Olympia 2024 - Tischtennis: Timo Boll beendet seine Karriere - Experte Steffen Fetzner ehrt die Legende im Interview
VonJan Zesewitz
Publiziert 07/08/2024 um 18:46 GMT+2 Uhr
Mit Timo Boll beendet eine weitere Legende des Sports seine internationale Karriere bei den Olympischen Spielen in Paris. Nach seiner Niederlage im Einzel des Mannschafts-Viertelfinals gegen Schweden erhob sich das Publikum in der Arena du Sud. Von den Ehrerbietungen war der Tischtennis-Superstar ergriffen. Auch Eurosport-Experte Steffen Fetzner erinnert sich an eine herausragende Karriere.
"Herausragender Sportler und Vorbild": Experte Fetzner ehrt Boll
Quelle: Eurosport
"Wir hatten unsere erste Begegnung am Tisch, es war die erste Runde bei der Deutschen Meisterschaft", erinnerte sich Fetzner. "Alle haben gesagt, ich solle auf diesen jungen Hessen aufpassen, der ist gefährlich. Ich habe glücklicherweise gewonnen, aber habe schon gemerkt, dass da etwas Großes heranwächst."
Wie "groß" die Karriere werden würde, konnte damals noch keiner ahnen. Olympia-Medaillen, Europameistertitel, Erfolge bei WM, World League und die Nummer eins der Weltrangliste. Boll geht als größter deutscher Tischtennisspieler aller Zeiten, als in China verehrter Star, aber auch als bescheidener Sportler, der immer auf dem Boden geblieben ist, in die Geschichte ein.
"Er ist nicht nur ein herausragender Sportler, sondern auch abseits des Tisches ein Vorbild", sagt Fetzner, der auch viele Jahre gemeinsam mit Boll gespielt hat. "Er war immer bescheiden und fair, auch gegenüber dem Gegner, hat immer Respekt gezeigt und akzeptiert, wenn jemand besser war. Sogar Fehlentscheidungen des Schiedsrichters hat er zu seinen Ungunsten korrigiert."
Auch diese Charaktereigenschaft dürfte zu seiner großen Popularität und seiner emotionalen Verabschiedung beigetragen haben: "Ich denke immer, ich hatte ein paar gute Jahre und habe mich immer nur anständig verhalten. Womit habe ich das verdient? Aber das ist auf jeden Fall schön zu spüren", sagte Boll im Eurosport-Interview mit Fabian Hambüchen.
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Große Emotionen: Boll von ganzer Halle nach Olympia-Aus gefeiert
Quelle: Eurosport
Sportliche Enttäuschung, aber "der Moment ist gekommen"
Sportlich hatte sich die deutsche Mannschaft mehr ausgerechnet als das Viertelfinale. Bei den vergangenen Spielen gab es immer eine Medaille, in Tokio war es Silber. Boll hat sich noch einmal ins Team gekämpft und war nicht weit weg von den Gegnern.
Aber zu weit, um noch einmal - wie früher - den Unterschied zu machen. Früher, als er mit seiner Übersicht, seinem Spielwitz und seinem Ballgefühl die Spitze der Tischtenniswelt erreichte. 2005 schlug er in Lüttich die gesamte chinesische Elite. "Staatsfeind Nummer eins der Chinesen", taufte ihn Fetzner damals. Obwohl das ja gar nicht stimmte: "Er war ein Freund der Chinesen und unheimlich populär, aber er hat ihnen auch viel Schrecken eingejagt", sagt der Experte.
"Gefühlt bin ich jetzt eigentlich körperlich zu gut drauf, um aufzuhören. Aber die Entscheidung fühlt sich schon richtig an", sagte Boll im Eurosport-Gespräch. "Ich hatte Angst vor dem Moment. Ich habe gedacht, es würde mir wesentlich schwerer fallen. Gestern hat es sich auch schwer angefühlt, weil man wusste, man verliert auch einen kleinen Teil der Familie - die Jungs, mit denen man Jahre, jahrzehntelang durch die Welt gereist ist. Da war ich schon sehr wehmütig."
Und was kommt als Nächstes? Boll selbst hat noch keine Idee und will "überall mal reinschnuppern". Doch Experte Fetzner ist schon einen Schritt weiter: "Er wird etwas Abstand gewinnen, die Zeit genießen, mehr Zeit für Familie und Freunde haben. Mit Dirk Nowitzki, der ja auch in der Halle war, hat er glaube ich schon etwas Gemeinsames vor. Und wenn er in vier Jahren bei den Olympischen Spielen meinen Platz als Eurosport-Experte einnehmen möchte, dann werde ich den auch räumen."
Gut möglich, dass wir Timo Boll in anderer Rolle wiedersehen werden.
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"Da hat es mich zerrissen": Boll dankbar für emotionalen Abschied
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