Eurosport
Vom Fan zum Leader: Was Bastian Schweinsteiger bei Manchester United erwartet
Von
Publiziert 13/07/2015 um 23:05 GMT+2 Uhr
Next stop Manchester. Bastian Schweinsteiger wagt mit fast 31 den Sprung ins Ausland. Bei United erwarten ihn neben Förderer Louis van Gaal auch allerhöchste Ansprüche. Die britische Presse empfängt den Deutschen freudvoll, mischt allerdings auch Skepsis in ihre Ausführungen. Im United-Spiel wird Schweinsteiger eine Schlüsselrolle zufallen - eine, die ihm beim FC Bayern nicht mehr zugetraut wurde.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Den "letzten Traum meiner Karriere" begann Bastian Schweinsteiger mit einer Radtour durch München. Ana Ivanovic war dabei, die Tennisspielerin, dann ging es Sonntagabend mit dem Privatjet nach Manchester. Schweinsteiger ist jetzt Engländer, fußballerisch gesehen. Die verabschiedenden Worte von Bayern-Trainer Pep Guardiola, der Schweinsteiger "Happiness" wünschte, passten also ziemlich gut ins Bild.
Am Montag präsentierte die spektakulärste Verpflichtung von Manchester United sein Trikot, noch ohne Rückennummer. Ein gewöhnungsbedürftiger Anblick: rote Teufel statt weiß-blauer Rauten.
Schweinsteiger, der Auswanderer.
Anschließend brach die United-Delegation gen USA auf, in Seattle und San Francisco bereitet sich der 20-fache englische Meister auf die Saison vor. Ab 17. Juli stehen Tests gegen Club America, die San Jose Earthquakes, den FC Barcelona und Paris Saint-Germain auf dem Programm. Mittendrin: Schweinsteiger.
"Cantona" am Klingelschild
"Mutig" findet Franz Beckenbauer das, bei United, meint der "Kaiser" in der "Bild", müsse der Mittelfeldspieler "noch mehr tun als beim FC Bayern. Er muss er eine Schippe drauflegen." Lukas Podolski, der die Premier League vom FC Arsenal kennt, sieht das anders. Schweinsteiger werde es "lieben", grinst er.
Der Rahmen stimmt schon mal. Schweinsteiger gilt als Fan des britischen Fußballs. Nach der WM 2010 wurde er mit einem getauschten Trikot von Frank Lampard beim Freizeitkick gesehen, auf dem Klingelschild seiner Münchner Wohnung soll "Cantona" gestanden haben - Eric Cantona, französische United-Legende. "Manchester ist der einzige Klub, für den ich München verlassen hätte", gesteht der Ur-Bayer.
Schweinsteiger, der Fan.
Nun muss er die Öffentlichkeit selbst zu Fans machen. Das könnte gelingen. Seine Art des Fußballspiels mögen sie auf der Insel, dieses Leidenschaftliche, die Leader-Attitüde. Das zieht. "Er sollte mit seiner Mentalität ein Schlüsselspieler sein", glaubt der britische Eurosport-Journalist Tom Adams. "United hat ihm diese Rolle sicherlich zugesagt."
Bayerns Bedenken
Interessant, wie die "Times" zwischen Skepsis und Vorfreude abwägt, um den Neuen vorzustellen: "United bekommt also einen Spieler, der auf die 31 zugeht und noch nicht gezeigt hat, dass er sich von seinem königlichen Kampf im Maracana vollständig erholt hat. Aber er war ein Maestro auf genau der Position, auf der United schon so lange Verstärkung braucht."
Schweinsteiger, der Anführer.
Da stellt sich die Frage, warum der FC Bayern sein Urgestein nicht unbedingt halten wollte. Matthias Sammer liefert in der "Süddeutschen Zeitung" die Antwort: die Verletzungshistorie. "Er konnte leider keine berechenbare Größe mehr sein."
Berechenbar, das war Schweinsteiger auch im April 2014 nicht, als er mit Bayern im Old Trafford gastierte und nach einem Scharmützel mit Wayne Rooney vom Platz flog. Der "Mirror" titelte vom "Dirty Schwein" und musste sich später entschuldigen.
Schweinsteiger darf wieder auf der "Sechs" spielen
Bastian Schweinsteiger ist der erste Deutsche bei den "Red Devils", die "Süddeutsche" formuliert den Anspruch: "Weltmeisterliche Routine, Kurzpass-Kultur und Persönlichkeit." Das United-Spiel sucht nach etlichen Stil- und Richtungswechseln binnen kurzer Zeit (von Sir Alex Ferguson über David Moyes zu Louis van Gaal) nach einer Leitschnur. Der selbstbewusste Niederländer kündigte bereits an Weihnachten eine "echte van-Gaal-Mannschaft" für die Saison 2015/16 an. Dafür kaufte er ein.
Schweinsteiger, der Wunschspieler.
"Er ist der ultimative Profi", schwärmt van Gaal. Um ein drittes titelloses Jahr in Folge zu verhindern, bastelte der 63-Jährige eifrig an Struktur und Personalbedarf. Im Vorjahr angelte er sich Daley Blind und Ander Herrera, jetzt, 2015, Schweinsteiger und Morgan Schneiderlin, dessen Transfer aus Southampton inzwischen bestätigt wurde. "Dadurch haben sie quasi ein neues Mittelfeld innerhalb eines einzigen Tages verpflichtet", bemerkt Eurosport-Journalist Adams.
Für van Gaal entstehen so verschiedene Varianten. Klar scheint, dass Schweinsteiger den von ihm bevorzugten Posten in der Defensivzentrale besetzen darf - dorthin hat ihn van Gaal schließlich erst beordert, damals bei Bayern. "Das ist sicher eines der Argumente, die Bastian angesprochen haben", nickt Sammer.
Schweinsteiger, die Mischung aus Keane und Scholes
Zusammen mit Schneiderlin, Herrera, Michael Carrick, Marouane Fellaini und Juan Mata kann United im 4-4-2-System mit "Doppelsechs", in der 4-3-2-1-Formation oder auch im 4-3-3 agieren; dann mit einem Dreieck aus Schweinsteiger, Herrera und Mata. "United befindet sich noch immer in einer Übergangsphase", erklärt Adams. Der Deutsche ist fürs Erste gesetzt.
Schweinsteiger, der Stabilisator.
Die "Sunday Times" charakterisierte den Fußballspieler Schweinsteiger als Kreuzung der United-Ikonen Roy Keane und Paul Scholes. Recht viel höher können die Weihen im Old Trafford nicht liegen. Die Erwartungen auch nicht.
Auswanderer. Fan. Anführer. Wunschspieler. Stabilisator. Am 8. August startet Manchester United in die Saison, mit einem Heimspiel gegen Tottenham. Das Ziel: die Meisterschaft. Der Hoffnungsträger: Bastian Schweinsteiger. Es wird spannend.
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung