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Paralympics-Siegerin Marieke Vervoort erwägt Sterbehilfe

Paralympics-Siegerin Vervoort erwägt Sterbehilfe
Von SID

05/08/2016 um 15:02Aktualisiert 05/08/2016 um 18:09

Paralympics-Siegerin Marieke Vervoort erwägt die Inanspruchnahme der in ihrer belgischen Heimat erlaubten Sterbehilfe. Nach den Spielen in Rio de Janeiro (7. bis 18. September) werde sie ihre sportliche Karriere beenden, "und der Sport ist mein einziger Grund zu leben", sagte die 37-Jährige der französischen Zeitung "Le Parisien". Vervoort hat eine unheilbare, degenerative Krankheit.

Im belgischen Blatt "L'Avenir" erklärte sie gar: "Ich beginne, mich mit Euthanasie zu beschäftigen." Die aktive Sterbehilfe ist in Belgien wie sonst nur in den Niederlanden, Luxemburg und im US-Bundesstaat Oregon erlaubt. Und sie habe "Dinge erleben müssen, von denen andere nicht einmal träumen."

Die Papiere für die Sterbehilfe liegen bereits bereit, und sie hat auch feste Vorstellungen über ihre Beerdigung. Es soll keinen Gottesdienst geben und keinen Kuchen:

"Ich möchte, dass alle mit einem Glas Champagner dastehen und an mich denken."

Ob sie die Sterbehilfe wirklich in Anspruch nimmt und wann, weiß die an einer unheilbaren, degenerativen Krankheit leidende Vervoort noch nicht. "Wir werden sehen, was das Leben danach für mich bereithält", sagte sie. Einfach so aufgeben will sie trotz der Euthanasie als möglichem Ausweg also nicht. Und sie versprach: "Ich werde versuchen, die schönen Momente so gut es geht zu genießen."

Wenn sie nach den Paralympics in Rio de Janeiro ihre Karriere beendet, wird ihr größter Trost verschwinden. Ihr größter Antrieb. Ihr Lebenssinn. Das befürchtet, ja das weiß Marieke Vervoort. Doch länger als bis zu den Spielen wird die 37-Jährige auch ihren Sport nicht mehr ausüben können. Und dann?

Erst einmal habe sie einen "letzten Wunsch": Rio, die Paralympics (7. bis 18. September). Und sie will sich "am liebsten auf dem Podium vom Sport verabschieden." 2012 in London hat sie mit ihrem Rennrollstuhl Gold über 100 Meter gewonnen, doch eine Wiederholung wird angesichts zunehmender körperlicher Defizite schwierig. Es werde schwer, eine Medaille zu holen, sagte Vervoort. Aber unmöglich sei es nicht.

Sie denkt eben oft auch positiv. Und in der Öffentlichkeit trägt sie sogar meist gute Laune vor sich her. Sie will sich nichts anmerken lassen. "Alle sehen mich lachen, aber niemand sieht die dunkle Seite", erklärte sie: Diese "dunkle Seite", das sind Schmerzen.

"Ich leide. Manchmal schlafe ich nachts nur zehn Minuten."

Sie sei schon mehrmals nachts in Ohnmacht gefallen, ihr Hund habe ihr schließlich das Gesicht geleckt, bis sie wieder erwachte.

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