Laura Dahlmeier auf Magdalena Neuners Spuren: Medaillensammeln als 'Nebensache'

Laura Dahlmeier zählt spätestens nach der WM in Oslo zur absoluten Weltelite im Biathlon-Sport. Eurosport-Experte Sigi Heinrich beleuchtet den Werdegang der 22-Jährigen und erkennt dabei viele Parallelen zu einer deutschen Biahtlon-Legende.

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Enge Täler, hohe Berge, tiefe Seen. Bemalte Häuser und barocke Kirchtürme. Das Werdenfelser Land mit dem Hauptort Garmisch-Partenkirchen bedient Klischees nach dem Motto: Hier ist die Welt noch in Ordnung. Im Süden der Bundesrepublik Deutschland, wo sogar die Grenze in Scharnitz nach Österreich noch unkontrollierbar passierbar ist.
Dort ist das Land, aus dem immer wieder neue Biathlon-Talente das Licht der Welt erblicken. Martina Beck aus Mittenwald, Magdalena Neuner aus Wallgau, Miriam Gössner und Laura Dahlmeier aus Garmisch-Partenkirchen.
Zöge man mit dem Zirkel einen Kreis, finden sich alle innerhalb von zwanzig Kilometern wieder. Und mittendrin, als Zentrum sozusagen, steht Bernhard Kröll, Zollamtsinspektor, aber eigentlich bekannt als Trainer und Entdecker dieser großen Talente, die er in Kaltenbrunn, einer kalten Ecke, wie schon der Name sagt, auf die großen Aufgaben vorbereitet.

Natur statt Luxus

Dort, wo im Winter der Schießstand aufgebaut wird, weiden im Sommer die Kühe. Vieles ist natürlich geblieben und vielleicht ist gerade der Verzicht auf den Luxus eines hochmodernen Trainingszentrums eines der Erfolgsgeheimnisse. Natürlich ist Magdalena Neuner die bekannteste Athletin aus dieser Gruppe. Sie war gar dreimal Deutschlands Sportlerin des Jahres, gewann zwei Olympia-Goldmedaillen und wurde zwölfmal Weltmeisterin.
Dabei hat sie ungewollt alle Klischees bedient. Das nette Mädel aus den Bergen, wohlgeformt, das Harfe spielt, ihre Socken selber strickt und am Sonntag brav in die Kirche geht. Und die in der unbarmherzigen Welt des Spitzensports immer Contenance bewahrte, sich nicht verbiegen ließ und, als es ihr zu bunt wurde, dem Sport, den sie wie kaum eine anderen Athletin vor ihr geprägt hatte, lebewohl sagte. Nach nur sechs Jahren an der Spitze. Ihr war ihr Leben wichtiger als Biathlon.
Das eint sie mit Laura Dahlmeier, der eine ähnliche Karriere vorausgesagt wird und die jetzt, nach zwei Weltmeisterschaften, bereits sieben Medaillen gewonnen hat. Fünfmal trat sie in Oslo an, einmal siegte sie, einmal gewann sie Silber und dreimal Bronze. Nur die Französin Marie Dorin-Habert übertrumpfte sie.

Dahlmeier auf den Spuren Neuners

Dass Laura Dahlmeier als Nachfolgerin von Magdalena Neuner gehandelt wird, belastet sie nicht im Geringsten. Sie hat schon jetzt, sehr früh und völlig unbelastet, ihre eigene Persönlichkeit entwickelt. Sie strickt nicht, sondern klettert in ausgesetzte Feldwände.
Sie spielt nicht Harfe, sondern sitzt auch mal in der Bergwacht-Hütte bei einem gemütlichen Plausch. Sie wirkt der Natur noch näher als Magdalena Neuner, was auch an Dahlmeiers sportlichen Eltern Andi und Susi liegt. In jedem Fall hat es die 22-jährige geschafft, den Biathlon-Hype, der mit Neuner schier beängstigende Formen angenommen hatte, weiter zu befeuern.
Angst, dass die neue Popularität sie von ihrer Lebenslinie abbringen wird, muss man nicht haben. Sie ist ähnlich gepolt wie Magdalena Neuner. Sollte es ihr eines Tages zu viel werden, wird sie aufhören. Schlicht und einfach. Möglicherweise ähnlich früh wie Neuner. Vielleicht liegt auch das an dieser Gegend, in der die Menschen früh erkennen, dass Sport wirklich nur eine Nebensache sein kann und sein soll.
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