Bei der letzten Ausgabe von Wimbledon im Jahr 2019 (im vergangenen Jahr wurde das Turnier wegen der Corona-Pandemie abgesagt) schied Alexander Zverev sang- und klanglos schon in der ersten Runde aus.
Dass er Weltranglistenpunkte gutmachen wird, steht also schon nach fünf Turniertagen fest, denn am Donnerstag zog die deutsche Nummer eins in die dritte Runde des Grand-Slam-Klassikers ein.
Gegen den US-Amerikaner Tennys Sandgren gewann Zverev souverän 7:5, 6:2, 6:3. Noch ein Sieg, und der gebürtige Hamburger stellt sein bisher bestes Ergebnis in Wimbledon von 2017 ein. Damals erreichte er im Alter von 20 Jahren das Achtelfinale.
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EIn Grund für überschwängliche Euphorie ist der geglückte Start an der Church Road aber keineswegs für den Deutschen: "Ja, ich habe gut gespielt, aber ich habe mehr Potenzial. Ich bin bestimmt auf einem guten Weg, aber es war nur eine zweite Runde", so Zverev bestimmt.
Es ist wie schon vor wenigen Wochen bei den French Open: Zverev ist gekommen, um den Titel zu gewinnen.
Doch ist das realistisch?

Nächster Zverev-Gegner ist Taylor Fritz

Vor Turnierbeginn sagte Zverev: "Wir Jungen brauchen einfach noch ein bisschen mehr Zeit, um diesen Belag besser kennenzulernen." Novak Djokovic sei "der Riesenfavorit in diesem Jahr, weil er sich auf dem Belag am wohlsten fühlt". Mit "Wir Jungen" meinte er neben sich vor allem Stefanos Tsitsipas, Daniil Medvedev und Matteo Berrettini.
Der eigentlich stark eingeschätzte Tsitsipas, bei den French Open noch nach Sieg über Zverev ins Finale eingezogen, musste in Wimbledon schon in der ersten Runde die Koffer packen. Gegen Frances Tiafoe verlor der Grieche unerwartet klar 4:6, 4:6, 3:6. Medvedev und Berrettini erreichten wie Zverev die dritte Runde. Für den Russen geht es gegen Marin Cilic, Berrettini muss nun gegen Aljaz Bedene ran. Keine leichten, aber durchaus lösbare Aufgaben.
Für den 24-jährigen Deutschen wartet am Samstag Taylor Fritz (USA). Der Weltranglisten-40. verletzte sich noch bei den French Open im Zweitrundenduell mit Dominik Koepfer am Knie, wurde operiert und steht nach Blitzheilung im Teilnehmerfeld. "Das ist sehr überraschend", findet auch Zverev.
Schwer einzuschätzen ist daher, in welcher Form sich der US-Amerikaner präsentieren wird. In Wimbledon kam Fritz zuvor noch nie über die zweite Runde hinaus, andererseits stammt sein einziger ATP-Titel vom Rasenturnier in Eastbourne 2019.
Das direkte Duell beider Spieler spricht für Zverev, der zwei seiner drei Duelle mit Fritz gewann. Auch in Wimbledon trafen beide schon aufeinander. 2018 kämpfte Zverev den US-Amerikaner in fünf Sätzen nieder.

Wimbledon-Draw könnte Vorteil sein

Auch am Samstag wird Zverev als großer Favorit ins Match gehen. Mit Blick auf seine Chancen in Wimbledon meinte Zverev vor Turnierstart: "Ich habe alles dafür getan, dass ich in Form bin und dass ich gutes Tennis spielen kann. Ich hoffe, dass ich es auch auf den Platz bringen kann - mehr kann ich auch nicht machen." Das Turnier auf dem "heiligen Rasen" sei für ihn ohnehin "am schwersten zu gewinnen", erklärte der 24-Jährige weiter.
Denn inzwischen dürfte bekannt sein, dass Rasen trotz Zverevs starker Aufschläge nicht der Lieblingsuntergrund des Deutschen ist. Keinen einzigen seiner mittlerweile 15 ATP-Titel gewann er auf dem grünen Belag. Immerhin zwei Mal stand der Weltranglisten-6. in einem Rasen-Finale, beide Male in Halle (2016, 2017).
Helfen könnte nun jedoch die Auslosung: "In der unteren Hälfte wird es Chancen geben. Für mich, für Daniil Medvedev, für Matteo Berrettini. Roger Federer ist auch unten, was sehr interessant ist." Nun müsse man "schauen, wer da durchkommt".

Alexander Zverev in Wimbledon 2021

Fotocredit: Getty Images

Zverev mit großen Zielen zu den Grand Slams

Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei den Majorturineren ist Zverev mittlerweile Dauergast in der zweiten Woche, bei den letztjährigen US Open erreichte Zverev sein erstes Grand-Slam-Finale, verlor nach 2:0-Satzführung aber noch gegen Dominic Thiem.
Dennoch hat ihm diese Erfahrung ein neues Selbstverständnis gegeben: das Selbstbewusstsein ist groß, der 24-Jährige weiß, dass er zu den Besten gehört: "Ich bin in einer Position, in der ich nicht mit einem Viertel- oder Halbfinale zufrieden bin." Wenn er bei einem Turnier antrete, dann um es zu gewinnen, betonte Zverev in Wimbledon.
Sollte der 24-Jährige ins Achtelfinale einziehen, würden dort Félix Auger-Aliassime oder Nick Kyrgios warten, spätestens im Viertelfinale käme dann mit Berrettini der erste Top-Ten-Spieler auf den Deutschen zu. Dann könnte Zverev seine miserable Statistik (0:10) gegen Top-Spieler bei Grand Slams zumindest leicht verbessern. Im Halbfinale könnte es zum Dulle mit Federer oder Medvedev kommen, erst im Finale ist ein Aufeinandertreffen mit Djokovic möglich.
Egal wie die Gegner letztlich heißen werden, eines ist Deutschlands bestem Tennis-Profi klar: "Ich muss mein Level anheben, wenn ich meine Ziele erreichen will."
Und diese Ziele sind mittlerweile einfach formuliert: Grand-Slam-Siege.
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