Wimbledon spaltet die Tenniswelt: Russen-Ausschluss "verrückt" oder noch zu wenig?

Der Ausschluss russischer und belarussischer Profis von Wimbledon sorgt für große Diskussionen. Auch bei Novak Djokovic (34) stößt der Schritt auf Ablehnung. "Ich halte das für verrückt", sagte Serbiens Tennis-Superstar zur umstrittenen Entscheidung aus Wimbledon, sämtliche russische und belarussische Profis als Folge der Gräuel in der Ukraine zu unerwünschten Personen zu erklären.

Dürfen in Wimbledon nicht teilnehmen: Die beiden Russen Daniil Medvedev und Andrey Rublev

Fotocredit: Getty Images

Dass Djokovic dies in kundtat, verlieh den Worten des Weltranglistenersten besonderen Nachdruck.
"Ich werde immer gegen Krieg sein, ich selbst bin ein Kind des Krieges. Ich weiß, welches emotionale Trauma das auslösen kann, weiß, was hier 1999 geschehen ist", sagte der 34-Jährige nach seinem Auftaktsieg beim Turnier in Belgrad: "Unter dem Krieg, und wir hatten viele Kriege hier auf dem Balkan, leiden immer die einfachen Menschen. Und von daher kann ich die die Entscheidung aus Wimbledon nicht unterstützen."
Die Macher des wichtigsten Tennisturniers der Welt hatten am Mittwoch verkündet, dass keine Spieler und Spielerinnen aus den geächteten Ländern ab dem 27. Juni an der Church Road antreten dürfen.
Diese Maßnahme des einzigen von einer Privatorganisation veranstalteten Grand-Slam-Turniers (für die anderen drei sind die nationalen Verbände verantwortlich) geht deutlich über den Kurs der Spielergewerkschaften ATP und WTA hinaus - bei deren Turnieren sind betreffende Profis unter neutraler Flagge zugelassen.
Die Gewerkschaften kritisierten die Maßnahme deutlich: Natürlich sei das Kriegsgebaren der Russen "aufs Schärfste" zu verurteilen. Gleichwohl sei ein pauschaler Ausschluss von Sportlern aus einem Land "diskriminierend" (ATP) und "zutiefst enttäuschend" (WTA).

Djokovic über Ukraine-Krieg: "Nicht Fehler der Spieler"

Das sieht auch Djokovic so, gleichwohl er von der Entscheidung aus London profitieren würde: Der Russe Daniil Medwedew, der große Rivale im Kampf um Weltranglistenplatz eins, wäre vom Bann betroffen. Dies allerdings würde den streitbaren, gleichwohl mit fanatischem Fairness-Sinn ausgestatteten "Djoker" kaum freuen. Dieser Krieg sei schließlich "nicht der Fehler der Spieler".
Die Frage hat das Potenzial, nach der politischen auch die sportliche Welt zu spalten: Sollen einzelne Sportler, auch selbst wenn sie sich zumindest neutral gegenüber ihrem Heimatland verhalten, für dessen Gebaren mithaftbar gemacht werden?
Die siebenmalige Wimbledonsiegerin Martina Navratilova sagte im Interview beim Londoner Radiosender "LBC", an dessen Ende die 65-jährige gebürtige Tschechien in Tränen ausbrach:

Switolina und Kostjuk begrüßen Wimbledon-Entscheidung

Rückhalt fand die englische Entscheidung hingegen in der Ukraine. In einem gemeinsamen Statement riefen die Topspielerinnen Elina Switolina und Marta Kostjuk sowie Ex-Profi Sergej Stachowski, der zwecks Heimatverteidigung selbst zur Waffe gegriffen hat, zur Nachahmung auf. Sie schrieben:
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(SID)
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Russen und Russinnen ausgeschlossen - Siegemund zwiegespalten

Quelle: Eurosport

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