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Jonas Hector: "Wenn Jürgen Klopp anruft, würde ich mir Gedanken machen"

Jonas Hector exklusiv: "Wenn Klopp anruft, würde ich mir Gedanken machen"

26/03/2016 um 00:03

Vor dem Spiel gegen England hat Eurosport.de mit Nationalspieler Jonas Hector gesprochen. Der Linksverteidiger hat gute Chancen, für die EM nominiert zu werden. Nach seinem DFB-Debüt vor Jahren bestritt er 2015 die meisten Länderspiele überhaupt. Bundestrainer Joachim Löw schätzt seine offensive und seine defensive Stärke. Im Sommer will der Kölner unbedingt bei der EURO in Frankreich dabei sein.

Das Interview führte Dirk Adam

Mit England und Italien stehen zwei echte Fußball-Klassiker auf dem Programm. Geht mit diesen beiden Spielen ein Kindheitstraum für Sie in Erfüllung?

Jonas Hector: Als Kind träumt doch jeder davon, einmal Nationalspieler zu werden. Mein schönster Kindheitstraum ist also bereits in Erfüllung gegangen. Wenn man dann noch gegen Italien oder England spielen kann, ist das klasse. Denn diese beiden Spiele bieten immer eine gewisse Brisanz. Für mich sind diese Begegnungen gute Tests gegen starke Mannschaften, gegen die ich bislang noch keine Erfahrungen sammeln konnte. Deshalb freue ich mich sehr auf die beiden Länderspiele in Berlin und München.

Bastian Schweinsteiger wird in beiden Spielen fehlen. Wie schwer wiegt der verletzungsbedingte Ausfall des DFB-Kapitäns?

Hector: Wir wissen alle, welche Qualitäten Bastian hat. Dass er jetzt wegen einer Knieverletzung passen muss, ist natürlich traurig. Aber ich denke, dass wir als Mannschaft über genügend Qualität verfügen, um ihn im Mittelfeld zu ersetzen. Was natürlich fehlt, ist seine riesige Erfahrung. Immerhin ist Bastian Schweinsteiger seit einer Ewigkeit dabei. Er ist ein Typ Spieler, der anderen Spielern, die noch nicht so lange dabei sind, die Angst nimmt.

Neben Schweinsteiger ist auch Jérôme Boateng verletzt, einige andere Spieler sind angeschlagen. Ist Deutschland im Moment überhaupt reif für den EM-Titel?

Hector: Unsere Mannschaft hat immer wieder gezeigt, dass sie bei einem Turnier weit kommen kann. Dass wird dieses Jahr nicht anders sein. Wir haben noch ein bisschen Zeit, bis die Vorbereitung für die EM los geht. Im Mai startet die konkrete Vorbereitung, dann werden wahrscheinlich einige Verletzte wieder ins Team zurückkehren. Deshalb sehe ich das relativ entspannt. Selbstverständlich werden wir versuchen, das Beste herauszuholen. Nur dabei zu sein, wird nicht reichen. Wir wollen so weit kommen, wie nur möglich.

2015 haben Sie mit acht Begegnungen die meisten Spiele in der deutschen Nationalmannschaft absolviert. Wie beurteilen Sie ihre Rolle als Linksverteidiger?

Hector: Ich bin sehr froh darüber, dass ich so viele Spiele absolvieren durfte. Ich fühle mich auf dieser Position sehr wohl und hoffe, dass ich noch viele Spiele auf dieser Position machen kann. Man muss sich aber immer wieder anbieten, sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft, um seinen Platz nicht zu verlieren. Genau darin liegt die Schwierigkeit, dass man immer auf konstant hohem Niveau spielt, um sich zu empfehlen.

Wie Ex-Außenverteidiger Philipp Lahm können Sie auch im defensiven Mittelfeld spielen. Haben Sie sich von ihm bereits ein paar Sachen abgeschaut?

Hector: Nein, da schaue ich auf mich selbst. Philipp Lahm und ich sind auch nicht unbedingt vergleichbar, ebenso wenig wie die Spielweise des FC Bayern und des 1. FC Köln. Das ist schon ein bisschen anders. Ich versuche einfach, die Vorgaben des Bundestrainers umzusetzen. Das ist in der Nationalmannschaft ein bisschen anders als in Köln. Im DFB-Team habe ich viel mehr Freiheiten im Spiel nach vorne. Hier habe ich verschiedene Automatismen gelernt, wann ich mit nach vorne gehe und wann nicht.

Wie funktioniert das Zusammenspiel mit Innenverteidiger Mats Hummels auf der linken Abwehrseite?

Hector: Das passt gut zusammen. Wir hatten in der EM-Qualifikation viele Spiele, in denen wir den dominanten Part hatten, was die Aktionen nach vorne angeht. Da versuchen wir uns natürlich abzustimmen. Mit Blick auf die EURO bin ich sehr optimistisch, denn Mats ist ein Spieler mit großer Erfahrung, der klare Signale an seine Mitspieler gibt.

Am 14. November 2014 feierten Sie Ihr Debüt im Nationalteam. Denken Sie manchmal noch zurück, was gewesen wäre, wenn Sie ein Jahr früher nominiert worden wären?

Hector: (lacht...) Sie sprechen auf den Gewinn der Weltmeisterschaft in Brasilien an. Jetzt wo Sie es sagen, wäre ich natürlich gerne eher im DFB-Team dabei gewesen. Aber zu diesem Zeitpunkt habe ich mit Köln noch in der 2. Bundesliga gespielt. Damals war es also nahezu unmöglich, dass ich für die Nationalmannschaft nominiert werde. Das hätte zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn gemacht. Jetzt muss ich sagen, dass ich wirklich froh bin, überhaupt dabei zu sein.

Im vergangenen Jahr bereiteten Sie beim 3:1-Sieg gegen Polen zwei Tore vor. War dieses Spiel Ihr Durchbruch in der Nationalmannschaft?

Hector: Es ist immer schön, wenn man solche Spiele mit Torbeteiligung hat. Gerade als Außenverteidiger ist das eine super Sache. In diesem Spiel habe ich mich sehr wohl gefühlt. Als Mannschaft haben wir gut funktioniert. Nach dieser Begegnung bekam ich viel Lob von allen Seiten. Das war zwar schön, aber ich muss natürlich weiter an mir arbeiten.

Stark: Jonas Hector legte gegen Polen zwei Tore auf - hier die Führung durch Thomas Müller

Stark: Jonas Hector legte gegen Polen zwei Tore auf - hier die Führung durch Thomas MüllerImago

Mit 25 Jahren sind Sie noch ein relativ junger Spieler. Haben Sie bereits ein paar Bezugspersonen im DFB-Team gefunden?

Hector: In der Mannschaft kann man mit allen Spielern reden, wenn man mal eine Frage oder ein Problem hat. Ansonsten gibt es noch viele andere Leute, um das Team herum, mit denen man reden kann. Außerdem ist Bundestrainer Joachim Löw ein Coach, der immer ein offenes Ohr hat.

Der FC Liverpool hat angeblich Interesse an Ihnen. Werden Sie Ihren Vertrag bis 2018 in Köln erfüllen?

Hector: Man muss immer abwägen, ob man bereits ist, den nächsten Schritt zu gehen. Darüber mache ich mir im Moment aber keine Gedanken. Ich denke, wir haben beim 1. FC Köln genug zu tun. Außerdem haben wir mit der Nationalmannschaft ein großes Turnier vor der Brust. Deshalb drehen sich meine Gedanken momentan nicht um einen Wechsel.

Aber wenn Sie Jürgen Klopp anrufen würde...

Hector: Dann würde ich anfangen, mir Gedanken zu machen.

In der Bundesliga steht Köln steht mit 33 Punkten im Mittelfeld der Tabelle. Wie sehen Ihre Ziele für den Rest der Saison aus?

Hector: Wir wollen eine bessere Runde als letzte Saison spielen und mindestens 41 Punkte holen. Genauso gehen wir mit dem 1. FC Köln die Ziele an. Wir wollen die fehlenden Zähler auf jeden Fall holen und dann werden wir sehen, welchen Platz wir am Ende belegen. Das Motto lautet: Punkte sammeln, Punkte sammeln...

Zum Schluss noch eine persönliche Frage. Gibt es überhaupt etwas, was Sie wütend machen kann?

Hector: (lacht...) Eigentlich nicht, außer wenn ich auf der PlayStation beim Fußball verliere.

Video - Löw über Götze, Kruse und Schweinsteiger

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