Verdirbt der FSV Mainz 05 dem FC Bayern erneut die Maß auf der Wiesn?

Mehr Mittelmaß als Mainz geht derzeit nicht in der Bundesliga. Von sechs Spielen haben die 05er drei gewonnen, drei verloren - und erkannt, dass der Spielstil von Trainer Martin Schmidt seine Kehrseiten hat. Sowohl gegen Aufsteiger als auch Champions-League-Teilnehmer. Jetzt wartet der Tabellenführer FC Bayern, in diesen Duellen hat Mainz selten schlecht ausgesehen. Wiederholt sich Geschichte?

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Nicht immer beschränken sich die Unterschiede zwischen dem FC Bayern und Mainz 05 auf Fußballplatz und Festgeldkonto. Manchmal sind es Nichtigkeiten, die zeigen, wie die Dinge einzuordnen sind.
Als Robert Lewandowski nach seinem Fünferpack gegen Wolfsburg zur Interviewrunde schritt, klemmte wie selbstverständlich der Ball unter seinem Arm, er wird ein Ausstellungsobjekt, und der stets dosierte Lewandowski lächelte stolz. Yunus Malli indes, dem Tage zuvor ein Hattrick gegen Hannover gelungen war, wusste gar nicht, dass er sich das Spielgerät durch herausragende Leistung verdient hatte. Schiedsrichter Daniel Siebert eilte zum Mainzer, den Ball im Gepäck, "dann habe ich ihn natürlich sehr gern genommen", erzählte der 23-Jährige.

Malli - ein bisschen wie Özil

Alle reden momentan über Lewandowski, auch Martin Schmidt, der Trainer der 05er. Das hat wenig mit Be- und Verwunderung zu tun, viel mit Respekt und noch mehr mit dem Programmheft: Mainz ist dort als nächster Kontrahent der Bayern eingetragen, am Samstag (ab 15:30 Uhr im Liveticker auf eurosport.de) gastieren die Münchner in der Coface Arena.
Schmidt adressiert seinen Trainerkollegen Pep Guardiola. "Ich hoffe, dass er rotiert", sagt der Schweizer, ehe er schmunzelt, ach, Lewandowski habe ja schon gegen Wolfsburg auf der Bank begonnen. Ende bekannt. Ein Sieg über die verlustpunktfreien Bayern wäre eine Sensation.
Wenn es etwas werden soll, muss Malli wohl ähnlich aufgeigen wie zuletzt. Seitdem er 2011 aus Mönchengladbach kam, erkennt jeder, dass der Ball sein Freund ist, allein: Disziplin und Defensivverhalten waren oft zu tadeln, dem Deutsch-Türken haftete der Vorwurf von Phlegma an, ein bisschen wie Mesut Özil. In dieser Saison aber, lobt Schmidt, habe sein Regisseur "einen großen Schritt nach vorne gemacht", gegen Hannover kulminierte diese Entwicklung vorläufig.

Die Tücken des Umschaltfußballs

Das 3:1 war einer von drei Mainzer Siegen, bei drei Niederlagen und neun Punkten ergibt das Rang neun - mehr Mittelmaß geht nicht. Die Leistungskurve verläuft wie der Kurs an der Börse, rauf und runter, der FSV gewann in Gladbach, als die Borussia noch keine Krise und den Trainer Favre hatte, er verlor jedoch daheim gegen Ingolstadt (0:1), bei Schalke (1:2) und Leverkusen (0:1).
Das Mainzer Problem wurde gegen Aufsteiger (Ingolstadt) wie Champions-League-Teilnehmer (Leverkusen) überdeutlich: Stark pressende Mannschaften, die Schmidts Team die Freiheit rauben, das eigene Ideal umzusetzen. Der 48-Jährige hat einen mitunter infantilen Umschaltfußball etabliert, "Balleroberung und dann den ersten Ball rüber" nennt er diesen Stil der Vorwärtsverteidigung.

DTM-Mechaniker, Extrem-Skifahrer, Unternehmer

Nachdem Vorgänger Kasper Hjulmand an bedächtigen Ballbesitzphasen gescheitert war, steht Schmidt für Need for Speed. Das Vollgas-Prinzip passt zu ihm, er hat bisher ein äußerst bewegtes Leben geführt: DTM-Mechaniker, Bergführer, Extrem-Skifahrer, sieben Kreuzbandrisse, ein Halswirbelbruch und unternehmerisch tätig (mit seiner Schwester gründete er eine Bekleidungsfirma).
Was Fußball angeht, "würde ich lügen, wenn ich sagen würde, er hätte mich nicht angesteckt mit seinem Fieber“, meinte Schmidt bei seiner Mainzer Vorstellung im Februar 2015, und dieser "er" ist Thomas Tuchel. Allerdings hat Schmidt erkannt, dass sein Spiel "weitere Lösungen braucht, wir müssen uns breiter aufstellen. Sonst werden wir vom Gegner gelesen."
Variantenreichtum und Flexibilität sind Kernkompetenzen von Guardiola. In Mainz müssen sie mit beschränkteren Möglichkeiten hantieren, nicht nur bei der Verfügbarkeit von Spielbällen, und so hat Schmidt kürzlich Christoph Moritz zum "Sechser" umgeschult. Auch zwei reinrassige Spitzen sind denkbar, mit Florian Niederlechner und Jhon Cordoba etwa. Die kolumbianische Neuerwerbung debütierte in Leverkusen, davor schon regte Schmidt den Heißhunger an: "Wir werden bald sehen, warum wir ihn geholt haben. Lange kann ich ihn nicht mehr verstecken."

Als Mainz in die Wiesn-Maß spuckte

Gegen Branchenkrösus Bayern hat Mainz selten schlecht ausgesehen, gerade in Heimspielen. Im Vorjahr traf Arjen Robben erst in der in der Schlussminute zum Münchner Sieg, 2009 und 2011 schaffte der "Karnevalsverein" unter Trainer Tuchel zwei vielbeachtete Erfolge.
Und dann war da noch das fast historische 2:1 in der Allianz Arena, im Herbst 2010, was den Bayern die Wiesn-Maß gehörig verdarb. Fünf Jahre und fünf Lewandowski-Tore binnen neun Minuten später sind die Vorzeichen andere. "Er wird nicht jedes Mal fünf Tore schießen", sagt Martin Schmidt zwar. "Aber auch eines wäre zu viel."
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