Ingrid Landmark Tandrevold hat beim Weltcup in Kontiolahti mit Herzproblemen zu kämpfen: "Es war furchtbar mitanzusehen"
Update 08/12/2024 um 15:30 GMT+1 Uhr
Ingrid Landmark Tandrevold hat in Kontiolahti erneut mit Herzproblemen zu kämpfen gehabt. Im Sprint am Samstag hielt die Norwegerin nach dem ersten Schießen am Rande der Strecke an und versuchte, ihren Pulsschlag wieder in den Griff zu bekommen. "Heute war ich vielleicht so nah dran wie noch nie, ein Skirennen abzubrechen", erklärte Tandrevold später. Am Sonntag reiste die Norwegerin ab.
Ingrid Landmark Tandrevold in Kontiolahti
Fotocredit: Getty Images
"Wir stehen in Kontakt mit einem Kardiologen, um das weitere Vorgehen zu besprechen", erklärte Aasne Fenne Hoksrud, Ärztin des norwegischen Biathlon-Teams der Frauen, die Entscheidung, Tandrevold auf unbestimmte Zeit aus den Wettkämpfen zu nehmen. Sie brauche "Ruhe und Erholung nach Episoden von Herzrasen".
Bereits im Einzelwettbewerb am Mittwoch verlor die 28-Jährige aufgrund von Herzproblemen zwischen dem dritten und vierten Schießen viel Zeit (über eine Minute) auf die Führende Ella Halvarsson. Fans und Experten beruhigte sie anschließend aber: "Mir geht es gut. Die Probleme kommen schnell und gehen schnell wieder vorbei."
Die Ärzte des norwegischen Teams hatten Tandrevold für das Einzel freigegeben, jedoch zeigten die TV-Bilder die Norwegerin erneut abseits der Strecke nach Luft schnappen. "Es ist dasselbe passiert wie beim letzten Mal", sagte die Gesamtweltcupdritte des letzten Jahres. "Mein Herzschlag ist so hoch, dass ich nach dem Schießen einige Zeit brauche, um mich zu beruhigen."
Tandrevold berichtete von einer Art Herzrasen während des Liegendschießens: "Man hat einen konstanten Puls während des Laufens und dann geht der Puls runter, wenn man im Liegen schießt. Wenn man dann auch noch den Atem anhält, wie wir es beim Schießen tun, ist das wahrscheinlich ein Auslöser für mich."
Bei den Olympischen Spielen in Peking 2022 hatten Tandrevolds Herzprobleme erstmals größeres Aufsehen erlangt. Damals brach die Norwegerin am Ende des Verfolgungsrennens völlig erschöpft zusammen und ließ in Absprache mit ihrem Ärzteteam alle anschließenden Wettkämpfe aus.
"So nah dran wie noch nie, ein Skirennen abzubrechen"
Nach dem Sprint in Kontiolahti beruhigte die Biathletin einmal mehr. Es sei nichts Gefährliches, sagte sie in einem Interview mit "NRK", gab aber auch zu: "Heute war ich vielleicht so nah dran wie noch nie, ein Skirennen abzubrechen, das gebe ich zu. Ich war ziemlich nervös."
Die Probleme der Norwegerin sind auch ihren Konkurrentinnen nicht entgangen. Die Siegerin des Sprints, Marketa Davidova, zeigte sich besorgt: "Es ist verrückt, was mit Ingrid passiert."
Auch die norwegische Teamkollegin Tiril Eckhoff war erschüttert. "Es war furchtbar mitanzusehen. Wirklich schrecklich."
Ragnar Hagen, Leiter des Gesundheitsteams der norwegischen Biathlon-Nationalmannschaft, äußerte sich ebenfalls zum Vorfall. Er habe bereits Kontakt mit einem Spezialisten aufgenommen, der versichert habe, dass Tandrevolds Herzrhythmusstörungen ungefährlich seien.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/04/4068908-82515813-2560-1440.jpg)
"Wieder was mit dem Herzen...": Spekulation um Tandrevold-Probleme
Quelle: Eurosport
Hagen erklärte gegenüber dem Sender "TV2" zudem: "Sie hatte unterwegs Herzprobleme und ist dann einem festgelegten Plan gefolgt." So habe Tandrevold getan, was sie tun musste, um ihren Herzschlag wieder auf Normalniveau zu bringen, ehe sie normal weiterlaufen konnte.
Eurosport-Experte Michael Rösch kennt das Gefühl eines viel zu schnellen Herzschlags aus eigener Erfahrung: "Ich hatte das auch schon mal. Plötzlich gerät das Herz aus dem Takt und schlägt ganz schnell - 220/230 Schläge in der Minute. Dadurch hast du natürlich extrem hohes Laktat und Stress. Nach ungefähr einer Minute kommt es dann wieder in den normalen Rhythmus."
Tandrevold lässt Umgang mit Problemen in Zukunft offen
Laut "TV2" habe das EKG bei Tandrevold keine beunruhigenden Erkenntnisse zu Tage gefördert. Das sind schon einmal gute Nachrichten. Dennoch müsse man "zusammen mit Ingrid, mit dem Arzt und dem Betreuungsteam sprechen und herausfinden, was das Beste für die ganze Situation ist", erklärte Hagen weiter.
Ähnlich sieht das auch der ehemalige Biathlet und heutige TV2-Experte Ole Einar Björndalen: "Ich bin kein Arzt, aber es liegt wirklich in der Verantwortung des Trainers und der Läuferin, herauszufinden was los ist. Wenn ich es wäre, hätte ich angehalten und einen richtigen Realitätscheck gemacht. Zwei Rennen zu laufen, wenn es ums Herz geht, finde ich lächerlich", so der sechsmalige Gesamtweltcupsieger.
Tandrevold selbst ließ offen, wie sie in Zukunft mit den Problemen umgehen wolle: "Ich werde mich mit dem Arzt und den Trainern darüber unterhalten, was wir in Zukunft tun werden, und dann werden wir sehen", sagte die Norwegerin knapp.
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: "Biathlon kann auch zum Kotzen sein": Zobel tief frustriert
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/07/4070123-82540108-2560-1440.jpg)
Davidova holt Sprint-Sieg - Minkkinen überrascht bei Heimspiel
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung