Thiagos Verletzung und die Folgen: Es schmerzt den FC Bayern bis ins Mark
Publiziert 07/01/2017 um 22:26 GMT+1 Uhr
Es war der Schatten auf dem fünften Tag im Trainingslager des FC Bayern in Doha. Thiago verletzte sich bei einem Duell mit Franck Ribéry schwer am Muskel im Oberschenkel. Der Verein gab keine genaue Diagnose bekannt. Vor Ort in Katar heißt es jedoch, der Spanier habe sich einen Faserriss zugezogen und fällt mehrere Wochen aus. Die Folgen wiegen schwer.
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Aus Doha berichtet Daniel Rathjen
Normalerweise gehen die Spieler des FC Bayern den kleinen Hügel zum Hotel zu Fuß hoch. Es ist der obligatorische letzte Kraftakt nach den intensiven Einheiten.
Thiago schaffte diesen Weg am Samstag nicht mehr. Der Muskel im hinteren rechten Oberschenkel des Spaniers, der in der Hinrunde einer der besten Münchner, wenn nicht sogar DER beste war, machte nicht mehr mit. Ein Golf-Cart chauffierte den 25-Jährigen zur Behandlung ins Teamhotel. Das Trainingslager in Doha ist für den Mittelfeld-Künstler gelaufen.
Ein Faserriss soll es sein, möglicherweise auch ein Bündelriss? Genaue Diagnosen werden von Vereinsseite seit geraumer Zeit nicht mehr offiziell verkündet. Wohl aus Gründen des Persönlichkeitsrechtes einerseits, um keinen Zeitdruck aufzubauen andererseits.
Müller wird mit Einsatzzeit profitieren
Zeit benötigt Thiago nun einige, um wieder fit zu werden. Bei einem Faserriss würde er voraussichtlich sechs Spiele verpassen, wahrscheinlich auch das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Arsenal. Der Ausfall trifft den FC Bayern bis ins Mark.
Thiago hat sich in der Hinrunde emanzipiert und sich so stark wie nie zuvor präsentiert. Bei 15 von 16 möglichen Spielen in der Bundesliga stand er 14 Mal in der Startelf, hinzu kamen drei Tore und drei Vorlagen. Doch seine Stärken sind nicht unbedingt direkte Assists oder eigene Treffer, sondern eher seine Fähigkeiten als Regisseur. "Es geht um Spaß, aber mit der richtigen Verantwortung auf dem Platz. Aber je glücklicher ich auf dem Platz bin, desto natürlicher fließen die Dinge", hatte er erklärt.
Thiago hatte den Taktstock und bestimmte das Tempo. Auf der Acht mit dem Spiel vor sich fand er oft die Lücke für den druckvollen Pass, zuletzt zauberte er auf der Zehn, während Thomas Müller auf der Bank hockte.
Müller wird mit Einsatzzeit von der Verletzung Thiagos am meisten profitieren. Im von den Spielern und wohl auch künftig von Coach Carlo Ancelotti bevorzugten 4-2-3-1-System ist er auf der Zehn nun erste Wahl.
Bedauerliche Verletzung von Thiago
Vor Thiagos Verletzung war der Konkurrenzkampf der beiden um die Rolle im vorderen zentralen Mittelfeld das heißeste Thema des Trainingslagers in Doha. Keine Presserunde - mit welchem Spieler auch immer - verging ohne Nachfrage dazu. "Ich kann mit beiden gut spielen", gab sich beispielsweise Robert Lewandowski zunächst diplomatisch, um dann anzufügen: "Vielleicht wäre es am besten, wenn Thiago auf der Zehn beginnt und später Müller kommt." Der Satz verdeutlicht, wie sehr Thiago in der Gunst seiner Kollegen gestiegen ist. Er war - anders als noch in Jahren zuvor - endlich zur Konstante geworden.
Das Mittelfeld ordnet sich nun etwas neu. Xabi Alonso und Arturo Vidal stehen jetzt ebenso in der Pflicht wie Joshua Kimmich. Möglicherweise wird auch der Senkrechtstarter jetzt wieder mehr Spielminuten auf sein Konto bekommen, nachdem er zum Jahresende 2016 zwei Mal nur auf der Bank saß.
Thiagos Ausfall wiegt auch deshalb schwer, weil er sich in Doha bis zu seiner Verletzung wieder top motiviert und in bester Form gezeigt hat. Technisch fein wie gewohnt und mit Dynamik im Spiel nach vorne gehörte er zu den auffälligsten Akteuren.
Umso bedauerlicher war der Moment, als er einsehen musste, dass er selbst den kleinen Hügel zum Hotel nicht selbst erklimmen konnte.
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