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Kommentar zu Julian Draxler vom VfL Wolfsburg: Der Buhmann aus Kalkül
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Publiziert 03/08/2016 um 11:35 GMT+2 Uhr
Julian Draxler setzt dem VfL Wolfsburg die Pistole auf die Brust und drängt nach nur einem Jahr auf seinen Abgang. Dabei ist nicht der Wechselwunsch an sich verwerflich, sondern die Naivität im Umgang mit Verträgen und die Art und Weise, mit der der Nationalspieler seinen Abschied erwzingen will. Ein Kommentar von Carsten Arndt.
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Sollte Julian Draxlers zukünftiger Klub nach seiner kostspieligen Verpflichtung erwägen, gewisse Plakate aus Schalker Zeiten aus Kostengründen zu recyceln, hätte er möglicherweise sogar eine reelle Chance, diese nicht frühzeitig wieder einmotten zu müssen.
"Mit Stolz und Leidenschaft bis 2018"? Scheint beim kommenden Vertrag beinahe realistisch. Zumindest, wenn er nicht kurz nach der Eheschließung plötzlich eine noch schönere Tochter über die Schwelle tragen kann. So ein Ring ist ja schnell wieder abgestreift. Loyalität, Dankbarkeit, Treue? Schon Adenauer wusste: "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern".
Drei Jahre nachdem Draxlers Konterfei auf weißen Lastwagen stolz durch Gelsenkirchen bretterte, hat sich der Nationalspieler mit einem Krawall-Interview erneut ins Abseits geschossen.
Um es mit Trappatonis Worten zu sagen: Was erlaube Draxler?
Er unterschrieb im Herbst letzten Jahres beim VfL Wolfsburg einen Vertrag über fünf(!) Jahre mit der festen Überzeugung nach einem (durchwachsenen) Jahr schon wieder gehen zu dürfen?
"Ich will hier in den kommenden Jahren um Titel mitspielen", sagte Draxler bei seiner Vorstellung. Plural wohlgemerkt.
Ein Jahr später heult er sich öffentlich aus und zettelt eine Schlammschlacht mit seinem Klub an, indem er beklagt, man hätte ihm mündlich zugesichert, dass er "den Verein verlassen kann, wenn sich dazu Möglichkeiten ergeben."
Über die Bedeutung von Verträgen in der heutigen Zeit muss man sich keine Illusionen mehr machen. Dass die Serviette, mit der sich Barca damals die Dienste von Lionel Messi sicherte, mehr Wertigkeit hatte, musste jeder Fußballromantiker längst einsehen.
Aber mündliche Absprachen? In Zeiten von Klauseln für jede noch so erdenkliche Situation? Hat sich Draxlers sonst so umtriebiger Berater Roger Wittmann zum Zeitpunkt der Verhandlungen im Tiefschlaf befunden?
Dass Draxler das sinkende Wölfe-Schiff verlassen möchte und sich zu Höherem berufen fühlt, ist allein noch nicht verwerflich. Auch die Aussage, dass der VfL für ihn nur ein "Sprungbrett" darstelle, dürfte keinen überraschen.
Doch statt intern eine Lösung zu suchen, geht er nun - im Beisein seines Medienberaters - den schmutzigen Weg über die Öffentlichkeit. Nimmt seinem Klub die Entscheidungsfähigkeit. Setzt den Verantwortlichen die Pistole auf die Brust.
Man möge sich jetzt wünschen, dass der VfL hart bleibt. Doch das wird nicht passieren. Der Spieler sitzt mittlerweile am längeren Hebel. Schon jetzt ist klar, dass der Poker um die Ablöse begonnen hat. Juventus und Arsenal gelten als heißeste Kandidaten.
Draxler ist innerhalb der Mannschaft und im Umfeld des Klubs nicht mehr vermittelbar. Zum zweiten Mal in seiner Karriere hat der erst 22-Jährige jegliche Sympathien in Fußball-Deutschland verspielt.
Das Schlimme daran: Genau das war sein Ziel.
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