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Wimbledon 2016: Angelique Kerber - reif für die Nummer 1?
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Publiziert 06/07/2016 um 20:29 GMT+2 Uhr
Angelique Kerber sitzt Serena Williams dicht im Nacken. Schon in Wimbledon könnte es einen Thronwechsel geben. Vorausgesetzt Serena verliert ihr Halbfinale gegen Elena Vesnina und die Australian-Open-Siegerin Kerber holt den Titel in London. Doch ist Kerber zu dieser Führungsrolle schon bereit?
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Spielen wir doch mal kurz "Was-wäre-wenn": Stellen wir uns einfach vor, Serena Williams verliert am Donnerstag ihr Wimbledon-Halbfinale und Angelique Kerber gewinnt den Titel im Tennis-Mekka - dann wäre sie nicht mehr bloß die deutsche Nummer 1, sondern DIE Nummer 1. Dann hätte sie Serena Williams nach fast 300 Wochen auf dem Tennis-Thron gestürzt. Das wäre dann wohl ein echter "Ker-Boom"!
Aber die Nummer 1 der Welt zu werden, heißt ja nicht automatisch, auch die Nummer 1 der Welt zu sein - ist Angelique Kerber überhaupt schon bereit, die neue Frontfrau des Frauentennis zu spielen? Nach dem Debakel bei den French Open mochte man daran zweifeln. Und das hat Kerber selbst auch eingesehen:
Champion sein will gelernt sein
Kerber wirkte völlig überfordert mit ihrer neuen Rolle als Grand-Slam-Champion. Und ihre Selbstzweifel waren plötzlich wieder da. Nach dem Sieg in Melbourne war alles auf einmal auf sie eingeprasselt, danach stimmten die Ergebnisse lange nicht. Nur der Titel beim Heimspiel in Stuttgart blieb ihr. Und Konstanz sieht eben anders aus auf allerhöchstem Niveau, da muss man bei den wichtigsten Turnieren immer liefern.
Kann Kerber das schon? "Ich habe das Spiel, um die großen Dinger zu gewinnen", sagt sie. Das steht außer Frage, es ist wohl eher der mentale Aspekt. Und vielleicht hatte Kerber die Zeit bis Wimbledon einfach gebraucht, um ihren großen Coup wirklich zu verarbeiten.
Und geholfen hat ihr dabei jetzt sicher auch das frühe Aus der French-Open-Siegerin Garbine Muguruza. Zu sehen, dass es anderen nach dem Debüt-Sieg genauso ergeht wie ihr, dürfte Kerber gut getan haben. Champion sein will eben gelernt sein - und in Wimbledon profitiert Kerber offensichtlich schon von den Erfahrungen der letzten Wochen.
Denn wer hätte nach dem harten Aufschlag in Paris schon geglaubt, dass sie bereits jetzt wieder um die nächste Grand-Slam-Trophäe mitkämpft? Kerber hat sich zweifellos eindrucksvoll im All England Club zurückgemeldet.
Vertrauen ist zurück
"Ich weiß jetzt wieder, was mich stark gemacht hat", sagte Kerber nach ihrem Halbfinaleinzug erleichtert. Die Ruhe sei wieder da, das Vertrauen ins eigene Spiel. Und sie denke wieder wie in Melbourne stur nur von Runde zu Runde:
Und dieses Mal wirkt sie bei diesen Worten tatsächlich selbstbewusst und freier. Die eigenen Dämonen hat Kerber erst einmal vertrieben: Und sie hat ihre Rolle als Champion angenommen. Aber ist sie auch bereit für die Nummer 1? "Ich war schon die Nummer 2 und klar will man dann als nächstes die Nummer 1 werden", betont Kerber:
Seit fünf Jahren gehört sie zu den Top Ten, das spricht für Konstanz. Doch als Nummer 1 muss sie insbesondere die WTA-Tour repräsentieren. Sie muss stetig präsent sein, ihre Meinung zu vielen Themen äußern, Werbegesicht und Vorbild sein. Sie muss extrovertiert sein, ein Image ausfüllen. Den Willen dazu hat Angelique Kerber. Doch gerade in den Dingen abseits des Platzes braucht sie noch Zeit und Nachhilfe, um den Schritt vom Champion zur Frontfrau des Damen-Tennis zu schaffen.
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