Jan Jagla exklusiv zum deutschen EM-Höhenflug: Das ist das Geheimnis des Teams
Jan-Hendrik Jagla erklärt im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de, was die deutsche Basketball-Nationalmannschaft bei der Heim-EM so stark macht. "Alle Spieler akzeptieren die Rolle, die ihnen der Coach zugedacht hat", sagt der einstige Power Forward, der 141 Länderspiele für Deutschland bestritt. Vor dem Halbfinale gegen Weltmeister Spanien ist Jagla trotz des hochdekorierten Gegners optimistisch.
Bärenstark! Deutschland düpiert Griechen um NBA-Superstar
Quelle: Perform
Es sei "schwer zu realisieren" und "Wahnsinn", brach es nach dem sensationellen 106:97-Erfolg im EM-Viertelfinale gegen Griechenland aus Nationalspieler Andreas Obst heraus.
Der Traum vom zweiten EM-Titel trägt Deutschlands Basketballer bislang durchs Turnier und auch vor Spanien (Halbfinale am Freitag ab 20:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) müsse der DBB-Auswahl nicht bange sein, glaubt Jan-Hendrik Jagla.
"Die Goldene Generation ist Vergangenheit und ohne Point Guard Lorenzo Brown wäre der Weltmeister meiner Meinung nach schon ausgeschieden", so der 41-Jährige im Gespräch mit Eurosport.de.
Allerdings: Mit einer grandiosen Quote von knapp 55 Prozent bei den Dreiern - wie gegen Griechenland - dürfe man im Halbfinale gegen die Iberer nicht rechnen. "Das ist eine utopische Zahl", stellt Jagla klar.
Das Interview führte Tobias Laure
Abgesehen vom Teamgeist - was zeichnet die Mannschaft aus?
Jan Jagla: Die Defensive. Das hat man schon gegen Slowenien in der EM-Vorbereitung gesehen. Da haben sie das erste mal diese Verteidigung gezeigt und dann auch konserviert. Die Jungs sind füreinander da und extrem gut eingestellt. Man kann Coach Gordon Herbert, der einen Topjob abliefert, nur loben. Gegen Griechenland hat er dem Team einen super Gameplan mitgegeben. Die Zone wurde eng gemacht, dazu haben die Griechen von außen wenig getroffen. Alle Spieler akzeptieren die Rolle, die ihnen der Trainer zugedacht hat. Das gilt auch für diejenigen, die im Unterschied zu ihren Vereinen bei der EM wenig spielen. Die supporten die Kollegen von außen hervorragend.
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Jagla 2012 im EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Aserbaidschan
Fotocredit: Imago
War der Erfolg gegen Griechenland der Triumph eines Kollektivs gegen die One-Man-Show des Giannis Antetokounmpo? Man hatte ja vorher teils den Eindruck, die Partie hieße Deutschland gegen Giannis.
Jagla: Das ist schon ein bisschen so gewesen. Man kann das durchaus in dieser Weise vereinfachen, aber: Griechenland hat generell eine hervorragende Mannschaft, gespickt mit erfahrenen Euro-League-Profis, nicht zu vergessen Antetokounmpos Brüder Kostas und Thanasis. Aber natürlich ragt Giannis dermaßen aus dem Team heraus, dass es schwierig wird, wenn er wie gegen Deutschland die letzten fünf Minuten raus muss. Das System dann anzupassen, ist knifflig.
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Wagner nach Sensation euphorisch: "Alles ist möglich!"
Quelle: Perform
Deutschland steht in der FIBA-Weltrangliste auf Platz elf, sieben andere europäische Teams sind höher notiert. Was sagt das aus?
Jagla: Dieses Ranking ist mit Vorsicht zu genießen, ich gebe da nicht viel drauf.
Weil?
Jagla: Die Profis und Teams, die diese Rangliste während der FIBA Windows erspielt haben, unterscheiden sich massiv von jenen, die bei der EM auf dem Parkett stehen. Das ist überhaupt nicht vergleichbar und spiegelt die aktuellen Kräfteverhältnisse nicht wider.
Am Freitag wartet im Halbfinale Weltmeister Spanien. Wie stehen die Aktien?
Jagla: Ich denke, gut. Um ehrlich zu sein, bin ich überrascht, dass Spanien noch im Turnier ist. Die Goldene Generation ist Vergangenheit und ohne Point Guard Lorenzo Brown wäre der Weltmeister meiner Meinung nach schon ausgeschieden. Darum geht es nun für Deutschland. Wenn man Brown einigermaßen aus dem Spiel nehmen kann, sind die Chancen auf den Einzug ins Finale groß.
Auffällig war gegen Griechenland die hohe Erfolgsquote bei den Dreipunktewürfen. Ein Mittel auch gegen Spanien?
Jagla: Es macht das Leben natürlich einfacher, wenn die Dreier fallen. Du ziehst die Verteidigung raus und das andere Team kann die Zone nicht so gut dichtmachen. Trotzdem darf man jetzt nicht annehmen, dass es gegen Spanien wieder so läuft. Die Quote der deutschen Auswahl bei den Dreierversuchen lag bei knapp 55 Prozent, das ist eine utopische Zahl. Es wäre schon stark, wenn wir im Halbfinale irgendwo bei 40 Prozent landen.
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Spanien ringt starke Finnen nieder
Quelle: Perform
Nach den formidablen Leistungen darf man vom zweiten EM-Titel nach 1993 träumen. Wie wichtig wäre dieser Coup für die Gesamtsituation des deutschen Basketballs?Jagla: Es wäre schön, wenn es so kommt. Ein großer Titel durch das Nationalteam tut jeder Sportart gut, auch dem Basketball in Deutschland - zumal die Mannschaft bei dieser Europameisterschaft einen unfassbar begeisternden und attraktiven Stil spielt. Das wäre ein enormer Schritt nach vorne.
Herr Jagla, ich bedanke mich für das Gespräch.
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"First-Hit-Mentality": Schröder analysiert Halbfinal-Einzug
Quelle: Eurosport
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