsrichter Carlos Ramos mit einem Spielabzug bestraft wurde. Osaka avancierte derweil zur ersten Grand-Slam-Turniersiegerin Japans.

Osaka-Trainer Sascha Bajin, der eins als Hitting Partner für Serena Williams arbeitete, hatte seinen Schützling perfekt auf das Finale eingestellt. Die Japanerin ließ sich vom Tempo ihrer Gegnerin überhaupt nicht beeindrucken und führte zur Verwunderung der Zuschauer im Arthur Ashe Stadium nach 20 Minuten mit 4:1. 14 Minuten später schnappte sich Osaka die Satzführung.

Final-Highlights: Eklat um Williams, Traumtennis von Osaka

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"Serena muss den ersten Aufschlag besser treffen, während Osaka sogar über den zweiten Aufschlag eine sehr hohe Punktquote hat. Die Japanerin hat Williams den Schneid abgekauft und völlig verdient den ersten Satz gewonnen", zog Eurosport-Experte Boris Becker eine Zwischenbilanz.

Das Finale blieb ein Duell auf Augenhöhe und höchstem Niveau. Im vierten Spiel war es dann soweit: Williams holte sich das Break zum 3:1. Damit ging eine unglaubliche Serie von Osaka zu Ende. Die Japanerin hatte zuvor matchübergreifend 19 (!) Breakbälle in Folge abgewehrt. Schocken ließ sie sich davon nicht, im Gegenteil: Osaka antwortete mit drei Spielgewinnen in Serie.

Eklat um Williams: "Ich betrüge nicht!"

Kurz darauf kam es zu skandalösen Szenen auf dem Court. Nachdem Stuhlschiedsrichter Carlos Ramos Williams wegen unerlaubten Coachings zu Beginn des zweiten Satzes verwarnt hatte, fauchte die Favoritin ihn an:

Ich betrüge nicht, um zu gewinnen. Da verliere ich lieber.

Wenig später zerstörte sie aus Frust ihren Schläger, kassierte ihre zweite Verwarnung und damit einen Punktabzug. "Du schuldest mir eine Entschuldigung", brüllte Williams den Unparteiischen an: "Ich habe eine Tochter, ich betrüge nicht!"

Doch das Drama ging noch weiter, Williams wollte sich einfach nicht beruhigen. Bei einem weiteren Seitenwechsel bezeichnete sie Ramos als Dieb: "Du hast mir einen Punkt gestohlen." Dem Portugiesen blieb keine andere Wahl, als Williams ein Spiel abzuziehen. Damit stand es plötzlich 3:5 statt 3:4 aus Sicht der US-Amerikanerin.

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Die sechsmalige Turniersiegerin brach in Tränen aus und stotterte: "Das ist nicht fair, das ist nicht fair. Nur, weil ich eine Frau bin."

"Ein Wunder ist Geschehen"

Williams verpasste durch ihren Auftritt den historischen 24. Grand-Slam-Titel, mit dem sie den Rekord der Australierin Margaret Court egalisieren würde. Schon Mitte Juli in Wimbledon hatte sie im Finale gegen Angelique Kerber verloren. Erst vor einem Jahr hatte Williams ihre Tochter Olympia zur Welt gebracht und war im März auf die Tour zurückgekommen.

Eurosport-Experte Becker war ob der Szenen um Williams' Verwarnung perplex:

So etwas habe ich von der besten Spielerin der Welt noch nie gesehen. Sie betitelt den Schiedsrichter als Lügner, der reagiert mit einem Spielabzug. Das Finale stand sogar kurz vor dem Abbruch, was eine Katastrophe gewesen wäre.

Bemerkenswert: Osaka ließ sich von dem Wirbel um ihre Gegnerin überhaupt nicht anstecken. Nachdem Williams mit dem folgenden Aufschlagspiel auf 4:5 verkürzt hatte, brachte die 20-Jährige ihr Spiel zum 6:4 durch. "Ein Wunder ist Geschehen. Eine der größten Sensationen der Tennis-Geschichte", lobte Becker die Turniersiegerin.

Buh-Rufe bei Siegerehrung

Die anschließende Siegerehrung wurde zunächst von massiven Buh-Rufen der gefrusteten Zuschauer begleitet. Siegerin Osaka brach in Tränen aus, verbarg ihr Gesicht unter ihrer Kappe. Williams reagiert großartig und tröstete ihre Kontrahentin.

"Ich weiß, dass alle für sie waren. Es tut mir leid, dass es so enden musste", sagte Osaka. Auch Williams weinte bei der Siegerehrung, immerhin schaffte sie es, die Zuschauer etwas zu beruhigen. "Es ist ihr erster Grand-Slam-Titel. Lasst uns den Moment zu ihrem besten machen und nicht mehr buhen", sagte Williams.

Die 23-fache Grand-Slam-Turniersiegerin hatte sich in New York schon zweimal danebenbenommen. Im Halbfinale 2009 gegen die Belgierin Kim Clijsters drohte sie einer Linienrichterin: "Wenn ich könnte, würde ich verdammt noch mal diesen verdammten Ball in deine verdammte Gurgel stecken und dich umbringen. Hörst du das?"

Auch 2011 bei der Finalniederlage gegen Samantha Stosur aus Australien, verlor sie die Nerven und stand kurz vor der Disqualifikation.

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