Andrea Petkovic im exklusiven Eurosport-Interview über deutsche Talente im Damen-Tennis: "Dann haben wir gar keine mehr"

Andrea Petkovic hat in Berlin ihre neue Rolle als "Director of Excitement" beim WTA-Turnier in der deutschen Hauptstadt im kommenden Sommer vorgestellt. Im exklusiven Eurosport-Interview spricht die ehemalige Top-10-Spielerin zudem über die Probleme im deutschen Tennis-Nachwuchs, die Besonderheiten des Spitzensports und das besondere Rätsel, das Deutschlands Nummer eins, Alexander Zverev, umgibt.

Zverev veralbert Petkovic: "Ich denke, du hast zu viel gefeiert"

Quelle: Eurosport

Andrea Petkovic hat etwas zu sagen. Wenn die ehemalige Nummer neun der Welt einen Raum betritt, hören ihr die Menschen zu.
Mit ihrer lockeren und eloquenten Art begeistert die gebürtige Darmstädterin auch Nicht-Tennis-Nerds von ihrem Sport. Kein Wunder also, dass Petkovic bei den Berlin Tennis Open (14.-22. Juni live auf Eurosport und discovery+) für Aufregung sorgen soll.
Bei dem hochkarätig besetzten WTA-500er-Turnier fungiert die 37-Jährige künftig als "Director of Excitement", eine eigens für sie geschaffene Position ähnlich der einer Markenbotschafterin.
Im exklusiven Interview mit Eurosport.de sprach Petkovic über ihre neue Rolle in Berlin, das deutsche Damen-Tennis und Alexander Zverev.
Frau Petkovic, Sie haben Ihre Karriere vor zweieinhalb Jahren beendet. Jetzt sind Sie Buchautorin, Podcasterin und eben auch "Director of Excitement" bei den Berlin Tennis Open im Juni. Welche Karriere ist aufregender, also "exciting" - die als Tennis-Profi oder die danach?
Petkovic: Aufregender war schon die Profi-Karriere, allein wegen der unglaublichen Höhen und Tiefen, die man durchlebt. Vor allem die Tiefen sind "exciting", aber eben auf eine andere Art und Weise. Was mir jetzt deutlich besser gefällt als zu meiner aktiven Zeit: Ich habe sehr viel mehr Gestaltungsspielraum. Ich kann ganz unterschiedliche Aufgaben annehmen, anders als noch als Tennisspielerin. Während der aktiven Zeit liegt der gesamte Fokus auf dem Sport, da will man die bestmögliche Version seiner selbst sein. Jetzt kann ich mich in anderen Dingen ausprobieren.
Die Menschen haben sich unheimlich zu ihr hingezogen gefühlt, sie hat Charisma auf und neben dem Platz, ein tolles Lachen, freut sich über gelungene Schläge. Wenn sie das auch hier auf den Court bringen kann, dann wird sie etwas Ähnliches auslösen können beim deutschen Publikum.
Sie sagten, Sie lieben Berlin, es sei Ihre Lieblingsstadt in Deutschland. Was verbinden Sie, auch im Hinblick auf Tennis, mit der Stadt?
Petkovic: Ich habe nie für Berlin Bundesliga gespielt. Aber als ich 16 war, gingen meine ersten Reisen in der Liga dorthin. Ich erinnere mich daran, wie ich im Klub LTTC Rot-Weiß Berlin spielen durfte - oder musste. Manchmal spürt man bestimmte Energien, wenn man in eine Stadt kommt. Genauso geht es mir, wenn ich in New York bin, wo ich heute wohne. Berlin und New York sind sehr ähnlich: Ich hatte sofort das Gefühl, das passt. Es ist eine Stadt, in die ich immer gerne zurückkomme. Hier gibt es zudem noch diese traditionellen Tennis-Vereine, die seit dem 19. Jahrhundert existieren und die Tradition aufrechterhalten. Das mag man altmodisch finden, aber genau das ist das Fundament, auf dem der Sport aufgebaut ist. Das heißt nicht, dass man ihn nicht modernisieren kann, aber er hat starke Wurzeln und das gerade in Berlin. Hier gibt es diese Vereine, die schon lange existierten, bevor es uns überhaupt gab. Man spürt diese lange Tradition, das erinnert mich ein wenig an Wimbledon, auch wenn ich da nie gut gespielt habe (lacht).
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Beim WTA-Turnier in Berlin schlagen im Juni die besten Spielerinnen der Welt auf

Fotocredit: Getty Images

Eva Lys wird in Berlin aufschlagen. Die 23-Jährige hat bei den Australian Open als "Lucky Loserin" einen bemerkenswerten Run hingelegt, erst im Achtelfinale gegen Iga Swiatek verloren. Worauf kommt es Ihrer Meinung nach jetzt an, um diesen Erfolg nachhaltig zu festigen und auch in der Weltrangliste weiterzuklettern?
Petkovic: Für Eva Lys kommt es besonders darauf an, diese Freude, die sie in Australien versprüht hat, mitzunehmen. Man konnte es ihr ansehen, wie überwältigt sie von dieser zweiten Chance war und nichts anderes als Begeisterung verspürt hat, wenn sie auf dem Platz stand. Das ist eben die Herausforderung als Tennisprofi: Man macht das jeden Tag und manchmal vergisst man, warum man überhaupt angefangen hat Tennis zu spielen - nämlich, weil es einem Spaß gemacht hat.
Wenn sie es schafft, dieses Gefühl mitzunehmen in die Saison, die Euphorie, das erste Mal in den Top 100 zu stehen und so gut gespielt zu haben, dann könnte das schon reichen, um ein super Jahr zu haben. Ich habe in Australien live erlebt, wie Lys auf das Publikum wirkt. Die Menschen haben sich unheimlich zu ihr hingezogen gefühlt, sie hat Charisma auf und neben dem Platz, ein tolles Lachen, freut sich über gelungene Schläge. Wenn sie das auch hier auf den Court bringen kann, dann wird sie etwas Ähnliches auslösen können beim deutschen Publikum.
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Lucky Lys - ein Märchen in Melbourne begeistert die Fans

Quelle: Eurosport

Angelique Kerber hat zuletzt im Interview mit Eurosport gesagt, der letzten Generation fehle es an Biss, an der Bereitschaft, im Training vielleicht noch eine Einheit ran zu hängen. Wie sehen Sie das?
Petkovic: Angie hat recht, wenn sie sagt, dass es weniger junge Menschen gibt, die diesen Willen haben, über die Schmerzgrenze hinauszugehen. In unserer Generation waren das vielleicht zehn bis fünfzehn und Angelique Kerber hat sich durchgesetzt, weil sie die Beste von uns allen war.
Es gibt immer wenige Talente und was ist, wenn sich jemand verletzt, oder krank wird, oder anfängt zu studieren? Dann haben wir gar keine mehr. Das hat leider nicht nur etwas mit Tennis zu tun, sondern generell mit Spitzensport.
Wo sehen Sie das deutsche Damen-Tennis aktuell?
Petkovic: Die paar Talente, die wir haben, die haben diesen Biss noch. Aber er muss rausgekitzelt werden. Es ist unheimlich schwer geworden, weil sich der Tennissport so professionalisiert hat. Früher hatten wir mit den top Bedingungen in Deutschland einen großen Vorteil, wir hatten tolle Tennis-Vereine und gute Plätze. Aber das hat sich inzwischen relativiert, andere Länder haben nachgezogen. Wenn man erfolgreich Tennis spielt, kann man schnell viel Geld verdienen und damit ist die Breite natürlich stärker geworden. Es ist nicht mehr so einfach, sich durchzusetzen. Daher sehe ich definitiv den Punkt von Angelique Kerber. Es gibt immer wenige Talente und was ist, wenn sich jemand verletzt oder krank wird oder anfängt zu studieren? Dann haben wir gar keine mehr. Das hat leider nicht nur etwas mit Tennis zu tun, sondern generell mit Spitzensport.
Meinen Sie, es ist schwieriger geworden, im Spitzensport noch etwas zu erreichen?
Petkovic: In Deutschland gibt es sehr viele Möglichkeiten, eine erfolgreiche Karriere hinzulegen. Egal, ob in der Bank oder auf dem Tennisplatz. Es gibt heutzutage viel mehr Auswahl als noch vor 70 Jahren beispielsweise. Da musste man sich auf eine Sache konzentrieren. Um im Spitzensport erfolgreich zu sein, braucht es allerdings diesen einzigartigen Fokus.
Hat er diesen letztendlichen Glauben, dass er ein Grand-Slam-Turnier gewinnen kann? Das weiß ich nicht, das kann nur er selbst beantworten. Ich bin mir allerdings gar nicht sicher, ob man daran arbeiten kann, oder ob das etwas ist, womit man geboren wird.
Alexander Zverev hat das Finale der Australian Open gegen Jannik Sinner verloren. Boris Becker legte ihm anschließend nahe, mit einem Mentaltrainer zu arbeiten. Denken Sie, das würde die letzten zwei, drei Prozent noch aus ihm herausholen, um den ersehnten Grand-Slam-Titel zu gewinnen?
Petkovic: Man muss meiner Meinung nach einen großen Unterschied machen zwischen mentaler Stärke und hundertprozentigem Glauben. Ist Alexander Zverev mental stark? Ja! Er ist die Nummer zwei der Welt. Er ist nicht nur mental stark, sondern einer der mental stärksten Spieler weltweit. Hat er diesen letztendlichen Glauben, dass er ein Grand-Slam-Turnier gewinnen kann? Das weiß ich nicht, das kann nur er selbst beantworten. Ich bin mir allerdings gar nicht sicher, ob man daran arbeiten kann, oder ob das etwas ist, womit man geboren wird. Boris hat mit 17 Jahren Wimbledon gewonnen, daran hat er nicht gearbeitet, er hat einfach an sich geglaubt.
Was Boris aber meint, ist, dass Sascha noch mehr Möglichkeiten ausschöpfen könnte. Vielleicht mit einem Trainer an seiner Seite, der Grand Slams gewonnen hat. Dann könnte er von dessen Erfahrung profitieren. Dieses Enigma, dass Alexander Zverev nicht mental stark sei, das mag ich nicht unterstützen. Sonst wäre er nicht die Nummer zwei der Welt. Da gibt es einen großen Unterschied. Ich möchte betonen, dass er das Zeug dazu hat, ein Major zu gewinnen. Da bin ich eine riesige Optimistin.
Wenn wir über Trainer im Spitzentennis sprechen: Woran liegt es, dass es so wenige Trainerinnen gibt, auch auf der WTA-Tour?
Petkovic: Die einfachste Erklärung ist die Familie. Wenn eine Frau ein Kind kriegt, bleibt sie meistens eine gewisse Zeit zu Hause. Männliche Trainer hingegen sind häufig bei einem Turnier, wenn ihre Frau ein Kind bekommt. Viele Spielerinnen, die ihre Karriere beenden und sogenannte "Super Coaches" sein könnten, wollen zudem erst einmal Abstand gewinnen, etwas anderes im Leben machen. Vielleicht auch eine eigene Familie gründen.
Auf der anderen Seite kommt da langsam Bewegung rein. Tennis ist und bleibt eine Traditionssportart, man macht die Dinge oft auf eine bestimmte Art und Weise, weil es schon immer so war. Die Mühlen mahlen oftmals etwas langsamer, bevor sich das Mindset ändert, aber jetzt geht es endlich los. Wir haben Conchita Martínez, die mit Mirra Andreeva eine tolle Arbeit macht. Wir haben Sandra Zaniewska, die Marta Kostyuk in die Top 20 gebracht hat. Es kommen immer mehr tolle Trainerinnen auf die Tour. Aber wir sind im Tennis eben manchmal ein bisschen langsamer.
Warum sind Sie nicht Trainerin geworden?
Petkovic: Ich wollte eigentlich ein bisschen weniger reisen und mehr zu Hause sein, als ich aufgehört habe. Ich wollte auch mal etwas machen, das nicht immer von Sieg und Niederlage abhängt, sondern etwas, wo man einfach mal besser werden kann. Aber ich sage nicht nein, ich bin ja auch als Mentorin im Deutschen Tennis Bund unterwegs, das macht mir riesigen Spaß. Deshalb sage ich auch nicht, dass ich das niemals machen will. Aber momentan eher nicht.
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Zheng verrät im Interview mit Petkovic ihre Lieblingssongs

Quelle: Eurosport


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