Carlos Alcaraz backt kleine Brötchen und delegiert die Favoritenrolle an Novak Djokovic und Nick Kyrgios

Carlos Alcaraz hat sich mit 20 Jahren in der Weltspitze etabliert und sowohl auf Hartplatz als auch auf Sand Weltklasseleistungen gezeigt. Auf Rasen aber ist der Spanier ein Novize, nicht einmal zehn Matches bestritt er in seiner Karriere auf dem grünen Belag. Alcaraz geht als Wundertüte in die Rasensaison, zu den Favoriten gehört er nicht in Wimbledon. Ihn abzuschreiben, wäre dennoch ein Fehler.

Alcaraz dreht kompliziertes Match gegen Rinderknech - Highlights

Quelle: Perform

Carlos Alcaraz mag die Nummer eins der Welt gewesen sein und die US Open gewonnen haben, der grüne Belag aber ist noch immer ein Abenteuer für den 20-Jährigen.
"Außer Wimbledon habe ich noch nie ein Rasenturnier gespielt", erläutert Alcaraz beim ATP-Wettbewerb im Londoner Queen's Club. Die Veranstaltung ist nach den beiden Wimbledon-Auftritten von 2021 und 2022 erst das dritte Rasenevent auf Tour-Niveau für den hochtalentierten Spanier.
Entsprechend zäh lief es beim Auftakt. Alcaraz machte in seinem siebten Rasenmatch überhaupt einen Satzrückstand wett und rang Arthur Rinderknech 4:6, 7:5, 7:6 (7:3) nieder. Mehr als zweieinhalb Stunden dauerte die Partie.
Es sei "wirklich schwierig" gewesen, sein Spiel an die Besonderheiten des Belags anzupassen. "Es ist hart für mich", so Alcaraz. Tennis auf Rasen ist in der Regel schneller, die Ballwechsel sind kürzer, der Aufschlag hat mehr Gewicht. Faktoren, die dem Weltranglistenzweiten nicht entgegenkommen und zu Anlaufschwierigkeiten führen.

Alcaraz: "Konnte zuhause kein Rasentennis spielen"

Dennoch fühlt sich Alcaraz pudelwohl auf dem Londoner Grün. "Ich wollte das Turnier unbedingt spielen. Ich habe es im Fernsehen gesehen und immer gedacht, dass dies ein wunderschöner Ort zum Spielen und Leben ist." Er genieße "jede einzelne Sekunde" auf dem Court, in der kniffligen Partie gegen Rinderknech habe er "eine gute Leistung" gezeigt.
"Ich konnte zuhause kein Rasentennis spielen, aber ich habe die Bewegungen trainiert", erklärt Alcaraz. Er sei extra ein paar Tage vor Turnierbeginn nach England gekommen, um sich vorzubereiten. "Das hat sich gut angefühlt."
Die demütige, aber absolut positive Herangehensweise ist typisch für Alcaraz, der auf Rasen (noch) wenig zu verlieren hat. Das Achtelfinale am Donnerstag gegen Jiri Lehecka (Livescoring bei Eurosport.de) ist das achte Karrierematch auf Gras für den Rasen-Azubi aus dem Südosten Spaniens.

Alcaraz sieht Djokovic in der Pole Position

Das Hauptziel im Queen's Club besteht darin, Praxis zu sammeln für den Klassiker von Wimbledon, der am 3. Juli beginnt.
Turniersiege schließt Alcaraz indes nicht aus. "Ich habe immer gesagt, dass ich der Meinung bin, jeden Wettbewerb gewinnen zu können, den ich spiele. Auf Rasen ist das ein wenig komplizierter für mich, weil ich nicht die Erfahrung habe und in den Spielen, die ich absolviert habe, ein wenig Mühe hatte."
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Novak Djokovic (li.) und Nick Kyrgios (re.) nach dem Finale in Wimbledon

Fotocredit: Getty Images

Topfavorit im Hinblick auf Wimbledon sei eindeutig Novak Djokovic. "Er ist zusammen mit Roger Federer einer der Größten, die wir je auf diesem Belag gesehen haben." Als schärfsten Rivalen des Rekord-Grand-Slam-Champions hat Alcaraz nicht sich selbst auf dem Zettel, sondern Nick Kyrgios, auch wenn der Australier nach seiner Knieverletzung noch nicht komplett fit ist und das derzeit laufende Turnier von Halle absagen musste.

Djokovic-Herausforderer? Alcaraz setzt auf Kyrgios

"Nick hat in Wimbledon bereits einmal ein Finale gespielt und ist sehr stark auf Rasen. Er hat bessere Chancen als alle anderen, Djokovic zu schlagen. Ich sage nicht, dass ich nicht dazu in der Lage bin, aber die Aussichten sind nicht so gut wie auf anderen Belägen", unterstreicht Alcaraz und backt damit - zumindest öffentlich - kleinere Brötchen als sonst.
Ein klein wenig Understatement und Cleverness steckt mit Sicherheit in diesen Aussagen, dennoch ist der amtierende US-Open-Sieger noch ein Lernender auf dem (heiligen) Rasen. Berührungsängste aber hat Alcaraz nicht, schließlich sucht der 20-Jährige auch in seiner Freizeit häufig das Grün auf - dann allerdings mit einem Golfschläger in der Hand.
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Quelle: Eurosport

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