Franck Ribéry: Sein Ausfall als Chance für den FC Bayern
Eurosport bei GoogleFranck Ribéry fehlt dem FC Bayern München wohl bis 2018. So schlecht das auf den ersten Blick klingen mag, so bieten sich doch auch Chancen ohne den 34-Jährigen. Einen stinkigen Ribéry auf der Bank gibt es nun erst einmal nicht mehr; für Kingsley Coman, James Rodríguez und auch Thomas Müller bieten sich mehr Einsatzmöglichkeiten. Und braucht es nicht eh langsam eine Wachablösung im Team?
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Mit Jupp Heynckes als neuem Trainer hat Uli Hoeneß wieder Ruhe.
Ruhe vor dem Terz der letzten Wochen, Ruhe aber vorerst auch vor den eigenen Spielern, die sich zuletzt gehäuft über Ex-Coach Carlo Ancelotti beschwerten. Allen voran: Franck Ribéry.
Schon im Mai dieses Jahres ließ Hoeneß wissen, wie es ums Nervenkostüm des Franzosen unter Ancelotti bestellt ist:
Ribéry zum Zuschauen verdammt
Das ist jetzt erst einmal vorbei, weil Ribéry gar nicht mehr spielt. Verletzt am linken Knie, Außenbandriss. Ausfallzeit: zwei, wohl eher drei Monate. Comeback also wahrscheinlich erst im neuen Jahr zur Rückrunde.
"Es tut uns leid, dass Franck sich verletzt hat", sagte Karl-Heinz Rummenigge maximal nüchtern. "Wir alle wünschen ihm eine schnelle und gute Besserung."
Am Mittwoch humpelte Ribéry, dessen Verletzung konservativ behandelt wird, mit Gipsfuß und Krücken an der Säbener Straße herum.
Die in der Länderspielpause in München verbliebenen Kollegen klatschten ab, den Fans zeigte er den linken Daumen, dann war er wieder weg. Zum Zuschauen verdammt für die nächsten Wochen. Mag Ribéry überhaupt nicht.
Franzose nicht in Fahrt gekommen
Für den FC Bayern könnte sich die Verletzung des Publikumslieblings indes als gar nicht so schlecht herausstellen.
Rein sportlich ist Ribéry in dieser Saison nämlich nicht wirklich in Fahrt gekommen. Der Franzose gewann weniger Zweikämpfe (54 Prozent) als Arjen Robben und Kingsley Coman (beide 64 Prozent), nur 30 Prozent seiner Standards fanden den Mitspieler, Ribéry konnte sich kaum in Szene setzen.
Konsequenz: keine einzige Torbeteiligung in der Bundesliga. Fehlen wird den Bayern also nur sein Tempo, seine Unberechenbarkeit im Dribbling - Ribéry kann immer noch über 33 km/h schnell laufen, schneller als Robben, Thomas Müller oder James Rodríguez.
Ribéry nicht da, wenn es drauf ankommt?
Ein entscheidender Spieler, gar Anführer der Bayern, ist Ribéry mit 34 nicht mehr. So sah es auch Ex-Bayer Markus Babbel in seiner Ribéry-Schelte bei "Sky90". Der Franzose habe sicher "großartige Verdienste für den Verein", sagte Babbel, und man ahnte, das danach etwas Negatives kommen würde:
Die Stellung, die Ribéry einmal innehatte, "kann er in meinen Augen nicht mehr erfüllen", schloss Babbel. Und er hat wohl Recht.
Chance für Coman und Rodríguez
Das Ribéry-Aus ist nun die Chance für andere, jüngere.
Zum einen für Coman, der sich nach einer katastrophalen Saison 2016/2017 nun als fester Bayern-Spieler und heimlicher zweitteuerster Neuzugang im Sommer (21 Millionen Euro an Juventus Turin/Kaufoption) auf Linksaußen freispielen kann.
Die Alternative zu Coman (21) bleibt Rodríguez (26), wenn das Spiel weniger über den Flügel stattfinden soll. Für Müller sollten in der Offensivrochade auch mehr Minuten abfallen.
Ohne Ribéry kann sich zudem David Alaba nicht mehr hinter seinem Kumpel verstecken, der Österreicher muss sich ebenfalls aufmachen, raus aus dem Leistungsloch. Nur förderlich für Bayern.
Ribéry ist kein Kümmerer
Und dann sind da noch die eingangs erwähnten Zwischentöne, die Ribéry stets heraufbeschwört, vor allem, wenn er nicht spielt (oder ausgewechselt wird). Stichwort: Anrufe bei Hoeneß.
Ribéry hält nämlich im Allgemeinen nichts von der Rolle, sich als "Elder Statesman" im Team zu betragen, mit 34 Lenzen auf altersmilde zu machen und weniger Spielzeit zu akzeptieren - sein Gesicht auf der Bank in Paris sprach über 90 Minuten Bände.
Der Franzose macht grundsätzlich schon noch seine Späßchen, das ja, aber er ist kein Kümmerer im Kader. Keiner, der den jüngeren Spielern zeigt, wo's langgeht. Spielt er nicht, ist Ribéry sauer. Dann gibt's keine Späßchen. So einfach ist das.
Bemerkenswert auch, wie schnell sein Verhältnis zu Ancelotti in nur 15 Monaten abkühlte. Zunächst voller Lobeshymnen über den knuffigen Italiener, der ihn so ganz anders behandle als Pep Guardiola, wurde Ancelotti im Laufe der Monate immer mehr zum Feindbild für Ribéry.
Ribéry als Trainer-Schreck
Tiefpunkt: Der Trikotwurf nach der Auswechslung im Champions-League-Spiel gegen Anderlecht, den im Nachgang der Ancelotti-Entlassung nun auch dessen Biograf Chris Brady via "Sport Bild" anprangerte:
Auch Babbel meinte:
Letzteres muss der neue Trainer nun zunächst nicht fürchten. Erstens hat sich Heynckes von 2011 bis 2013 als Ribéry-Versteher entpuppt, wie sonst nur Ottmar Hitzfeld. Zweitens wird sich Ribéry ruhig verhalten, an seinem Comeback arbeiten. 2018 dann geht er in sein womöglich letztes Halbjahr beim FC Bayern.
Wie oft er dann noch spielen wird, hängt auch davon ab, welche anderen Spieler nun die Gunst der Stunde nutzen.
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