Felix Leitner rechnet nach Rücktritt mit ÖSV ab: "Es ist von Jahr zu Jahr immer nur noch schlimmer geworden"
Publiziert 17/10/2025 um 16:08 GMT+2 Uhr
Der zurückgetretene österreichische Biathlet Felix Leitner hat im Interview mit "Sport1" über die Gründe für sein vorzeitiges Karriereende gesprochen. Eine Mischung aus gesundheitlichen Hürden und Problemen im Österreichischen Ski-Verband (ÖSV) habe letztlich dazugeführt, dass er die Reißleine gezogen habe, enthüllte der 28-Jährige, der einen Bandscheibenvorfall aus dem Juli offenlegte.
Felix Leitner hat in einem Interview eine Generalabrechnung mit dem ÖSV hingelegt
Fotocredit: Getty Images
Diesen habe er "zunächst gut unter Kontrolle" gehabt. Die Schmerzen seien allerdings Ende August im Anschluss an das City-Event in Dresden zurückgekehrt und hätten sich stark verschlimmert.
"Irgendwann konnte ich nicht mehr gehen oder sitzen, sondern nur noch auf dem Bauch liegen. An Training war nicht mehr zu denken", berichtete der dreimalige Junioren-Weltmeister. Besonders bitter: "Ein paar Tage zuvor habe ich mir noch Gedanken darüber gemacht, wie es weitergeht."
Eigentlich habe er noch die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo im kommenden Februar als "ganz großes Ziel" gehabt. "Danach hätte ich wohl so oder so aufgehört. Aber ich wusste sofort, dass es mit der Verletzung sehr eng wird", gab der Tiroler zu.
"Selbst wenn alles optimal gelaufen wäre, hätte ich frühestens im Januar wieder in den Weltcup einsteigen können – allerdings ohne eine vernünftige Vorbereitung", erklärte er.
Leitner übt scharfe ÖSV-Kritik
Das wäre allerdings seinen Vorsätzen zuwidergelaufen: "Ich hatte mir nach dem enttäuschenden Vorjahr geschworen, auf keinen Fall mehr halbfit am Start zu stehen. Also stand schnell fest: Wenn ich mich operieren lasse, werde ich 2026 keine Rennen laufen. Und wenn 2026 keine Rennen gelaufen werden, ist sowieso Schluss."
Daneben seien aber auch die Umstände beim ÖSV ein Grund für seine Entscheidung gewesen.
"Dadurch, dass ich in Österreich nicht das Umfeld hatte, in dem ich gefördert werde, in dem ich mich wohlfühle und merke, dass jeder das Beste für mich will, habe ich in den letzten harten Jahren allmählich die Freude und das Feuer für den Sport verloren. Und das braucht man im Leistungssport eben, um erfolgreich zu sein", lieferte Leitner ordentlich Zündstoff.
Hinter den jüngsten Nicht-Berücksichtigungen für den Weltcup-Kader vermutet er eine Retourkutsche durch den Verband. Dort habe "man anscheinend nicht gerne gesehen", dass er wie auch Lisa-Theresa Hauser seine Saisonvorbereitung individuell und nicht als Teil der Mannschaft gestaltet habe.
Leitner: "System hat angefangen zu bröckeln"
Der fehlende Kaderplatz sei dann "wohl eine Trotzreaktion" gewesen, "um mir zu zeigen: So geht es nicht." Sein Vorgehen hält Leitner indes für alternativlos, "denn offensichtlich funktioniert es im ÖSV gerade nicht. (...) Im österreichischen Biathlon liegt derzeit einfach einiges im Argen."
Mit seinen Ausführungen legt er den Finger in die Wunde. Im vergangenen Winter war der 42-jährige Simon Eder als 36. im Gesamtweltcup noch der beste ÖSV-Skijäger.
Die Lösung der Probleme sieht Leitner indes nicht als seine Aufgabe: "Ich drücke den Athleten die Daumen, dass es jetzt wieder besser wird. Das Potenzial ist aufseiten der Athleten vorhanden. Aber als Athlet allein kann man nichts ausrichten. Genauso wichtig ist ein funktionierendes Team im Hintergrund", sagte der Einzel-Europameister von 2018.
Die Lage sei dabei nicht immer so schlimm gewesen wie aktuell, konstatierte Leitner: "Vor einigen Jahren hatten wir in Österreich eine super Mannschaft beisammen. Aber dann hat das System angefangen zu bröckeln. Viele gute Trainer sind gegangen, wenige bessere kamen."
Biathleten nicht ernst genommen?
Auch das Material habe sich im Anschluss an die Winterspiele 2022 in China verschlechtert. "Die Skier sind andauernd Thema", monierte der Biathlon-Rentner.
Hauptproblem sei jedoch die Wahrnehmung des Biathlon im Verband, stellte Leitner fest: "Man hat uns nie ernst genommen, es ist von Jahr zu Jahr immer nur noch schlimmer geworden. Gefühlt stand nicht mehr der Athlet im Mittelpunkt, sondern alles andere."
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Quelle: SID
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