US Open 2023: Alexander Zverev verschafft sich wieder Respekt - Showdown gegen Jannik Sinner wird zum Gradmesser

Alexander Zverev steht im Achtelfinale der US Open mit Jannik Sinner ein echter Gradmesser bevor. In Flushing Meadows findet der deutsche Olympiasieger allmählich wieder zu alter Stärke zurück - beim Grand-Slam-Turnier in New York fühlt sich Zverev eben fast wie zuhause. Auf dem Weg in die Weltspitze kann er aber noch viel von Novak Djokovic und Rafael Nadal lernen, wie er verriet.

Alexander Zverev

Fotocredit: Imago

Zwei Tage vor Turnierbeginn der US Open in New York nahm sich Alexander Zverev nach überstandenen Medienverpflichtungen nochmals Zeit für die Gebrüder Kroos und deren Podcast "Einfach mal Luppen".
Es wurde eine kurzweilige Stunde. Die Profisportler frotzelten sich an so mancher Stelle gegenseitig, vor allem aber Toni Kroos entlockte Zverev die ein oder andere interessante Info.
Zverev sagte über seine emotionale Art auf den Tennisplätzen dieser Welt sinngemäß zwar, er sei ja ruhiger geworden. "Aber ab und an benötige ich die Emotionen auch. Ich neige nämlich dazu, zu ruhig zu werden und in einen Modus zu kommen, in dem mir so ein bisschen alles egal ist."
Zuhörer dürften sich sofort an das furchtbar emotionslose Achtelfinal-Aus gegen Denis Shapovalov 2022 bei den Australian Open erinnert haben, als Zverev nicht zu seinem Spiel fand und sich damals als Mitfavorit auf Titel und den Spitzenplatz der Weltrangliste seinem Schicksal ergab.

Zverev pusht sich selbst ans Limit

19 Monate und eine Horrorverletzung später wirkte Zverev gegen Grigor Dimitrov in der dritten Runde der US Open über weite Strecken der ersten beiden Sätze erneut sehr in sich gekehrt, war damit beschäftigt, Antworten auf das Weltklassetennis des Bulgaren zu finden.
Dann allerdings mischte sich der Stuhlschiedsrichter ein und erteilte Zverev beim Stand von 5:5 und Einstand im zweiten Satz seine zweite Verwarnung wegen Zeitüberschreitung. Der 26-Jährige verlor zunächst die Diskussion mit dem Unparteiischen und nachfolgend seinen wertvollen ersten Aufschlag.
Nach Zverevs anschließenden, überragendem Servicewinner beim zweiten Aufschlag hallte ein lautstarkes "Come on" von Zverev in Richtung Schiedsrichter durch das Louis-Armstrong-Stadion, gefolgt von einem noch lauteren "Lets go" zum Spielgewinn.
Zverev schob sich damit nochmals an, nutzte die Emotionen und konnte sein Spielniveau im zweiten Tiebreak auch deshalb erhöhen. Er wehrte zwei Satzbälle ab, sorgte für den Satzausgleich und brach den Widerstand des groß aufspielenden ATP-Finalssieger von 2017.
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Alexander Zverev steht im Achtelfinale der US Open

Fotocredit: Getty Images

Zverev verschafft sich wieder Respekt

Zverev kann bei den US Open, anders als damals in Melbourne, weder die Nummer eins der Welt werden, noch zählen ihn die internationalen Medien vor dem Achtelfinale gegen den Italiener Jannik Sinner zu den ernsthaften Titelkandidaten.
Aber Zverev ist nicht nur von den Emotionen und spielerisch im neunten Monat seiner Comebacksaison erneut auf einem ansprechenden Niveau. Die Gegenspieler haben wieder Respekt vor Zverevs physischer Komponente.
"Die ersten beiden Sätze waren die besten zwei Sätze meiner Saison, es war ein unglaublich hohes Level. Er ist dann müde geworden und ich bin meinen Weg gegangen", erklärte der Olympiasieger in der Pressekonferenz nach der Partie. "Ich fand, ich habe zwei fast perfekte Sätze gespielt und nur einen gewonnen. Und den anderen hätte ich auch verlieren können."

Djokovic und Nadal als Fitness-Vorbilder

Zverev bekannte, er und sein Kontrahent hätten sich in dieser Phase physisch gekillt. Dimitrovs körperliche Reserven waren anschließend aufgebraucht, der 33-Jährige musste sogar eine medizinische Auszeit nehmen und gewann in den Sätzen drei und vier nur noch zwei Spiele.
Zverev sei "sehr stolz" auf seine Fitness, bekannte aber auch. "Am Ende kommt es darauf an, wer mental besser ist. Da kann ich noch viel von Novak Djokovic und Rafael Nadal lernen."
Letzterer hat seine Saison wegen Verletzungen längst beendet, auch wenn Spaniens Davis-Cup-Kapitän David Ferrer in New York leichte Hoffnungen verbreitete, der Mallorquiner könnte eventuell zu einer Option für die Davis-Cup-Finals in Malaga werden - wenn sich Spanien qualifiziere.
Djokovic dagegen könnte erst im Finale warten, was besser klingt, als es ist. Denn auf dem Weg dahin müsste Zverev im Normalfall nun nacheinander Jannik Sinner, Carlos Alcaraz und Daniil Medvedev besiegen.

"Unfassbar schwierig": Zverev mit Respekt vor Sinner

Besiegt, hat er jeden der Genannten. Die Kombination aus den Siegen traut Zverev noch kaum jemand zu. Auf das anstehende Duell gegen den an sechs gesetzten Sinner angesprochen, entgegnete Zverev: "Gegen Jannik wird es unfassbar schwierig. Das Tempo wird schneller und die Partie ein unfassbar hohes Niveau haben. Er ist einer der besten Spieler der Welt."
Sinner unterstrich sein Tennislevel unlängst, als er sein erstes Masters-1000-Turnier überhaupt in Toronto gewinnen konnte. Viele der internationalen Medien sehen den Südtiroler im Duell gegen Zverev vorne. Sinner selbst warnt und bestätigt die ansteigende Performance seines Gegners "Er ist wieder in einer super Form. Physisch und auch mental ist er wieder super stark."
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Jannik Sinner

Fotocredit: Getty Images

Auch deshalb setzen die Veranstalter des amerikanischen Tennisverbands Zverev nun erstmals auf dem Centre Court im Arthur-Ashe-Stadion in der Night Session an. "Ashe, das ist so gigantisch, das kann man mit keinem Stadion der Welt vergleichen", sagte Zverev. In das größte Tennisstadion der Welt passen mehr als 23.000 Zuschauer.

Night Sessions? Zverev: "Momente, die ich liebe"

"Night Sessions sind die Momente, die ich liebe. Die habe ich letztes Jahr besonders vermisst. Es gibt keine vergleichbare Atmosphäre wie die nachts in New York. Das ist etwas anderes, was Besonderes. Das Match gegen Jannik wird von der Stimmung und Atmosphäre her ein Höhepunkt", ergänzte Zverev, der so ein bisschen mit sich und seinem Selbstverständnis ringt.
Einerseits befinde er sich gerade noch in seinem Comeback-Jahr. "Ich bin die zwölf der Welt, nicht die drei. In einem Jahr kann ich vielleicht aus guten Gründen mitreden." Andererseits nervt ihn sichtlich, dass sich in New York viel auf das Duell Djokovic gegen Alcaraz konzentriere.
"Es ist ganz natürlich, dass die Medien nach einer Geschichte schauen und die aktuelle Story heißt Alcaraz und Djokovic. Es ist normal, dass sie Rivalitäten suchen, aber es gibt auch andere Spieler im Feld und Spieler, gegen die die beiden verloren haben."
Wen er damit meinte, ließ er unkommentiert. Stattdessen sagte er: "Ich glaube, beide denken gerade nicht an das Finale, weil sie beide wissen, dass sie bis dahin Gegner haben. Wir alle hier versuchen zu gewinnen."
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Quelle: Eurosport

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