Wimbledon: Zverevs großes Ziel bleibt greifbar - warum sich die Final-Niederlage gegen Sinner wie ein Sieg anfühlt

Alexander Zverev hat seinen zweiten Grand-Slam-Sieg verpasst. Der Deutsche unterlag im Finale dem Weltranglistenersten Jannik Sinner in vier Sätzen und wartet weiterhin auf seinen ersten Titel auf Rasen. Dennoch kann der 29-Jährige nach zwei erfolgreichen Wochen in London auf überragende zwei Monate zurückblicken - und ein großes Karriere-Ziel scheint inzwischen irgendwie greifbar.

Highlights: Sinner vereitelt Zverevs Grand-Slam-Doppelschlag

Quelle: SNTV

Alexander Zverev konnte kurz nach seiner 7:6 (9:7), 6:7 (2:7), 3:6, 4:6-Niederlage schon wieder scherzen.
"Jannik, ich mag dich irgendwie nicht mehr, ich habe jetzt neunmal gegen dich verloren", sagte der Deutsche bei der Siegerehrung an seinen scheinbar unbezwingbaren Kontrahenten gewandt.
Dass sich Zverev dabei auch noch in der Anzahl der Niederlagen täuschte - inzwischen sind es schließlich zehn Pleiten in Folge gegen den Italiener - geschenkt. Die schiere Zahl wirkt, als liegen weiterhin Welten zwischen dem 29-Jährigen und dem fünf Jahre jüngeren Weltranglistenersten.
Dabei hat der French-Open-Sieger, der in Wimbledon zuvor nie über das Achtelfinale hinaus gekommen war, bewiesen, dass der Abstand zum Branchenbesten längst nicht mehr so groß ist.

Zverev nach Wimbledon wieder Weltranglistenzweiter

Am Montag nach Wimbledon wird Zverev in der Weltrangliste wieder als Nummer zwei geführt werden. Dazu trägt in gewisser Weise auch die Verletzung des Spaniers Carlos Alcaraz bei, der gemeinsam mit Sinner die Grand Slams in den vergangenen zwei Jahren dominiert hatte.
Der Australian-Open-Sieger verpasste die French Open, die er 2025 gewann, genauso wie Wimbledon, wo er im vergangenen Jahr im Finale gegen ebenjenen Sinner verlor.
Zverev nutzte die Gunst der Stunde und gewann in Paris endlich seinen lang ersehnten Premieren-Grand-Slam. Die Lockerheit, die ihm nach der Erfüllung dieses Lebenstraums anzusehen war, trug ihn nur wenige Wochen später nun auch beim altehrwürdigen Rasenklassiker an der Church Road bis ins Finale.

Zverev schließt seinen Frieden mit Rasen

"Es ist schön, dass er jetzt seine Freude am Rasen gefunden hat. Dass er gemerkt hat, dass man auch auf Rasen Tennis spielen kann", sagte der letzte deutsche Wimbledon-Sieger Michael Stich am Mikrofon von "Prime Video" nach dem Endspiel über seinen Landsmann.
Der Zverev, der im vergangenen Jahr noch in der ersten Runde gegen Arthur Rinderknech sang- und klanglos ausgeschieden war und anschließend mentale Probleme öffentlich gemacht hatte, hat in den vergangenen zwei Wochen eine Art "Redemption Arc" - also einen Wiedergutmachungsbogen - durchlebt.
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Alexander Zverev mit seiner Trophäe nach dem verlorenen Wimbledon-Finale

Fotocredit: Getty Images

Mit seiner deutlich aggressiveren Spielweise sowie mitunter dem besten Aufschlag im gesamten Männer-Turnier hat der 29-Jährige nicht nur sein Auftreten auf dem Platz weiterentwickelt. Auch als Person wirkt Zverev gereift.
Nervenstark gewann er Satz eins gegen Sinner im Tiebreak. Es bleibt natürlich Spekulation - aber wer weiß, was passiert wäre, wenn er auch den zweiten Satz im Tiebreak gewonnen hätte. Der Unterschied zum "Besten der Welt", wie Zverev den Südtiroler bei der Siegerehrung selbst nannte, ist nicht mehr so groß wie er mal war.

Sinner lobt Zverev: "Muss jetzt vorsichtig sein"

Im Gegenteil. Auch der 24-Jährige, der an der Church Road nun seinen zweiten Titel gewann, lobte sein Gegenüber in den höchsten Tönen.
"Wenn du so weiterspielt, bin ich mir sicher, dass du bald auch die Wimbledon-Trophäe hochhalten darfst", sagte Sinner an Zverev gerichtet. "Und ich weiß, dass eins deiner größten Ziele die Nummer eins ist - du bist so nahe dran, ich muss jetzt vorsichtig sein."
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Großer Respekt zwischen zwei Kontrahenten: Alexander Zverev (L) und Jannik Sinner (R) nach dem Wimbledon-Finale

Fotocredit: Getty Images

Nach dem Gewinn seines Grand Slams ist die Nummer eins der Weltrangliste tatsächlich das große verbliebene Ziel des besten deutschen Tennisspielers des vergangenen Jahrzehnts. Ganze 4970 Punkte fehlen ihm allerdings noch bis zum Platz an der Sonne.
Auch deshalb musste der Hamburger bei der Aussage von Sinner etwas schmunzeln. "Nah dran" ist in diesem Fall wohl eher eine nett gemeinte Floskel gewesen.

Zverev über Wimbledon-Titel: "Glaube zum ersten Mal dran"

Und dennoch: Zverev glaubt an sich. Das machte er nach dem Finale nochmal deutlich.
"Wir hatten zwei richtig gute Monate, würde ich sagen", wandte er sich an sein Team. "Als wir nach Wimbledon gekommen sind, hatte ich hier noch nie das Viertelfinale erreicht. Jetzt haben wir unser erstes Wimbledon-Finale gespielt und mit 29 Jahren glaube ich zum ersten Mal wirklich daran, dass ich diese Trophäe gewinnen kann."
Es hat sich viel verändert in den vergangenen zwei Monaten. Die beste Version von Alexander Zverev könnte womöglich erst noch kommen.
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Highlights: Zverev beendet "Fery-Tale" - Djokovic schlägt Sinner

Quelle: Eurosport


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