Die Entscheidung des Spiels fiel eine Minute vor Schluss, als Evan Fournier einen Drei-Punkte-Wurf versenkte und das Comeback Frankreichs nach einem Acht-Punkte-Rückstand wenige Minuten zuvor perfekt machte. Anschließend folgte eine extreme Ballbesitz-Phase der US-Basketballer, die in dieser allerdings - sinnbildlich für das gesamte Spiel - keinen ihrer fünf Versuche in Zählbares ummünzen konnten.
Fournier war mit 28 Punkten der alles überragende Mann beim Sieg der Franzosen. "Ich führe diese Jungs an, weil ich sie kenne. Es ist ein unglaublicher Sieg. Unser Land wird sehr stolz sein, aber um ehrlich zu sein, ist es nur ein Spiel", sagte der "Man of the Match". Auch sein Coach Vincent Collet war voll des Lobes für den Spieler der Boston Celtics: "Evan war unglaublich. Ich möchte keine großen, großen, großen Worte benutzen, aber er hat einige großartige Punkte gemacht."
"Er ist unser Anführer in der Offenisve, immer aggressiv, versucht immer zu punkten. Wir wussten, dass er unser Anführer im Angriff sein wird und er nahm die Rolle an. Also ist er gut für uns", erklärte Center Mustapha Fall gegenüber "Reuters". Fall kam vor allem aufgrund seiner Größe von 2,18 m im entscheidenden dritten Viertel zum Einsatz.
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In jenem Viertel wendete Frankreich das Blatt und drehte die Partie zu seinen Gunsten durch einen 25:11-Lauf. Dabei setzte Trainer Collet vor allem auf seine großen Männer wie Rudy Gobert, Vincent Poirier und Fall. In Bezug auf die Gegner aus den USA erklärte Fall nach der Partie, dass die Amerikaner an ihrer Team-Chemie arbeiten müssen.

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Die fehlende Abstimmung im US-Team könnte auch der Tatsache geschuldet sein, dass die Amerikaner einige coronabedingte Ausfälle zu verkraften hatten und späte Nachrücker ins Gefüge integrieren mussten.
Jrue Holiday, Devin Booker und Khris Middleton spielten frisch nach einem 14-stündigen Tokio-Flug nachdem sie zuvor noch in sechs Spielen der NBA-Finalserie um den Titel kämpften. Aufgrund des Stresses und der Reiserei durch die verschiedenen Zeitzonen war es natürlich nicht unbedingt zu erwarten, dass sie sich sofort blind mit den anderen Spielern verstehen. Am Sonntag verwandelte das Trio zusammen lediglich sechs ihrer insgesamt 21 Würfe. Wobei Holiday mit seinen 18 Punkten gar der Top-Scorer in seiner Mannschaft war.
"Sie sind gereist und gestern erst in Japan angekommen. Es ist ein komplett anderer Ball und die Regeln sind anders. Da muss man sich dran gewöhnen", analysierte Eurosport-Experte Jan Jagla. Holiday hat dem ehemaligen deutschen Nationalspieler zufolge dennoch "ein hervorragendes Spiel gemacht, die Amerikaner über lange Strecken angeführt und im Spiel gehalten."

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Die Erwartungen an das mit NBA-Stars gespickte US-Team waren nichtsdestotrotz enorm hoch. Schließlich gewann die US-Mannschaft bereits 15 Mal Olympia-Gold.
"Wenn du ein Spiel verlierst, bist du nicht überrascht. Du bist enttäuscht. Ich verstehe das Wort 'überrascht' nicht. Das beleidigt die Franzosen, als ob wir sie mit 30 Punkten schlagen müssten. Das ist eine überragende Mannschaft", antwortete Trainer Popovich auf die Frage, ob er über die Niederlage überrascht sei.
Der 72-Jährige versuchte die extreme Erwartungshaltung an seine Spieler zu dämmen und lobte Gegner Frankreich: "Es wäre vermessen, wenn man immer glaubt, dass die Amerikaner einfach so durch das Turnier gehen und gewinnen. Wir müssen genauso dafür arbeiten wie jeder andere. Und in diesen 40 Minuten haben sie einfach besser als wir gespielt."

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Für die von Trainer Popovich angeführte US-Auswahl war es die erste Olympia-Pleite nach 25 Siegen in Folge. "Ich denke, dass wir eine von Dominanz geprägte Geschichte haben. Auch wenn wir vielleicht nicht immer über unsere Gegner hinwegfegen, haben wir eine Geschichte des Gewinnens", sagte NBA-Star Damian Lillard nach dem Spiel.
Der Spieler der Portland Trail Blazers gab sich kämpferisch und fügte hinzu: "Viele werden es wie das Ende der Welt aussehen lassen, aber es ist unser Job alles zu tun, was nötig ist, um das zu erreichen, wofür wir hierher gekommen sind."

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Vom Ende der Welt würde wohl erst gesprochen werden, wenn Kevin Durant und Co. nach der Gruppenphase wieder nach Hause fliegen müssten. Für "ESPN"-Journalist Brian Windhorst ist die Zeit der Unbesiegbarkeit des US-Teams längst vorbei. Am Mittwoch, 28. Juli (6:40 Uhr MESZ), strebt die Mannschaft Wiedergutmachung an und will der Welt gegen den Iran das Gegenteil beweisen.

DIE GROSSEN OLYMPIA-GESCHICHTEN - der Eurosport-Podcast

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