Eurosport
Biathlon: Männer-Bundestrainer Mark Kirchner tritt zurück - Uros Velepec und Jens Filbrich werden Nachfolger
Von
Publiziert 19/03/2023 um 13:48 GMT+1 Uhr
Männer-Bundestrainer Mark Kirchner verlässt überraschend das Weltcup-Team der deutschen Biathleten. Nach dem abschließenden Massenstart der Männer beim Saisonfinale in Oslo gab der 52-Jährige seinen Rücktritt bekannt. Die Nachfolge des dreimaligen Olympiasiegers werden der bisherige Co-Trainer Uros Velepec und der ehemalige Ski-Langläufer Jens Filbrich als Duo antreten.
Kirchner emotional: "War schwer, es der Mannschaft mitzuteilen"
Quelle: Eurosport
"Jetzt ist für mich der Zeitpunkt gekommen, um den Weg für neue Impulse freizumachen", sagte Kirchner und sprach von "33 intensiven Jahren mit ganz vielen emotionalen Highlights, wertvollen Erfahrungen für das Leben, einer Menge interessanter Menschen, aber auch einigen Enttäuschungen".
In seiner aktiven Zeit hatte er neben dreimal Olympia-Gold und einmal Silber insgesamt sieben WM-Titel gewonnen.
Die deutschen Skijäger müssen bei ihrer angestrebten Rückkehr an die Weltspitze auf die jahrzehntelange Expertise des dreimaligen Olympiasiegers verzichten.
Die Heim-WM in Oberhof sei trotz des enttäuschenden Abschneidens der Männer ein passender Abschluss gewesen. "Auch wenn wir in diesen zwei Wochen leider nicht alle unsere Ziele erreichen konnten, haben wir in der zurückliegenden Saison definitiv wieder einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht", sagte Kirchner.
Kirchner konnte seine Emotionen und auch einige Tränen nicht zurückhalten. "Es ist schwierig zu beschreiben. Einmal war es schon schwer, das gestern der Mannschaft mitzuteilen. Dann es heute öffentlich zu machen", sagte der 52-Jährige mit einem Kloß im Hals: "Wenn man immer nach der Höchst- und Bestleistung strebt, dann nimmt man das mit, auch als Mensch. Immer wenn man mit viele Menschen zu tun hat und mit ihnen in Grenzbereiche vordringt, dann sammelt man ganz viele Erfahrungen, lernt ganz viele verschiedene Seiten kennen. Das ist mit das Wichtigste, was ich aus dieser Zeit mitnehme, dass ich als Mensch viel gelernt habe."
Rösch reagiert auf Kirchner-Rücktritt - Zeitenwende bei Männern steht bevor
Worauf er sich nun am meisten freue? "Dass meine Familie mehr Zeit bekommt als bisher", so Kirchner, der auch Eurosport-Experte Michael Rösch in seiner aktiven Zeit lange begleitete. "Ich kenne ihn schon Ewigkeiten. Er war mein Juniorentrainer, als ich 17, 18 Jahre alt war", sagte Rösch am Eurosport-Mikrofon.
Dass Kirchner nun den Weg freimache, findet der Staffel-Olympiasieger von 2006 eine sinnvolle Entscheidung. "Ich glaube, es ist wie er sagt, dass ein Prozess im Team im Gange ist. Er erreicht das Team vielleicht auch nicht mehr so mit dem neuen Input."
Der zweimalige Olympia-Medaillengewinner Filbrich ist bereits seit Mai 2022 Teil des Trainerteams für den zweitklassigen IBU-Cup. "Die Erfahrungen, die ich hier sammeln durfte, helfen mir natürlich, die biathlonspezifischen Herausforderungen besser einzuordnen", wird Filbrich in einer Pressemitteilung des DSV zietiert: "Aber mein Haupt-Fokus als Disziplintrainer der Weltcup-Mannschaft wird natürlich auch weiterhin im Lauftechnik- und im Athletikbereich liegen."
Kirchner soll dem Deutschen Skiverband (DSV) als übergreifender Nachwuchstrainer erhalten bleiben und sich künftig um "die strategische Athletenentwicklung" kümmern. Als Leitender Disziplintrainer der Männer stand er seit 13 Jahren in der Verantwortung. "Die Erfahrung und das Wissen, das Mark in den vielen Jahren gesammelt hat, wollen wir natürlich unbedingt im System erhalten", sagte Sportdirektor Felix Bitterling: "Mit der neuen Konstellation beschreiten wir zwar ganz bewusst ein paar neue Wege, bleiben in der generellen Ausrichtung aber auf dem eingeschlagenen Kurs."
Nach Olympiasiegerin Denise Herrmann-Wick verliert der Verband damit im Weltcupteam eine weitere prägende Persönlichkeit der vergangenen Jahre. Die 34-jährige Herrmann-Wick hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass der Massenstart von Oslo ihr letztes Rennen sein werde. Nun steht auch bei den Männern eine Zeitenwende an.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/03/19/3658686.jpg)
Mark Kirchner (Deutschland) während der Olympischen Spiele 1992 mit seinen Medaillen, Gold in der 4x7,5km Staffel, Gold über 10km und Silber über 20km
Fotocredit: Imago
DSV: Schwaches Abschneiden im Massenstart rückt in den Hintergrund
Das aus deutscher Sicht enttäuschende Abschneiden im letzten Saisonrennen rückte damit natürlich in den Hintergrund. Doll, im Sprint noch Dritter und im Verfolger tags zuvor Vierter, kam nicht über Rang 24 hinaus. Als bester Deutscher landete Roman Rees auf dem 13. Platz.
Der Sieg ging wie schon am Samstag und zum insgesamt 16. Mal in dieser Saison an Gesamtweltcupsieger Johannes Thingnes Bö aus Norwegen. Sein Landsmann Vetle Sjaastad Christiansen sicherte sich mit Rang drei die kleine Kristallkugel für die Disziplinwertung.
Die Deutschen sind von derartigen Erfolgen derzeit weit entfernt - trotz einiger Ausreißer nach oben durch Doll. Bei der Heim-WM in Oberhof erlebten die Männer sogar eine historische Pleite. Erstmals seit 1969 gab es bei Weltmeisterschaften für die erfolgsverwöhnten Skijäger des Deutschen Skiverbandes (DSV) keine Medaille.
Das könnte Dich auch interessieren: Bö krönt Saison im Massenstart - Deutsche verpassen Top Ten
(mit SID)
Werbung
Werbung