Das Herz hat entschieden.

Mit dem Verzicht auf die US Open, einer Entscheidung, die er "nie treffen" wollte, folgt Rafael Nadal seinem Herzen. So ist es in der Erklärung zu lesen, die der Superstar abgab. Er wolle im Angesicht der seit Monaten grassierenden Corona-Pandemie "lieber nicht reisen". Schon gar nicht nach New York.

US Open
"Barbarisch!" Auch Nadal sagt Teilnahme an US Open ab
05/08/2020 AM 07:40

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Europäische Ziele scheinen dem Spanier dagegen eine Reise wert zu sein. "Ich habe mit meinem Freund Rafa gesprochen und er hat mit seine Teilnahme in Madrid zugesagt. Wir werden dich wie immer mit offenen Armen empfangen in der Caja Mágica", verkündete Turnierdirektor Feliciano López am 7. Juli auf Twitter - also zu einer Zeit, in der die pandemische Lage ebenfalls schwierig war.

Seit gestern steht allerdings fest: Es wird kein Masters-Turnier in der spanischen Hauptstadt geben in diesem Jahr, aus "Gesundheits- und Sicherheitsbedenken", wie ATP und WTA mitteilten.

Nadal: Die Jagd nach der 13 steht über allem

Damit ist klar, dass Nadal, insofern er nicht noch für den Sandplatz-Wettbewerb in Kitzbühel meldet, frühestens am 20. September beim Masters von Rom auf der Tour auftauchen wird - vielleicht auch erst eine Woche später bei den French Open. Denn Roland Garros, das zeigen die jüngsten Entwicklungen, steht bei Nadal turmhoch über allem anderen. Der Jagd nach dem 13. Titel in Paris ordnet der 33-Jährige alles unter, diesem Ziel hat er nun wohl auch die US Open geopfert.

Seinen Trainer Carlos Moya dürfte er damit überrascht haben. Der hatte noch vor wenigen Wochen betont, er sei sich "sicher, dass Rafa denkt, alles spielen zu können und es wohl auch tun" werde.

Nadal geht nun einen anderen Weg, denn so gut die Sicherheitsvorkehrungen in Flushing Meadows auch sein mögen, so überschaubar sich das Ansteckungsrisiko für die bestens abgeschirmten Tennis-Profis auch darstellt, die Gefahr bleibt real. Der Sandplatz-König hätte im schlimmsten Fall nicht an den French Open teilnehmen können.

Rafael Nadal 2019 beim Gewinn seines 12. French-Open-Titels

Fotocredit: Getty Images

Die Vermutung liegt also nahe, dass der Startverzicht nicht nur mit der Fernreise über den großen Teich zu tun hat - zumal ihm die 2000 Punkten vom Vorjahres-Triumph in der Weltrangliste aufgrund einer neuen Regelung der ATP erhalten bleiben. Nadal versicherte indes, auch seinen Auftritt bei den French Open kritisch auf den Prüfstand zu stellen.

"Ich werde mich auf die Sandplatzsaison in Europa vorbereiten, und wenn die Zeit gekommen ist, werden wir sehen, wie die Situation in Europa ist und ob alles unter Kontrolle ist oder nicht, und danach werde ich meine Entscheidung treffen", so der Mallorquiner. Es ist allerdings nur schwer vorstellbar, dass er tatsächlich freiwillig auf "sein" Grand-Slam-Turnier verzichtet.

Welche Wirkung hat Nadals Absage?

Nichtsdestotrotz könnte von Nadals US-Open-Absage eine Signalwirkung ausgehen, denn die Austragung der US Open wird nicht nur von den Topspielern extrem kritisch gesehen, die wie etwa Nick Kyrgios bereits abgesagt haben. "Ich würde es lieber haben, wenn die US Open nicht stattfinden", gab Alexander Zverev vor wenigen Tagen unumwunden zu. "Es müssen alle Spieler irgendwie dahin kommen. Ich weiß zum Beispiel, dass Russland und Brasilien komplett zu sind. Das ist das Schwierige."

Zverev hat Angst um seine Gesundheit, was aber nicht direkt am Corona-Virus liegt, sondern an dessen Folgen für das Turnier. Es sei problematisch, dass nur eine Person mit auf die Anlage kommen dürfe. Wenn man bei der zu erwartenden Hitze über fünf Sätze spiele, "ist es extrem schwer, wenn nur der Trainer da ist und kein Physio. Das ist auch für den Körper gefährlich, was Verletzungen angeht." Dies bereite ihm mehr Sorgen als eine Ansteckung.

Kyrgios wiederum hatte erklärt, er "verzichte für die Menschen, für meine Aussies, für die Hunderttausenden Amerikaner, die ihr Leben verloren haben, für euch alle". Landsfrau Ashleigh Barty gab sich zwar zurückhaltender, kam letztlich aber zum selben Schluss wie Kyrgios und bleibt dem Wettbewerb fern.

Die Organisatoren müssen fürchten, dass ob der prominenten Turnier-Kritiker und der durchaus nachvollziehbaren Argumente weitere Stars ihre Flugtickets stornieren.

Titel-Chancen für Zverev, Thiem und Co. steigen

Grund zur Hoffnung bieten allerdings die neuen Kräfteverhältnisse im Feld. Durch das Fehlen von Nadal, Roger Federer oder auch des dreimaligen Grand-Slam-Turniersiegers Stan Wawrinka steigen die Chancen auf einen Major-Titel eklatant an. Von den sogenannten "Big 3" ist Stand jetzt nur Novak Djokovic dabei.

Final-Highlights: Zverev bleibt cool im Sudden Death

Das eröffnet für Zverev, Dominic Thiem, Daniil Medvedev oder Stefanos Tsitsipas ganz neue Möglichkeiten, den ersten Grand-Slam-Titel der Karriere einzufahren. Es bleibt aber eine Herkulesaufgabe, denn bislang sind noch sieben Profis aus den Top 10 des ATP-Rankings mit von der Partie.

Lässt man die Weltranglistenerste Ashleigh Barty einmal außer Acht, dann weist das Feld bei den Frauen sogar die Bestbesetzung auf. "13 Grand-Slam-Turniersiegerinnen und neun von zehn Frauen aus den Top 10 der Welt führen die Entry List an", verkündeten die US-Open-Organisatoren stolz auf der Turnier-Homepage. Man sei "zuversichtlich", das Event trotz des erneuten Anstiegs der Corona-Infektionszahlen in New York austragen zu können.

Klar ist aber auch, dass eine Teilnahme Folgen nach sich ziehen kann, die nicht einschätzbar sind. Was passiert, wenn es positive Corona-Fälle gibt, wie sehen dann die Quarantäne-Regelungen für die Profis aus, vor Ort und wenn sie in ihre Heimatländer zurückkehren - und was bedeutet das wiederum für den Start bei den French Open?

Komplizierte Fragen, die sich zumindest Rafael Nadal nicht mehr stellen muss.

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