Olympia 2024: Drei Dinge, die im Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich auffielen - Jetzt erst recht!

Die deutsche Basketballnationalmannschaft unterliegt im Halbfinale der Olympischen Spiele Gastgeber Frankreich mit 69:73 und spielt am Samstag um Bronze. Gegen die Franzosen fehlt es nach dem zweiten Viertel an Kraft. Zudem greift der Gameplan des gegnerischen Coaches, auf den Dennis Schröder und Co keine Antwort haben. Ein starkes Viertel reicht nicht aus.

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Quelle: Eurosport

Die Gesichter der Spieler waren leer, die Blicke sprachen Bände, die Enttäuschung war einem jeden deutschen Spieler anzusehen.
Nach 40 Spielminuten hatte der Weltmeister Gewissheit darüber, dass er bei den Olympischen Spielen in Paris um die Bronzemedaille spielen wird – und nicht um Gold.
Nach einem starken Auftaktviertel (25:18) brach die deutsche Offensive im zweiten Abschnitt quasi ein (8:15) und konnte das Ruder in der zweiten Halbzeit nicht mehr herumreißen; weil Frankreichs Coach einen klaren Plan hatte, das deutsche Gegenstück nicht aufging und die Akkus der Weltmeister leer zu sein schienen.
Drei Dinge, die auffielen.

1.) Die Akkus schienen leer

Gordon Herbert ließ sein Team mit Franz Wagner zunächst als Playmaker auflaufen. Der Ball ging vom Sprungball weg immer auf den Flügel, sobald die Deutschen ihn hatten. Ein 12:2-Start für Deutschland nach 2:41 Minuten war die Folge. Franz spielte den Aufbau und entlastete damit Dennis Schröder.
Der Kapitän konnte auf diesem Weg wertvolle Kraft sparen. 31,1 Minuten hatte der 30-Jährige bis zum Halbfinale pro Spiel auf dem Feld verbracht. Nur im allerersten Turnierspiel waren es unter 30 (28 Minuten gegen Japan). Coach Herbert wusste wohl, dass er mit den Kräften des WM-MVPs haushalten musste.
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Doch nicht nur Schröder schien während der letzten Spiele sehr viel Energie gelassen zu haben, sondern auch seine Mitspieler. Viele Würfe gerieten zu kurz (10/34 Dreier), unüblich viele Pässe wurden zu Ballverlusten und so leisteten sich die Deutschen insgesamt 15 Turnover – in den vorherigen vier Partien waren es im Schnitt nur 10,0 gewesen.
Die DBB-Jungs wirkten müde, irgendwie angeschlagen. Ob die Entscheidung des Cheftrainers, seit dem zweiten Spiel fast ausschließlich mit einer "Neun-Mann-Rotation" zu spielen, dafür verantwortlich war, wird offen bleiben, da diese Taktik ja auch den Fluss und Rhythmus des Teams gestärkt hatte.
Fakt ist aber, dass die Deutschen nicht wie sie selbst wirkten.

2.) System overload

Zudem entpuppte sich der Gameplan von Frankreichs Cheftrainer als perfekt passend: Vincent Collet veränderte im Vergleich zum Aufeinandertreffen in der Gruppenphase letzten Freitag (85:71-Sieg für Deutschland) insbesondere zwei Dinge: Einerseits ließ er Rudy Gobert deutlich weniger spielen als noch in der Gruppenphase (18:06 Minuten).
Der Center agierte im Halbfinale lediglich 5:09 Minuten auf dem Feld, wodurch Mastermind Collet seine zweite taktische Maßnahme perfekt umsetzen lassen konnte.
In der Defensive waren die Franzosen ohne Gobert nämlich kleiner, schneller und beweglicher. Immer wieder switchten sie, wenn die Deutschen ihr gewohntes "Drive and Kick" mit Franz Wagner oder Schröder vorbereiteten. Dadurch konnten die beiden deutschen Motoren nicht wie gewohnt gegen Mismatches in die Zone penetrieren und zu den frei werdenden Mitspielern rauspassen oder selbst abschließen. 
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Dreier von Schröder und Wagner: Deutschland zwingt Frankreich zur Auszeit

Quelle: Eurosport

Jeder defensive Stop der Gastgeber (fünf Blocks und 37 Rebounds für Frankreich) wurde von den Zuschauern in der Bercy Arena zu Paris frenetisch gefeiert. Das zweite Viertel mutierte zum Musterstück des defensiven Gameplans der Franzosen.
Für diesen defensiven Schachzug Collets hatten Herbert und Co. keine wirksame Antwort parat. Gepaart mit den augenscheinlich leeren Akkus der Deutschen ergab sich der toxische Mix für den Weltmeister. System overload.

3.) Jetzt erst recht!

Ja, der Traum vom Finale und einer Goldmedaille ist ausgeträumt. Und ja, der Frust und die Trauer mögen groß sein. Doch dies darf und sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das DBB-Team ein bis dato sensationelles und historisches Turnier gespielt hat.
Und auch gegen Frankreich gab es wieder viel Positives: 14 Offensivrebounds, 21 Assists, 18 Punkte von Schröder, nur 73 gegnerische Punkte. Dass es ausgerechnet jetzt die erste Niederlage bei einem großen Turnier nach 13 Siegen in Folge gab, ist bitter. Und es ist ebenfalls bitter, dass sie erneut im Halbfinale kommen musste, wie schon 2022 (91:96 gegen Spanien).
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Quelle: Eurosport

Aber am Samstag haben Schröder und Co. die Chance, auf die erste olympische Medaille einer Basketballnationalmannschaft im klassischen Fünf-gegen-Fünf-Format. Gordon Herbert wird sich nach diesen unfassbar erfolgreichen drei Jahren (EM-Bronze 2022, WM-Gold 2023, Halbfinale 2024 in Paris) aus der Nationalmannschaft zurückziehen und vielleicht werden es ihm einige Spieler gleichtun.
Sie alle haben einen gebührenden Abschied verdient. Jeder einzelne. Und daher werden sie nochmal alles in die Waagschale werfen, wenn es am Samstag um Bronze geht.
(SID)
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Quelle: Eurosport


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