Boris Becker analysiert Phänomen Daniil Medvedev: "Er weiß selbst nicht, was kommt"
Genial, umstritten, wortgewaltig und unberechenbar - an Daniil Medevedev scheiden sich in der Tennis-Szene die Geister. Wenn heute in New York die US Open beginnen, gehört der Russe wieder zu den Favoriten, was Boris Becker als großen Gewinn für das Turnier erachtet. "Es ist eine Freude, ihm zuzuschauen", erklärt der sechsmalige Grand-Slam-Turniersieger bei Eurosport.
Daniil Medvedev
Fotocredit: Getty Images
Daniil Medvedev ist das, was man im Sport gemeinhin als Wundertüte bezeichnet.
Mal spielt er Tennis der Extraklasse. Dann gewinnt der 25-Jährige Turniere wie die Masters von Cincinnati, Shanghai, Paris oder vor zwei Wochen in Toronto. Mal gehen die Emotionen mit ihm durch, dann rastet Medvedev aus und überschreitet hin und wieder die Grenze zur Unsportlichkeit.
Auch dieses Gesicht zeigte der Weltranglistenzweite in den vergangenen Wochen.
Das Gesamtpaket Medvedev, vor allem der sportliche Teil, imponiert Eurosport-Experte Boris Becker. "Man weiß nie genau, was passiert - und ich glaube, er weiß selber nicht, was kommt", glaubt der 53-Jährige und spricht vom "wunderbaren Daniil Medvedev".
Medvedev und die US-Open-Fans: Es knistert
In Flushing Meadows strebt der Russe seinen ersten Grand-Slam-Titel an, nachdem er schon 2019 im US-Open-Endspiel stand und sich dabei Rafael Nadal in fünf Sätzen geschlagen geben musste.
New York ist allerdings kein einfaches Terrain für Medvedev, der eine angespannte Beziehung zu den dortigen Fans pflegt. Nach seinem Drittrundenerfolg im Jahr 2019 gegen Feliciano López verhöhnte er das Publikum. Das hatte ihn zuvor ausgepfiffen, nachdem er einem Ballkind rüde das Handtuch entrissen hatte.
"Ich danke euch. Eure Energie hat mir den Sieg gebracht", provozierte Medvedev im On-Court-Interview unter lauten Buhrufen die Zuschauer. "Wenn ihr heute Nacht schlafen geht, sollt ihr wissen, dass ich nur wegen euch gewonnen habe."
Interaktionen dieser Art scheint er zu lieben, dem Niveau seines Tennisspiels sind sie jedenfalls nicht abträglich.
Topfavorit? Becker sieht Medvedev an Position drei
In diesem Jahr geht Medvedev, der in Runde eins auf den Franzosen Richard Gasque trifft, erneut als heißer Titelanwärter an den Start - wenn auch nicht als Topfavorit. Diese Rolle verleiht Becker dem 20-fachen Grand-Slam-Champion Novak Djokovic. "An zweiter Stelle kommt für mich Zverev, Medvedev an drei und Tsitsipas an vier", so Deutschlands Tennis-Legende.
Medvedev ist heiß auf das Turnier. "Wenn wir jetzt in New York wieder Night Sessions mit Fans erleben werden, ist das wahrscheinlich die Stimmung, die einer Stadionatmosphäre im Fußball am Ähnlichsten ist", verriet der bekennende FC-Bayern-Fan dieser Tage bei "sport1". New York am Abend sei "einfach elektrisierend".
Und selbst wenn die Fans sich wieder gegen ihn stellen, Medvedev ist nicht bange: "Dann kannst du zu dir sagen: So, jetzt schlage ich euch alle!"
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Medvedev rastet aus und tritt Kamera
Quelle: Perform
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