Olympia 2024 in Paris: Deutschlands Basketballern geht gegen Serbien die Kraft aus - drei Dinge, die uns auffielen

Die deutsche Basketballnationalmannschaft verliert im Spiel um Bronze gegen Serbien mit 83:93 und verabschiedet sich auf dem vierten Platz von den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Dennis Schröder, Franz Wagner und Co. fehlt es gegen den überragenden Nikola Jokic an Power und taktischen Alternativen. Trotz der verpassten Medaille bleibt dieses Turnier für den Weltmeister aber ein voller Erfolg.

Highlights: Jokic zu stark - Deutschland verpasst Bronze

Quelle: Eurosport

Genau vor elf Monaten, am 10. September 2023, standen sich beide Nationalmannschaften im WM-Finale gegenüber, das mit einem 83:77-Sieg für Deutschland endete. Nikola Jokic und Vasilije Micic waren damals auf serbischer Seite nicht dabei, drückten dem Duell in der Bercy Arena nun umso mehr ihren Stempel auf.
Deutschland, bis zu diesem Bronze-Spiel hinter den USA und Serbien das dritteffektivste Team des Turniers, lief bereits nach dem ersten Viertel einem Rückstand hinterher (21:30) und konnte nur das zweite Viertel für sich entscheiden (17:16).
So bitter diese Niederlage auch sein mag, die letzten Jahre sind zu einer historischen Epoche im deutschen Basketball geworden und fanden nun ein großes - wenn auch ungekröntes - Ende.
Drei Dinge, die uns auffielen.

1. Kein Plan B oder C

Zur Wahrheit gehört, dass es Deutschland nach der Gruppenphase an einem wirksamen Plan B oder Plan C mangelte - und das zeigte auch das Duell mit Serbien. Das DBB-Team war zu ausrechenbar in der K.o.-Phase, und zwar in Offense und Defense. Vincent Collet hatte seine Franzosen im Halbfinale mit zwei defensiven Adjustments perfekt auf die Offensiv-Systeme der Deutschen eingestellt und zog somit dem Weltmeister den Zahn.
Gegen Serbien lief es ähnlich: Svetislav Pesic, so wirkte es, hatte sein Team perfekt auf die Aktionen der Deutschen eingestellt, und irgendwie wusste der Vizeweltmeister zu oft, was als nächstes geschehen würde. Es fehlte - und das zog sich durch alle drei K.o.-Spiele - das überraschende Element im Spiel der DBB-Auswahl, mit dem die Kontrahenten nicht rechneten und das sie wiederum zu einer Reaktion gezwungen beziehungsweise vor Probleme gestellt hätte.
In der Defensive hatte Gordon Herbert seinem Team nicht ausreichend Pläne gegen Nikola Jokic mitgegeben. Der Superstar der Denver Nuggets dominierte das Spiel, indem er an vielen seiner Sweet-Spots den Ball in den Händen halten und von dort aus schalten und walten durfte - oftmals wie er wollte. 19 Punkte, zwölf Rebounds, elf Assists, kein Turnover sowie ein Steal und ein Block verbuchte der 29-Jährige schlussendlich.
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Quelle: Eurosport

2. Zwei verschiedene Gesichter

Das Triple-Double war dem 2,11-Meter-Center Jokic auch deshalb möglich, weil er fit wirkte. Pesic hatte ihn in der Gruppenphase lediglich rund 27 Minuten pro Spiel auf dem Feld agieren lassen. In der K.o.-Phase konnte er somit rund 38 Minuten im Schnitt abspulen. Zum Vergleich: Dennis Schröder (31 Minuten) und Franz Wagner (30) standen in der Gruppenphase durchschnittlich deutlich länger auf dem Parkett.
Ohnehin schien der Faktor "Kraft" beim DBB-Team ein entscheidender zu sein, denn die Weltmeister wirkten irgendwie ausgelaugt und gleich drei Statistiken deuten daraufhin, dass dem wirklich so war: In der K.o.-Phase verzeichneten die Deutschen in ihren drei Spielen durchschnittlich 76,0 Punkte, leisteten sich 12,7 Turnover und trafen 32,9 Prozent ihrer Drei-Punkte-Würfe. In der Gruppenphase waren es pro Partie noch 89,3 Punkte, 10,0 Turnover und eine Dreier-Trefferquote von 37,9 Prozent gewesen. Diese drei Kategorien können durchaus mit Energie in Verbindung gebracht werden.
Bei Eurosport sagte Johannes Voigtmann nach der Niederlage passend: "Wir haben nicht die richtige Physis gefunden." Und Moritz Wagner resümierte ebenfalls vor dem Eurosport-Mikro unter anderem: "Ich glaube, wir hätten es irgendwie verdient, hier mit einer Medaille rauszugehen, und haben so ein bisschen die Struktur verloren in den letzten zwei Spielen, vielleicht auch ein bisschen den Biss." Eventuell wegen der geschwundenen Kräfte.
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Highlights: Jokic zu stark - Deutschland verpasst Bronze

Quelle: Eurosport

3. Es bleibt eine goldene Epoche

Trotzdem muss das Fazit dieses Olympischen Basketballturniers ein positives sein. Die deutsche Herren-Basketballnationalmannschaft hat sich in den letzten vier Jahren zu einer der besten der Welt entwickelt, war so erfolgreich wie nie zuvor in ihrer Historie und hat damit eine Epoche einzigartig geprägt. Wer hätte das vor fünf Jahren gedacht?
Nach dem enttäuschenden 18. Platz bei der WM 2019 ging es nur bergauf: Viertelfinale bei den Olympischen Spielen in Tokio, EM-Bronze 2022, der Weltmeistertitel 2023 und nun das Halbfinale sowie der vierte Platz in Paris. Selbstverständlich hatten sich die Leistungsträger dieser Mannschaft, die bei fast allen dieser Turniere mitgewirkt haben, das Ziel "drei Medaillen in drei Jahren" auf die Fahne geschrieben und als amtierender Weltmeister für große Hoffnungen gesorgt. Doch die ausgebliebene Medaille kann die überragenden Leistungen nicht schmälern.
Was dieses DBB-Team geleistet hat, ist historisch und für den deutschen Basketball unbeschreiblich wertvoll. Und so bleibt zwar offen, wie genau es nun weitergehen wird, da zentrale Fragen wie: Wer beerbt Gordon Herbert? Welche Spieler machen weiter? Welche Spieler legen eine Nationalmannschaftspause eine? Welche Spieler werden ihre Karriere in der Nationalmannschaft beenden? - aktuell unbeantwortet sind. Jedoch ist klar, dass es weitergehen wird, denn dafür haben alle, die für die Leistungen der letzten Jahre mitverantwortlich waren, gesorgt. Dafür gilt es zu danken, weil die Nationalmannschaft nicht nur selbst wieder cool geworden ist, sondern den Basketball in Deutschland unfassbar gepusht hat.
So bleibt das Fazit: Die Olympischen Spiele in Paris und diese einzigartige Epoche im deutschen Basketball sind zwar nicht mit einer Medaille gekrönt worden, für Basketballdeutschland aber trotzdem ein voller Erfolg. Oder um es mit Johannes Voigtmanns Worten nach dem Spiel bei Eurosport zu sagen: "Das waren unglaublich schöne drei Jahre."
Exakt!
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Quelle: Eurosport


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