WTA Madrid: Marta Kostyuk löst ihr großes Versprechen ein - ukrainischer Star plötzlich Favoritin für French Open

Marta Kostyuk hat sich beim WTA-1000-Turnier von Madrid von einem Fluch befreit: Mit ihrem Finalsieg über Mirra Andreeva (6:3, 7:5) löste die 23-jährige Ukrainerin ein acht Jahre altes Versprechen, das sie einst mit einem historischen Erfolgslauf bei den Australian Open in die Welt gesetzt hatte. In der spanischen Hauptstadt ist der Knoten nun geplatzt - und plötztlich träumt Kostyuk ganz groß.

Marta Kostyuk hat das WTA-1000-Turnier in Madrid gewonnen

Fotocredit: Getty Images

Die jüngsten Wochen fühlten sich für Marta Kostyuk wie eine Reise von einem Superlativ zum nächsten an.
Ungeschlagen auf Sand, erster großer Titel ihrer Karriere und höchste Platzierung in der Weltrangliste in ihrer Laufbahn - wie schmeckt ein solcher Erfolgslauf eigentlich? "Wie Champagner", scherzte die Ukrainerin auf der Pressekonferenz in Madrid, nachdem sie im Finale die Russin Mirra Andreeva geschlagen hatte (6:3, 7:5). "Zumindest war Champagner das erste, was ich geschmeckt habe."
Mit ihrem dritten Einzeltitel auf der WTA Tour sandte die neue Nummer 15 der Welt ein Warnsignal die Konkurrenz, bei den French Open (18. Mai bis 7. Juni live im Stream bei HBO Max) zählt die 23-Jährigen nun zu den Mitfavoritinnen.
Völlig überraschend ist ihr Aufstieg jedoch nicht, vielmehr war er ein großes Versprechen, welches nach acht Jahren endlich eingelöst wurde.

Kostyuk befreit sich von jahrelangem Fluch

Im Januar 2018 erschien Kostyuk auf der Weltbühne. Dank einer Wildcard durfte sie an der Qualifikation für die Australian Open teilnehmen - und schaffte auf Anhieb das schier Unmögliche.
Im Alter von 15 Jahren gelang ihr als jüngster Spielerin seit Martina Hingis im Jahre 1994 der Sprung ins Hauptfeld. Dort drang sie bis in die 3. Runde vor, wo sie schließlich an Landsfrau Elina Svitolina scheiterte. Anschließend wartete die Tennis-Welt auf den Durchbruch des verheißungsvollen Shootingstars. Der Stein kam jedoch nie richtig ins Rollen.
Im März 2023 feierte sie zwar beim WTA-250-Turnier in Austin ihre Titelpremiere, ein Jahr später stieß sie bei den Australian Open (Viertelfinale) und beim 1000er-Event in Indian Wells (Halbfinale) so tief vor wie noch nie auf dieser Ebene. Es sollten aber keine nachhaltigen Erfolgserlebnisse sein.
picture

Marta Kostyuk genießt ihren Triumph in Madrid

Fotocredit: Getty Images

Der Grund? "Ich habe lange damit zurechtkommen müssen, dass alle große Ergebnisse von mir erwartet haben", gab Kostyuk in Madrid einen Einblick in ihre Gefühlswelt. "Es war fast wie ein Fluch. Jetzt habe ich mich von diesem Druck befreit."
Gewissermaßen habe es sich angekündigt, dass der Knoten endlich platzt. "Am Anfang dieses Jahres habe ich meinem Team gesagt, dass ich endlich das Gefühl habe, dass mir die Erfolge, die ich mit fünfzehn Jahren erreicht habe, nicht mehr auf den Schultern lasten", so Kostyuk, die vor Madrid auch das WTA-250-Turnier von Rouen gewonnen hatte.

Marta Kostyuk: Die Leiden zu Hause muss sie ausblenden

Auf der WTA Tour setzt der aufstrebende Star weit mehr als sportliche Akzente. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine verweigert Kostyuk russischen und belarussischen Gegnerinnen den Handschlag - so auch Andreeva, die sie auch in ihrer Rede nach dem Finalsieg am vergangenen Samstag bewusst außen vor ließ.
"Ich fühle mich wohl in dieser Rolle. Jetzt repräsentiere ich mein Land noch mehr als zuvor", meinte Kostyuk zu ihrem Vorgehen, das regelmäßig für Kritik sorgt. "Ich weiß, dass mir ein ganzes Land zuschaut, und wenn das so ist, geht man Dinge anders an."
picture

Marta Kostyuk repräsentiert auf der WTA Tour auch ihr Heimatland Ukraine

Fotocredit: Getty Images

Im vergangenen Januar unterlag sie im Finale von Brisbane der belarussischen Weltranglistenersten Aryna Sabalenka. Im Anschluss daran wurde sie noch deutlicher. "Ich lebe jeden Tag mit Schmerz im Herzen. Tausende Menschen haben im Moment weder Strom noch warmes Wasser - draußen sind es -20 Grad. Meine Schwester schläft wegen der Kälte unter drei Decken", erklärte sie.
Auf dem Platz schiebt sie derlei Gedanken - so schwer es auch sein mag - beiseite. "Das ist wichtig für mich. Ich muss da rausgehen und meinen Job erledigen", sagte sie. "In der Ukraine haben wir ein Sprichwort: 'Alles wird gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.' Danach lebe ich."
Ein eindrucksvoller Einblick in ihren Alltag schlug hohe Wellen. Zwar wohnt Kostyuk mittlerweile in Monaco, regelmäßig kehrt sie aber in ihre Heimatstadt Kiew zurück. Dort ließ sie sich - wie im unten folgenden Video zu sehen - selbst von den Luftschutzsirenen nicht vom Training abhalten.

Absage für Rom: French Open das große Ziel

In Madrid ist der Knoten geplatzt, wenige Tage später setzte es jedoch einen schmerzvollen Dämpfer.
"Nach der besten Phase meiner Karriere habe ich mich sehr auf Rom gefreut. Aber manchmal hat der Körper andere Pläne, und in den letzten Tagen hatte ich mit einem Hüftproblem zu kämpfen", teilte sie am Dienstag auf Instagram ihre Absage für das WTA-1000-Turnier in der italienischen Hauptstadt mit.
Darüber hinaus sei auch ihr Knöchel noch nicht wieder bei 100 Prozent, demnach "wäre es einfach nicht klug, jetzt weiter zu pushen - deshalb werde ich dieses Jahr dort nicht antreten."
Das große Ziel verliert sie deswegen nicht aus den Augen. "Jetzt ist es Zeit, zu regenerieren und mich auf Paris vorzubereiten", richtete sie ihren Blick bereits auf die French Open.
Das Achtelfinale 2021 war in Roland-Garros bislang das höchste der Gefühle. Fünf Jahre später geht sie als Favoritin ins Turnier - und darf nach einem langen Anlauf befreit aufspielen.
picture

Top 5: Djokovic und Sinner reißen die Hütte ab

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung