Johan-Olav Botn - Biathlon-Überraschung mischt Elite auf und führt Gesamtweltcup an: "Er ist komplett verrückt"
Johan-Olav Botn mischt mit zwei Siegen in Östersund plötzlich die Biathlon-Weltelite auf. Dabei war er in der Vorsaison nicht mal im Weltcup im Einsatz. Im starken norwegischen Team kam man nun aber nicht mehr am "Trainingsbesessenen" vorbei. Blickt man auf die Vita des 26-Jährigen, kommen die Erfolge von Östersund auch nicht von ungefähr, wie Eurosport-Experte Michael Rösch verrät.
Botn wiederholt Erfolg - Nawrath und Co. verpassen Top Ten
Quelle: Eurosport
Sturla Holm Lägreid brachte es auf den Punkt. "Er ist eine Maschine, kein Mensch", sagte der amtierende Gesamtweltcupsieger nach dem Einzel von Östersund über seinen siegreichen Teamkollegen Johan-Olav Botn. Der hatte nämlich mal eben wie Phönix aus der Asche den ersten Einzel-Wettkampf der Saison gewonnen.
Nach der ersten Weltcupwoche des Olympia-Winters in Schweden lässt sich festhalten: Botn ist die große Überraschung der noch jungen Saison. Zwei Siege nach nur neun Weltcupstarts sind neuer Shootingstar-Rekord; selbst Johannes Thingnes Bö brauchte zehn Einsätze für diese Marke. "Das ist schon bemerkenswert", findet Experte Michael Rösch im Gespräch mit Eurosport.de: "Da sieht man das große Potenzial, das er hat."
Weil er quasi von 0 auf 100 zum Siegläufer avancierte, reibt sich die Öffentlichkeit verwundert die Augen. Die Botn-Erfolge kamen aber auch nicht zufällig zustande. "Für mich kommt er nicht wie Kai aus der Kiste. Er lief nur ein bisschen unter dem Radar", sagt Rösch.
So war der 26-Jährige früher schon im Weltcup aktiv, in der Vorsaison wurde er jedoch nur im IBU-Cup eingesetzt, der zweiten Liga im Biathlon, so zu sagen. Dort wurde er 2023/24 Gesamt-Zweiter und 2024/25 -Dritter.
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Biathlon: Johan-Olav Botn (Norwegen) bei seinem Einzel-Sieg in Östersund 2025/26
Fotocredit: Getty Images
Botn war in Östersund krank - und siegt
Sein Problem jedoch: Vor ihm waren immer weitere Norweger platziert (Mats Överby; Isak Leknes Frey, Sivert Guttorm Bakken). Und die Chancen, sich im Weltcup zu beweisen, sind in Norwegen aufgrund der hohen internen Konkurrenz rar gesät, manchmal gar nur auf eine einzelne Station beschränkt. Da heißt es dann: liefern - oder wieder eine Nummer kleiner denken.
So sah Botn in Östersund seine Felle auch schon früh davon schwimmen, als er sich vor dem Einzel-Start plötzlich krank fühlte. "Ich dachte, die Saison wäre gelaufen. Ich war total niedergeschlagen", erzählte er später. Was dann passierte, schilderte sein Landsmann Lägreid so: "Er sagte, er habe Halsschmerzen und ist deswegen auf seinem Zimmer geblieben. Dann schießt er 20 Treffer und ist der Schnellste." Beeindruckend. Lägreid: "Es ist schwer zu sagen, woraus dieser Mann gemacht ist."
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Highlights: Norwegischer Überraschungs-Coup im Einzel
Quelle: Eurosport
Auch Botn war erst mal fassungslos. "Das hätte ich vor zwei Stunden noch nicht gedacht", stammelte er nach seinem ersten Weltcup-Sieg im erst achten Rennen: "Jetzt fühle ich mich großartig. Wie auf dem Gipfel der Welt. Es ist unbeschreiblich."
Plötzlicher Geldsegen für Botn
Mit seinem Sieg im Sprint und Platz drei in der Verfolgung zeigte der Westnorweger dann auch, dass er keine Eintagsfliege ist. Ins Wochenende von Hochfilzen (Freitag bis Sonntag live bei Eurosport und discovery+) geht der 26-Jährige nun im Gelben Trikot des Gesamtführenden. Die in Östersund gewonnene Prämie von knapp 63.000 Euro sei "verrückt viel Geld", meinte er und rechnete vor: "Ich habe diese Woche mehr verdient als im ganzen bisherigen Leben - mit großem Abstand."
Dass er es draufhat, hatte Botn, der der Kaderschmiede in Lillehammer entstammt, zuvor schon mehrfach angedeutet. Vor allem scheint der Dezember sein Monat zu sein. 2023 gelangen ihm im Dezember gleich fünf Siege im IBU-Cup. 2024 waren es auch immerhin zwei, nun seine beiden ersten Weltcup-Siege in Östersund.
Obwohl er Biathlon schon betreibt, seit er fünf Jahre alt ist, ist Botn in der Weltspitze ein Spätstarter. 2021 gab er mit 22 Jahren verhältnismäßig spät sein Debüt im IBU-Cup, erst im Januar 2024 durfte er in Oberhof erstmals im Weltcup ran. Da schockte er allerdings gleich die Konkurrenz, indem er im Sprint unter 99 Athleten gleich mal die Laufbestzeit setzte. "Aber er hat schlecht geschossen, deswegen ist er da der breiten Öffentlichkeit noch nicht aufgefallen", erklärt Rösch.
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Röschs Analyse: Post vom Sieger und Waffen-Details
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Botn: Ein Jahr mit kaputtem Gewehrschaft
Botn wurde später in der Saison erst wieder für die Rennen in Nordamerika nominiert; in Soldier Hollow und Canmore beeindruckte er dann aber gleich mit vier Top-Ten-Platzierungen. Im Sprint von Soldier Hollow stand er sogar auf dem Podest (3.).
Weil seine Schießleistungen jedoch weiterhin schwankten und auch die Vorbereitung auf die Saison 2024/25 nicht gut lief, musste Botn den kompletten Weltcup-Winter zusehen. Erst bei der internen Ausscheidung der Norweger in Geilo vor der aktuellen Saison konnte er die Trainer wieder von sich überzeugen.
Interessant zudem: "Man dachte immer, er sei ein schlechter Schütze. Dabei hat er ein Jahr lang mit einem Riss im Gewehrschaft geschossen, bis das mal jemandem aufgefallen ist", sagt Rösch: "Seitdem schießt er auch gut."
Strömsheim: "Er ist komplett verrückt"
Die Laufleistung ist dagegen seit jeher bemerkenswert. Egal wen man im norwegischen Team fragt, jeder hebt dessen fast schon irrwitzigen Trainingseifer hervor. "Wenn man bedenkt, was er schon alles investiert hat und wie lange es gedauert hat, bis sich das ausgezahlt hat … Er ist komplett verrückt, was das Training angeht", meinte sein Landsmann Endre Strömsheim in Östersund anerkennend.
So kommt der 26-Jährige laut eigener Aussage auf über 1200 Ausdauerstunden pro Jahr, dazu sollen knapp 200 Schießstunden kommen. "Das ist für einen Biathleten extrem viel", weiß Ex-Biathlet Rösch. Der Erfolg kommt deshalb auch "nicht von ungefähr", sagt der Olympiasieger von 2006: "Er hat ihn sich nicht nur hart, sondern extrem hart erarbeitet."
Rösch glaubt deswegen auch nicht, dass der "Trainingsbesessene" jetzt wieder in der Versenkung verschwindet. "Für mich ist das keine Momentaufnahme. Sein Grundniveau, dass er sich über Jahre erarbeitet hat, ist einfach krass", sagt der 42-Jährige. Und: Botn ist extrem ehrgeizig.
Botn und seine Trainingsakribie
Als er nach seinen zwei Siegen im Verfolger von Östersund "nur" Dritter wurde, meinte er selbstkritisch: "Das war irgendwie halbherzig." Im Gespräch mit "NRK" gab er zudem zu, noch "weit weg von einem vollendeten Biathleten" zu sein. Geschwindigkeit, körperliche Stärke, Schussgenauigkeit - überall habe er noch Luft nach oben. "Es gibt noch viele Dinge, die ich verbessern kann", sagt der 26-Jährige.
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Highlights: Fillon Maillet stoppt Auftaktserie von Botn
Quelle: Eurosport
Sicher ist: Mit det Akribie Botns, der einen Bachelor in Sportwissenschaften hat, wird er das norwegische Team in den nächsten Wochen und Monaten auf Trab halten. So sagte sein langjähriger Trainer Anders Överby: "Du kannst ihn echt keine halbe Stunde mit einem Laptop alleine lassen, weil er danach sofort mit zehn neuen Trainingskonzepten ankommt - und du musst Schritt halten."
Sein Teamkollege Vetle Sjaastad Christiansen hat deswegen auch schon einen Tipp, wofür Botn seine Östersund-Prämie einsetzen sollte: "Vielleicht für einen neuen Gaming-PC und genug Spiele, um 24 Stunden am Tag beschäftigt zu sein."
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