Michael Rösch exklusiv zum neuen DSV-Sportdirektor Bernd Eisenbichler: Das muss der neue Biathlon-Boss anpacken

Der deutsche Biathlon-Sport läutet eine neue Ära ein, auf der Loipe und am Schießstand genauso wie auf der Position des Sportdirektors. Bernd Eisenbichler übernimmt ab dem 1. Mai offiziell für Felix Bitterling und ist damit dessen Nachfolger und Vorgänger. Eine gute Wahl, wie Olympiasieger Michael Rösch bei Eurosport.de erklärt. "Wenn ich den Namen Eisenbichler höre, habe ich keine Bedenken."

Sportdirektor Bitterling: "Wir sind natürlich nicht zufrieden"

Quelle: Eurosport

"Ich kenne Bernd Eisenbichler gut, habe während meiner aktiven Zeit erlebt und gesehen, wie er mit dem Team der USA gearbeitet hat. Dort hat er in seiner Rolle als sportlicher Leiter viel aufgebaut", sagt Michael Rösch und spielt damit auf die positive Entwicklung an, die der Biathlon-Sport in den Vereinigten Staaten genommen hat.
Mit Eisenbichler holt sich der Deutsche Skiverband (DSV) nun das Know-how des 50-Jährigen zurück, der nach seiner Zeit in den USA von 2019 bis 2022 Sportdirektor der deutschen Nationalmannschaft war. Eine Zeit, die beim DSV vor allem durch die Erfolge von Denise Herrmann-Wick (u.a. Olympia-Gold 2022) oder Arnd Peiffer (WM-Silber 2021) sowie diversen Podest-Platzierungen der Staffeln geprägt war.
Eisenbichler, erklärt Rösch, sei ein ganz anderer Typ als Felix Bitterling, der die Rolle von 2022 bis 2026 innehatte und noch bis Saisonende ausfüllt. "Bernd ist ruhiger, aber dennoch kommunikativ." Er habe ihn als "sehr angenehmen" Gesprächspartner in Erinnerung, blickt Rösch zurück. Der DSV habe einen "guten Nachfolger" erwählt.
Einen, der zuletzt Geschäftsführer der Sportmarke Maloja war und sich nun gegen andere Kandidaten durchsetzte. "Es gab mehrere Persönlichkeiten, denen wir diese Aufgabe grundsätzlich zugetraut hätten", verrät DSV-Sportvorstand Andreas Schlütter. "Am Ende hat uns das Gesamtkonzept von Bernd Eisenbichler am meisten überzeugt. Seine Ideen, seine Erfahrung im internationalen Biathlon und sein klarer Blick auf die nächsten Entwicklungsschritte haben für uns den Ausschlag gegeben."

Rösch: "Man muss die Dinge jetzt knallhart ansprechen"

Daran, dass es großer und wohlüberlegter Schritte bedarf, besteht kein Zweifel. Bei Olympia 2026 reichte es nur zu einer Bronzemedaille in der Mixed-Staffel, im Gesamtweltcup findet sich derzeit kein deutscher Biathlet und keine DSV-Biathletin in den Top 10, auch einen Sieg gab es in diesem Winter noch nicht.
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Bernd Eisenbichler übernimmt als Sportdirektor für Felix Bitterling

Fotocredit: Imago

"Wenn man die grundsätzlich positive Entwicklung der vergangenen drei Jahre betrachtet, müssen wir selbstkritisch sagen, dass wir mit dem Verlauf dieses Winters insgesamt nicht zufrieden sein können", räumt Schlütter ein.
Eisenbichler, die Trainer, Techniker und Aktiven seien gefordert, unterstreicht Rösch. "Man muss die Dinge jetzt knallhart ansprechen, analysieren, warum bestimmte Sachen passiert sind. Dazu sollte man nach links und rechts schauen, wie andere Nationen vorgehen - ohne sich dabei zu verirren. Vielmehr kann es sinnvoll sein, diese Erkenntnisse mit dem in Einklang zu bringen, was das deutsche Biathlon früher ausgezeichnet hat", so der Staffel-Olympiasieger von 2006.

Rösch: Klares Konzept und viel Potenzial bei DSV-Frauen

Allerdings: "Am Ende muss ein klares Konzept stehen, das die Frage beantwortet, wo man hinwill", betont Rösch. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass "andere Nationen, vor allem Frankreich, ihre Sache im Moment bedeutend besser" machen.
Nichtsdestotrotz "ist das Potenzial, gerade bei den deutschen Frauen, sehr gut. Da ist eine Selina Grotian, die bereits ein Weltcuprennen gewonnen hat. Eine Julia Tannheimer, die mit ihren 20 Jahren bei den Laufzeiten im Top-10-Bereich liegt - oder auch Janina Hettich-Walz mit ihrem Potenzial."
Es ist also auch nach dem Karriereende von Galionsfigur Franziska Preuß die Hoffnung da, dass die DSV-Skijägerinnen auf absehbare Zeit wieder eine prägende Rolle spielen. In der Weltcup-U23-Wertung ist das bereits der Fall. Hinter der Norwegerin Maren Kirkeeide folgt mit Tannheimer, Marlene Fichtner und Grotian ein deutsches Trio auf den Plätzen zwei bis vier. Bei den Männern sieht es nicht ganz so rosig aus, mit Leonhard Pfund (22) auf Rang vier hat der DSV ebenfalls ein starkes Talent in Lauerstellung.
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"Mein lieber Scholli": Fichtner gelingt dicke Einzel-Überraschung

Quelle: Eurosport

Bitterling zwischen Kritiker und Beschützer

Inwiefern Eisenbichler dazu beitragen kann, im Verband und im Team die Rahmenbedingungen zu schaffen, um die jungen DSV-Biathleten an die Weltspitze heranzuführen, hängt laut Rösch maßgeblich mit der Ausgestaltung der Position des Sportdirektors zusammen.
"Zu meiner Zeit ist der Sportdirektor selten in Erscheinung getreten. Felix war in den vergangenen Jahren bei jedem Weltcup dabei, fungierte als Bindeglied zwischen Team, Trainern, Sportlern und den Medien. Er war überall involviert. Felix war als Alleskönner und als Allesmüsser gefragt. Das ist ein sehr großes Aufgabenfeld."
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Biathlon-Sportdirektor Felix Bitterling

Fotocredit: Getty Images

Bitterling, der ab kommender Saison wieder beim Biathlon-Weltverband IBU arbeitet, sei ein wenig wie "ein UNO-Blauhelm" im Sport, zieht Rösch einen Vergleich. "Er ist einer, der vermittelt." Teils als Kritiker nach schwächeren Ergebnissen der Mannschaft, teils als Beschützer der Aktiven bei allzu aggressiver Kritik vonseiten der Presse.

Wieviel Macht bekommt Eisenbichler?

Wie es Eisenbichler halten wird, muss sich erst noch herauskristallisieren, sicher sei bislang nur: "Bernd ist nicht das eine Puzzleteil, auf das es ankommt. Er ist eines von vielen, die zusammen ein stimmiges Bild ergeben müssen. Von heute auf morgen wird man das nicht umkrempeln können, das geht nicht mit einem Fingerschnippen", erläutert Eurosport-Experte Rösch.
Was den DSV-Biathlon-Sportdirektor der Zukunft betrifft, müsse man abwarten, "welche Wichtigkeit man ihm gibt und wie seine Rolle definiert wird".
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Quelle: Eurosport


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