Erst flog Johannes Kühn mit einer furiosen Schlussrunde über die Loipe, dann durfte sich der 30-Jährige nach langen Minuten des Bangens über den größten Erfolg seiner Karriere freuen: Der Bayer hat den deutschen Biathleten im Sprint von Hochfilzen mit der schnellsten Laufzeit sensationell den ersten Sieg des Olympia-Winters beschert und erstmals im Weltcup triumphiert.
Nach dem enttäuschenden Auftakt in Östersund war es der erhoffte, aber etwas unerwartete Befreiungsschlag für die Skijäger des DSV.
"Mir bedeutet es sehr viel", sagte Kühn gelöst. Aber "dass ich so schnell war, habe ich nicht gefühlt".
Hochfilzen
Eurosport-Experte Rösch feiert Kühn-Coup: "Leck die Sau am Arsch!"
10/12/2021 UM 12:16
Kühn gab zu, dass es ihm vor dem Start "nicht so super" gegangen sei. "Er war heute Nacht ein bisschen nervös. Vielleicht hat es sich schon ein wenig angedeutet", sagte sein Zimmerkollege Roman Rees in der "ARD".
Für Kühn ist es ein Aufstieg im Eiltempo. "Vor zwei Wochen IBU Cup und heute gewinnen, das ist glaube ich noch nicht so oft vorgekommen", sagte er.

Aus dem IBU Cup zum Triumph im Weltcup

Zum Weltcup-Auftakt musste sich Kühn noch im zweitklassigen IBU-Cup beweisen, deshalb seien die Plätze 12 (Sprint) und 14 (Verfolgung) zuletzt in Östersund "fast noch mehr Genugtuung" gewesen, denn so gut sei er die ganze letzte Saison nicht gewesen.

Kühn analysiert seinen Sprint-Sieg von Hochfilzen: "Verrückt"

Kühn war bei strahlendem Sonnenschein mit der Startnummer 9 ins 10-km-Rennen gegangen und leistete sich einen Fehler im Stehendschießen. "Ob es herausragend war, weiß ich nicht. Aber mit dem Schießen war ich zufrieden und das Laufen war auch gut", sagte er ganz bescheiden.
Seine Leistung in der Loipe war allerdings nicht nur gut, sondern herausragend - vor allem die Schlussrunde. Die Weltspitze um Sprint-Weltmeister Martin Ponsiluoma (1/+14,3 Sekunden/Schweden) auf Platz zwei verlor fast zehn Sekunden auf den letzten Metern, Dritter wurde der Belarusse Anton Smolski (0/+20,5).

"Diesen Tag wird er nicht vergessen"

"Ich glaube, dass ich mich ganz gut verkauft und es mir besser eingeteilt habe als letzte Woche", sagte Kühn: "Da macht die Schlussrunde auch mehr Spaß."
Auch Bundestrainer Mark Kirchner war erfreut, nachdem in den ersten vier Rennen noch ein sechster Platz von Philipp Nawrath das höchste der Gefühle war. "Heute hat er das gemacht, was er kann. Wir freuen uns sehr", sagte Kirchner.
"Das war fantastisch, so muss Biathlon sein", freute sich "ARD"-Expertin Kati Wilhelm, Kollege Simon Schempp stimmte zu: "Hut ab! Respekt vor diesem Rennen und absolut verdient Erster. Diesen Tag wird er nicht vergessen."
In seiner Karriere war Kühn bislang nur zum Auftakt der Saison 2018/19 in Pokljuka als Zweiter im Einzel aufs Podium gelaufen. Auch Hochfilzen bleibt ein guter Boden für die DSV-Athleten: Dem zurückgetretenen Arnd Peiffer war im Dezember 2020 im Massenstart ebenfalls in Österreich der bislang letzte deutsche Erfolg gelungen.
Damit geht Kühn auch mit einem angenehmen Vorsprung in den Verfolger am Samstag (12:15 Uhr live im TV bei Eurosport) in "Snowfilzen", wie die österreichische Biathlon-Hochburg von einigen Athleten getauft wurde. Routinier Benedikt Doll rettete sich nach vier Strafrunden (+1:55,1 Minuten) als 60. gerade noch so ins Jagdrennen. Philipp Nawrath (2/+39,8) überzeugte mit Rang acht und der sechstschnellsten Laufzeit.
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