Olympia 2024: Steffen Fetzner im Exklusiv-Interview über die Chancen von Timo Boll und Co. und sein Finale 1992

Timo Boll wird in Paris seine siebten Olympischen Spiele bestreiten. Seine Nominierung für das DTTB-Team war jedoch umstritten. Im Exklusiv-Interview lotet Eurosport-Experte Steffen Fetzner nicht nur die deutschen Chancen im Tischtennis aus, sondern stärkt seinem Ex-Doppelpartner und jetzigen Bundestrainer, Jörg Roßkopf, auch den Rücken. Gemeinsam gewannen sie 1992 in Barcelona die Silbermedaille.

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Quelle: Eurosport

Eine Medaille sei definitiv drin, insbesondere im Mannschaftswettbewerb für Männer und Frauen, erklärt Fetzner im Interview mit Eurosport-Reporter Fabian Kunze.
Obwohl die Olympia-Generalprobe für Timo Boll nicht ideal verlaufen war, sieht der Experte den 43-Jährigen zurecht im Team-Wettbewerb an der Seite der Deutschen Nummer eins, Dang Qiu, und des Bronze-Gewinners von Tokio 2021, Dimitrij Ovtcharov.
Patrick Franziska hingegen ist als Ersatz in Paris dabei. "Die Nominierung ist in Ordnung", stellt Fetzner im Interview fest.
Nach der Nominierung für den Olympia-Kader herrschte Diskussionsbedarf - vor allem bei den Männern. Wie bewerten Sie die Entscheidung?
Steffen Fetzner: Da kann man viel hin- und herdiskutieren. Ich habe einen engen Kontakt zu Bundestrainer Jörg Roßkopf, mit dem ich mich auch ausgetauscht habe. Es war eine ganz schwierige Entscheidung. Ich glaube, am Ende hat den Ausschlag gegeben, dass Timo Boll bei den Gegnern international immer noch ein extrem hohes Standing hat. Die haben einen riesigen Respekt vor ihm. Und Timo kann auch für die Mannschaft sehr wertvoll sein.
Was bringt Timo Boll sportlich in die Mannschaft ein?
Fetzner: Gerade im Doppel hat man mit ihm als Linkshänder noch andere Kombinationsmöglichkeiten. Patrick Franziska hat sicherlich auch herausragende Ergebnisse gespielt, aber ihm fehlt so ein bisschen die Konstanz. Er kann auf einem absoluten Weltklasseniveau spielen, hat aber im Spiel dann auch schwächere Phasen. Das hat den Ausschlag gegeben und nicht ein Bonus von Timo.
Sie sind also einer Meinung mit Ihrem ehemaligen Doppelpartner Jörg Roßkopf?
Fetzner: In meinen Augen ist die Nominierung absolut in Ordnung. Man hätte auch noch über Dimitrij Ovtcharov sprechen können - diese Argumente kamen ja auch: Boll kann man nachvollziehen, aber Ovtcharov hat in den letzten Monaten vielleicht nicht so die Ergebnisse gebracht. Wir können noch so viel diskutieren, am Ende wird das Turnier zeigen, was richtig und was falsch war.
Für ein vorhergesagtes Finale zwischen Deutschland und China muss man schon sehr hart arbeiten, damit es wirklich dazu kommt.
Welche Chancen haben die DTTB-Akteure in Paris?
Fetzner: Beide Teams haben die Chance eine Medaille zu gewinnen. Dazu müssen sie aber an ihr Optimum gehen - da werden vielleicht auch hundert Prozent nicht reichen. Bei den Damen sind die Asiatinnen sehr dominant - da haben wir China, Japan oder auch Korea. In Europa braucht sich die deutsche Mannschaft vor keiner Nation zu verstecken. Bei den Herren ist die Situation etwas anders, da hat man mit Frankreich und Schweden und den Asiaten eine noch größere Konkurrenz. Für ein vorhergesagtes Finale zwischen Deutschland und China muss man schon sehr hart arbeiten, damit es wirklich dazu kommt.
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Olympia?
Fetzner: Das verlorene Doppel-Finale von 1992 in Barcelona hängt immer noch nach. Ich war eigentlich immer der Taktiker, aber Jörg war gerade in den kritischen Situationen der Taktgeber am Tisch und derjenige, der die Verantwortung übernommen hat. Im Finale lagen wir im ersten Satz 20:15 vorne, hatten Satzbälle und haben den Aufschlag immer kurz retourniert. Bei 20:17 habe ich gesagt, ich retourniere jetzt mal lang. Jörg meinte aber, ich soll ihn lieber kurz auf die Rückhand spielen. Das habe ich gemacht und wir haben uns den Punkt gefangen. Da hätte ich ein einziges Mal in unserer gemeinsamen Karriere nicht auf ihn hören sollen, dann hätten wir vielleicht die Goldmedaille gewonnen. Es war unsere bitterste Niederlage, aber wenn ich heute die Silbermedaille in der Hand halte, bin ich auch glücklich.
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Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner gewannen bei Olympia 1992 in Barcelona die Silbermedaille im Doppel.

Fotocredit: Getty Images

Worauf freuen Sie sich bei den Olympischen Spielen am meisten?
Fetzner: Ich freue mich auf die Atmosphäre. Das wird in Paris herausragend sein. Ich gucke auch sehr gerne alle anderen Sportarten, weil es einfach Spaß macht. Da werde ich sicherlich die eine oder andere Stunde mehr vor dem Fernseher verbringen, um mir die Entscheidungen anzugucken. Ich bekomme es noch intensiver mit, weil Paris quasi vor der eigenen Haustür ist, das sind mit dem Zug nur zwei Stunden. In der Sportschule in Saarbrücken bereiten sich viele internationale Sportlerinnen und Sportler auf Olympia vor. Es herrscht große Euphorie und Vorfreude - auch bei mir.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Fetzner.

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